Alltags-Notizen: Öfters Zeitung(en) Lesen

Ich habe mir ja schon vor einiger Zeit vorgenommen, wieder mehr Papier zu lesen. Journalismus bringt mich ja durchaus öfters auf die Palme, weil ich denke, dass er seine Aufgabe viel zu oft nicht erfüllt. Gleichzeitig gilt es aber auch, nicht blind zu werden für guten Journalismus. Und den gibt es nach wie vor. Ich will diesen guten Journalismus wieder öfters finden. Also, auf geht’s!

Desinformationszeitalter

Wir leben in modernen Zeiten. Zu keiner anderen Zeit war es so einfach, sich gut zu informieren. Denkt man.

Ich will nicht bestreiten, dass es heute einfach ist, sich Informationen über einen Menschen oder ein Thema zu beschaffen. Das Netz macht es möglich. Oder sollte ich sagen: Das Netz scheint es möglich zu machen? Wenn man genauer hinschaut, dann ist es heute in vielen Situationen extrem schwer, unabhängige Informationen zu einem Thema oder einem Menschen zu finden. Versucht mal, euch über eine x-beliebige Person, etwa einen Politiker oder eine andere öffentliche Person, komplett zu informieren. Überall fnden sich positive Passagen und komplett wunderschöne Lebensläufe. Sie sind beinahe alle geshaped, sie sind geschönt. Die unschönen Passagen sind im besten Falle freundlich dargestellt, sehr häufig sind sie aber auch gar nicht mehr da. Bei Produkten und bei komplexeren Themen wird das Produkt oder die Idee hinter einem Thema sogar noch aktiv positiv dargestellt und es werden tonnenweise nicht beweisbare positive Pseudo-Argumente in die Welt gesetzt, um uns zu beeinflussen. Sich das ganze Bild machen ist schwierig und nicht selten gar nicht möglich oder wir müssen eben doch den ganzen Weg gehen und das heißt, sich ggfs. auch außerhalb des Netzes zu informieren und Quellen heranzuziehen, die man nicht mal eben so einfach klittern kann.

Und da ist es wieder, das Thema Medienkompetenz und mündiger Bürger. Und da ist auch wieder die Erkenntnis, dass leicht und schnell meist nicht gut sein kann. Wer sich das ganze Bild machen will, der muss bereit sein, Zeit zu investieren und Mühe. Anders geht es nicht.

Asterix bei den Pikten

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Das Heft lag nun lange Tage und Wochen zu hause. Irgendwann in der letzten Woche ergab sich ein kleiner Freiraum und da habe ichs dann endlich gelesen.

Und, wie wars?

Hm, wie soll ich das sagen? Besser: was soll ich sagen? Ich traue meinen Eindrücken noch nicht vollkommen und habe mir vorgenommen, zeitnah auch wieder mal die alten Hefte heraus zu kramen und sie zu lesen. Ein Freund meinte, er fände die Zeichnungen gut, die Witze wären auch a) vorhanden aber b) von der Sorte, wie man sie sich aus einem Werkzeugkasten “Wie baue ich ein Asterix-Heft” zusammen sucht. Vielleicht ist es das. Die Zeichnungen sind wirklich sehr sehr gut. Sie sind viel perfekter als es die alten Zeichungen gerade auch aus den ersten Heften waren. Und die Geschichte ist, wie es den Anschein hat, eine gute Idee für eine Asterix Geschichte. Ich bin bereit gewesen beim Lesen, habe immer wieder darauf gewartet, herzhaft los zu lachen aber alles in allem blieb ich innerlich recht reserviert. Kein Szene, die Dich zum unmittelbaren Lachen reizt, dafür aber viele Szenen, die einen schon schmunzeln lassen. Es finden sich sogar politische Statements (etwa zur Asylpolitik). Ich kann mich gerade nicht konkret erinnern, ob es das so früher auch gab. Aber, diese kleinen Spitzen finde ich okay und eigentlich finde ich sie sogar gut.

Ein vorläufiges Fazit

Ich gehe mal in mich, zusammen mit einigen alten Heften. Ich finde in “Asterix bei den Pikten” sehr gute Ansätze für das neue Team Jean Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen). Persönlich würde ich mir wünschen, dass die beiden Neuen in den folgenden Heften durchaus eine eigene Handschrift erarbeiten. Nur dann kann Asterix glaubhaft weiterleben. Natürlich gilt: alle neuen Ideen werden ganz sicher auch auf Widerstand stoßen, denn schließlich gibt es immer auch Leute, die eine Sache quasi einbalsamieren wollen. Persönlich glaube ich nicht daran, dass man eine Geschichte auf eine lange Sicht so glaubhaft erzählen kann, aber, das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung. Ob nun “Asterix bei den Pikten” der große Wurf ist oder auch nur ein großer Wurf oder ob es vielleicht nur ein Wurf ist, für einen richtigen Asterix Liebhaber gehört das Heft in jedem Fall eingegliedert in die Sammlung zu den anderen Heften.

