Kabul. London. Syrien. Es ist Zeit umzukehren

Tagtäglich hören wir die Nachrichten. Manche nehmen wir lauter wahr, andere dringen nur leise an unser Ohr, wieder andere gar nicht. Der Tod in Kabul erscheint uns selbstverständlicher, nachvollziehbarer als der, der direkt in der eigenen Nachbarschaft stattfindet. Wieder ein Anschlag in London.

Hass prägt unsere Entscheidungen. Wir haben aufgehört, uns zu allen Menschen zu bekennen. Wir haben irgendwann angefangen, unser Wohl deutlich höher zu stellen als das der anderen. Etwas tun für andere, wenn es mich etwas kostet? Klimaziele? Pah. Weniger Ausbeutung in den Regionen, die ohnehin unfassbar arm sind? Es ist Zeit aufzuhören. Es ist Zeit aufzuhören mit der Ignoranz gegenüber vollkommen selbstverständlichen Einsichten. Ja, unser Tun hat Auswirkungen auch auf Menschen, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass sie existieren. Ja, Handel und Wirtschaft rechnet sich oft nicht, wenn man die Kosten miteinbezieht, die es braucht, um Produkte sinnhaltig zu verarbeiten auch wenn sie kaputt sind und Müll. Es ist Zeit umzukehren. Es ist Zeit, Respekt zu zeigen für alles Leben. Alles andere ist zutiefst unverantwortlich.

Bodo Kirchhoff. Widerfahrnis

Den richtige Ton. Er ist wichtig, wenn man auf der Suche ist nach einem neuen Buch. Widerfahrnis habe ich gekauft, als Bodo Kirchhoff dafür den Deutschen Buchpreis bekommen sollte. Ich mache das sonst nicht. Ich kaufe und lese oft eher die, die dagegen sind. So war das jedenfalls früher. Seit einigen Jahren befreie ich mich aber von diesen Vorurteilen. Noch ein Vorurteil. Ich mochte die Frankfurter Verlagsanstalt nie. Ich empfand sie als konservativ. Sie stand für eine Literatur, die nicht meine war, mehrheitlich. Natürlich gabs da aber immer auch interessante Bücher.

Zurück zu Bodo Kirchhoffs Widerfahrnis. Nein, eine Rezension wird dies nicht. Es kann noch keine werden, denn ich habe erst einige Seiten gelesen. Der Ton stimmt. Ja, ich mag es auch, etwas von einem Frankfurter Autoren zu lesen. So gesehen beherrsche ich noch nicht immer alle meine Vorurteile. Der Ton stimmt, die Stimmung baut sich nach wenigen Worten auf. Mehr braucht es zunächst einmal nicht. Da ist was zwischen mir und diesem Buch. Mal schauen, vielleicht ist da auch was zwischen mir und diesem Autor.