Epiphany-Browser. Meine (neue) Sicht auf das Internetz

Ein Versuch wird zum Alltag. Always Beta könnte man beinahe sagen. Vor einer guten Woche fing alles an. Angetrieben von dem Gedanken, mich ein wenig von Google zu emanpzipieren, versuchte ich mal wieder, das Internet durch einen alternativen Browser anzuschauen. Meine Wahl fiel auf das Epiphany-Projekt. Ich hatte in der Vergangenheit desöfteren versucht, Epiphany zu meinem Standardbrowser zu machen. Bisher war das vor allem daran gescheitert, dass allzu viele Webseiten nicht korrekt dargstellt wurden und auch dadurch, dass der Anzeigen-Blocker von Epiphany nicht heutigen Standards genügte. Meine Erwartungen waren also an sich nicht besonders hoch.

Alltag mit Epiphany

Schon nach den ersten Klicks war ich überrascht. Epiphany war schon immer sehr sehr schnell, aber was sich mir jetzt zeigte, hatte ich nicht erwartet. Gefühlt (und eben nicht gemessen) stellt Epiphany bezogen auf die Schnelligkeit selbst Googles Chrome-Browser in den Schatten. Noch dazu kommt der Browser in sympathisch asketischer Optik daher und entspricht damit ziemlich exakt meinen Idealen in Sachen Browser-Design. Auch der AdBlocker übte seine Tätigkeit ohne Fehl und Tadel aus. Ich war erstaunt und ertappte mich schon nach wenigen Stunden dabei, dass ich meine Systemsettings dahingehend änderte, dass Epiphany mein Standardbrowser wurde. Well done!

Details. Umdenken. Andersartigkeiten

Und nun steuerte ich auf den größten Unterschied zu. Epiphany geht mit Bookmarks komplett anders um als die großen Browserprojekte von Mozilla und Google. Man taggt Lesezeichen, kann Lesezeichen aber nicht in ein Ordnersystem packen. Man kann sich das Aufbewahren ein wenig so vorstellen wie Gmail den Posteingang sortiert. Dort nennt man das ja Labels. Alle Lesezeichen liegen auf einer Ebene und werden eben nur durch Schlagworte geordnet. Wenn man sehr viele Lesezeichen hat, kann man entweder suchen oder auch Shortcuts vergeben für die oft genutzten Lesezeichen. Für mich ging es nun schlussendlich um die Frage, ob ich bei Epiphany bleiben sollte und in eine andere Lesezeichen-Philosophie investiere oder ob ich mich von der absoluten Andersartigkeit des Abalagesystems abschrecken lasse und wieder in gewohnte Bahnen zurückkehre. Ich entschloss mich erneut zu einem Feldversuch. Ich wollte Epiphany einige Tage testen und wollte ein vollkommen neues Lesezeichenarchiv aufbauen. Im Gegensatz dazu hatte ich sonst immer versucht, die Lesezeichen aus dem Firefox oder aus Chrome einzulesen. Vom ersten Klick an fühlte ich mich wohl mit dem neuen System. Quasi als Abfallprojekt konnte ich so elegant alle Lesezeichen loswerden, die alt waren und die ich einfach noch nicht weggeschafft hatte aus meiner »alten« Lesezeichendatei. Wieder einige Tage weiter habe ich mittlerweile einen neuen Stamm an »Lesezeichen für jeden Tag«. Meine alte Lesezeichen-Datei vermisse ich (bisher) ü-ber-haupt nicht. Stattdessen geniesse ich es, ein wenig mehr Abstand zu haben zu Google.

Ach ja: zeitgleich mit dem Projekt Epiphany begann ich DuckDuckGo als Standardsuchmaschine zu benutzen. Ich kann zwar die Gedanken unterschreiben, die sich Marcel Weiss zum Thema »Erfahrungsbericht anderthalb Jahre mit 3 Suchmaschinen-die-nicht-google-sind« gemacht hat, allerdings komme ich mit DuckDuckgo sehr gut zurecht, denn meine Netzsuchen sind dort meist gut zu bewerkstelligen. Fazit: Es gibt ein Leben, dass nicht abseits von Google stattfindet, dass aber sehr wohl in der Lage ist, den Datenstrom in Richtung Google zumindest stellenweise mit deutlichen Lücken zu versehen. Noch dazu schaue ich mein Internetz nun durch vollkommen neue Augen an. Diese Augen sind sehr schön, sie sind stylish und enorm scharf und schnell. Epiphany rulez!

2 Gedanken zu „Epiphany-Browser. Meine (neue) Sicht auf das Internetz

  1. Markus Sowada sagt:

    Haha, it seems that they have to sell their product to these „confused customers“ who uses a completely wrong device. ;-)

    Another case: If I started using Epiphany and login to my WordPress Blog, the backend receiced me with the message that WordPress „does not support the Safari Browser“. Had great fun .. ;-)

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