Lesen: Reinhard Jirgl – Die Stille

Anders Lesen. Das musste ich zuerst lernen, um mich schließlich auf die Texte von Reinhard Jirgl einlassen zu können. Zwischendurch immer wieder auch mal nachlesen, was über ihn und seinen Schreibstil geschrieben wird , seine ganz eigene Orthographie. Sicher ein Ausdruck meiner Verunsicherung. Die veröffentlichte Meinung recht uneinheitlich zwischen wohlwollend und ablehnend. Es gibt auch große Begeisterung. Ich selbst beäuge das noch etwas misstrauisch. Büchner Preisträger (2010)! Ja, und? Was zählt ist, ob diese eigentümliche Schriftsprache am Ende nur effekthascherisch ist oder ob sie etwas bewirkt, was den Intentionen des Autors und auch und vor allem der Geschichte selber dient. Es geht schließlich um Inhalte. Hoffe ich.

Stell Dir vor, der Wahlkampf ist vorbei und keiner bemerkt das

Der Tag danach war schwer, sehr schwer. Überraschenderweise hatte das bei mir kaum etwas mit dem Wahlergebnis zu tun. Dieses konnte man, wenigstens teilweise, ja so erwarten. Was ich wollte war/ist Nachberichterstattung zur Bundestagswahl und erste Analysen. Natürlich sah ich mich auch bei Twitter, Status.net & Co. um und hatte sehr schnell genug. Ich habe alles abgeschaltet und mich auf mein Arbeiten konzentriert. Der Wahlkampf ist vorbei. Viele im Netz aber auch bei den Journalisten und den Politikern haben das offenbar noch nicht bemerkt. Was es nun bräuchte ist Einordnung der Situation und dann Lösungsansätze. Was es dafür natürlich auch geben sollte, sind fundierte Analysen. Ich finde nichts, was dem auch nur nahe kommt. Stattdessen hat wohl sofort nach dem Wahlkampf der Wettbewerb und den coolsten Spruch begonnen, nahtlos. Viel Häme, wenig Substanz. Und dumme Sprüche haben, gerade bei Twitter, Facebook, Google+, Status.net & Co., wohl auch gerade Hochkonjunktur. Was fehlt? Seriosität. Ernsthafter Wille zur Analyse und bei den Journalisten/Bloggern auch der freie Blick auf die Situation. Ich will Analyse und nicht die Vorurteile und das Weltbild des Journalisten/Bloggers. Aber, da erwarte ich wohl zu viel.

Btw2013: Selbsterkenntnisse

Die Bundestagswahl ist bald da. Damit geht mein erster Themenschwerpunkt quasi ganz von alleine zuende. Als ich #Btw2013 (= Bundestagswahl 2013) begann, hatte ich viele Pläne. Manche davon schrieb ich auf und manche anderen habe ich eher für mich voran getrieben, im Stillen. Ich habe in den letzten Monaten viel gelernt, auch über mich und mein Verhältnis zum Bloggen und Berichten.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass ich genau nachdenken sollte, was ich mir vornehme, denn ich muss gestehen: meine eigenen ersten Ideen zum Schwerpunkt habe ich beinahe alle nicht erreicht. Das Thema war/ist mächtig und birgt großes Frustpotential und ich habe mich tatsächlich frustrieren lassen von all dem, was man da miterleben durfte. Als ich das merkte, habe ich meine Herangehensweise ein wenig verändert. Das half. Ich versuchte, mehr die Zusammenhänge aufzuzeigen und habe versucht, abseits der puren Tagespolitik Schlüsse zu ziehen aus den eintrudelnden Nachrichten. Dieser Weg fühlte sich besser an und doch habe ich, dass muss ich eingestehen, viel zu wenig geschrieben. Auch, wenn ich es legitim finde, nicht jedem Skandal, jeder Fehlentwicklung nachzurennen, sollte ein Schwerpunkt das Thema von möglichst vielen Seiten abbilden, er sollte Zusammenhänge sichtbar machen und wenigstens manchen Lesern neue Einsichten ermöglichen. Alle diese Ziele habe ich klar verfehlt.

Sind Schwerpunkte doof?

Nein, Schwerpunkte sind nicht doof. Doof ist es, wenn man es versäumt, klar seine Ziele zu formulieren und doof ist auch, wenn man sich nicht gut genug überlegt hat, ob man ein Thema überhaupt alleine stemmen kann. Diese Binsenwahrheit muss ich mir selber ans Rever heften. Dann sollte es auch klappen mit dem Spaß, den es machen kann, Themen einmal mehrschichtiger zu betrachten und über einen längeren Zeitraum hinweg. Ob ich wirklich aus den Fehlern gelernt habe, werde ich schon relativ bald sehen, denn ich habe eine neue Idee für einen Schwerpunkt. Aber, ich muss da nochmal ordentlich drüber nachdenken. Und zwar aus Gründen. Ihr wisst schon..