Schreibblockade? Ein böses Wort

Seit viel zu langer Zeit ist hier nichts Relevantes mehr erschienen. Heute will ich, quasi als ersten Schritt, mal damit beginnen, aufzudröseln, woran das liegt. Das böse Wort von einer Schreibblockade schwirrt mir durch den Kopf. Schreibblockade, ein böses und ein großes Wort. Man denkt an Schriftsteller und schwere Schreib- und oft auch Lebenskrisen. Bei mir hängt das alles ein wenig tiefer, aber ich will nicht verhehlen, dass mich dieses Nicht-Schreiben-Können auch sehr in meinem Befinden berührt. Ich habe mir über die Jahre ein Ventil geschaffen. Das Ventil hört auf den Namen Blog. Immer, wenn mir etwas wichtig war/ist, dann schreibe ich darüber. Natürlich gibt es so was wie einen gelebten Privacy-Filter. Allzu Privates findet hier nicht statt, einerseits. Andererseits scheue ich immer weniger davor zurück, Themen anzunehmen. Politisches hätte man hier früher niemals gelesen. Heute würde ich mir komisch vorkommen, wenn ich diesen so wichtigen Lebensbereich aussparen würde. Aber, zurück zum Thema!

Was hält Dich ab?

Die Antwort auf die Frage, was mich schlussendlich vom Schreiben und vor allem vom Veröffentlichen abhält, ist ein Mittelding aus verschiedenen Schlagworten. Zum Einen gehen mir zu viele Themen durch den Kopf und wenn ich diese dann bearbeiten will und wenn ich sie vor allem so aufbereiten will, dass sie für Euch da draußen einen Mehrwert darstellen, dann muss ich allzu oft schon an diesem Punkt die Segel streichen, denn die Zeit für eine wirklich ausführliche Recherche fehlt mir und ich will nicht Allgemeinplätze von mir geben, die mich an anderer Stelle so oft ärgern. Ich will das ganze Bild darstellen, idealerweise.

Genauso schwer ist der Umgang mit dem Schlagwort der Ausgewogenheit. Sie hat etwas zu tun mit Gründlichkeit, sie hat aber auch etwas zu tun mit Geduld Entspanntheit und Abstand, die mir gerade wenn es um Ungerechtigkeiten geht und einfach mal so behauptete vermeintliche Tatsachen, oft fehlt.

Der dritte Punkt ist, dass ich gerne über Themen schreibe, die sehr komplex sind. Also, nicht falsch verstehen: ich bin ein simpel gestrickter Mensch und es geht mir nicht darum, dass ich nur deshalb über Komplexes schreibe, weil ich so toll bin. Vielmehr gibt es heute beinahe kein Thema mehr, was noch wirklich einfach ist. Wenn ich Zusammenhänge wirklich verstehen will, dann muss ich mich zu einer gewissen Komplexität bekennen. Einfache Antworten, so wird uns oft suggeriert, sind was Gutes. Ich denke: das ist zutiefst falsch. Und ehe ich halbe Sachen veröffentliche, lasse ich es lieber ganz. Dumme Wortmeldungen haben wir, ob es nun um das seit neuestem total böse Google geht oder um die Enegiewende, ob es um eine neue Ausrichtung der sozialer Marktwirtschaft geht, den angeblichen Reichtum des Landes oder um das Thema Bildung, mehr als genug.

Plan

Dinge entzerren. Einfache Schritte tun. Klein (wieder) anfangen. Niemandem fällt es so schwer wie mir, mich dazu zu zwingen, kleine Schritte zu gehen. Die Bloggerei ist (mir) aber viel zu wichtig, um dieses Ventil fahrlässigerweise vor die Hunde gehen zu lassen. Also, kleine Schritte tun und idealerweise niemals die Geduld mit sich selber verlieren. Ein Freund würde sagen: Sei achtsam ..

Veröffentlicht von

Markus

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

18 Gedanken zu „Schreibblockade? Ein böses Wort“

  1. Sehr schön geschrieben!

    Ein weiterer Punkt ist das (direkte) Feedback. In den gängigen sozialen Netzwerken bekommt man für Äußerungen, Meinungen und Gedanken recht schnell Rückmeldungen. Selbst wenn der Tweet (oder was auch immer) nur Überschrift und Link zum Blogpost enthalten. Einen Kommentar unter einen Blogpost schreiben jedoch die Wenigsten.

    Ich würde mich jedenfalls freuen, mehr von dir zu lesen!

  2. Vielen Dank! Ja, ich hoffe sehr, dass es von jetzt an wieder mehr wird.

    Das Feedback. Das ist ein Thema, bei dem ich widerstrebende Gedanken in mir habe. Einerseits mag man natürlich in einen Dialog kommen mit Leuten. Andererseits und das beobachte ich an mir natürlich vor allem bei strittigen Themen, wenn ich schreibe/geschrieben habe zu einem Thema, dann habe ich i.d.R. lange darüber nachgedacht, habe Sachen gelesen. Und wenn dann so Parolenschreier (so will ich sie mal nennen) mit sogenannten Meinungen um die Ecke kommen, die vor Undurchdachtheit nur so strotzen, dann muss ich mich, ehrlich gesagt, ziemlich dazu zwingen, darauf ruhig zu antworten. Bei jedem Wort, dass ich antworte denke ich dabei an die gleichen Antworten, die ich schon so oft gegeben habe. Wo ist der Fortschritt in der Diskussion? Wo ist der Fortschritt für das Thema bzw. für uns alle. Am Ende ist das bei manchen Themen tatsächlich eher ein Grund, erst gar nicht drüber zu schreiben. Natürlich ist das falsch, denn wer sich raus wagt, der muss auch da sein, um zu diskutieren. Und manche Leute sind inhaltlich halt noch nicht soweit wie andere. Das gilt ja für mich selber auch: für jedes Thema, bei dem ich mich auskenne, gibt es locker 30, 40 Themen, bei denen ich der totale Newbie bin. Und wer wollte in einem solchen Fall schon angeblafft werden? Und dennoch bleibt es ein Punkt, der unter dem Strich viel Kraft kostet.

  3. Ach, ich wäre da so frei bei einzelnen Themen einfach die Kommentarfunktion zu schließen. Man muss sich ja nicht jeden Mist anhören, vor allem wenn er sich wiederholt.

  4. Sowas in der Art schwirrt mir auch durch den Kopf. „Eigentlich“ ist das nicht meine Art, aber allmählich komme ich dahin, mir auch einen gewissen Pragmatismus anzueignen.

  5. Ach, Pragmatismus hilft da wirklich:
    Wenn jemand (von dir oben beschriebenen) Käse veröffentlichen will, darf er das gerne tun. Ich werde alles tun, damit er das rechtlich darf. Aber ich sehe es nicht ein, warum ich die „Infrastruktur“ dafür bereit stellen sollte. Das Internet ist groß genug, Plattformen für Käse gibt es zu genüge.

  6. Das unterschreibe ich zu 100 Prozent und es tut gut, mal diese Trennung der beiden Dinge zu lesen. Also, einerseits das Sich-Einsetzen dafür, dass es eine absolute Meinungsfreiheit gibt, die ja wirklich sehr wichtig ist, andererseits aber auch mal vom persönlichen Recht Gebrauch zu machen, eine Grenze zu ziehen. Guter Punkt. Danke!

  7. Für mich ist das Journal oder neudeutsch Blog ein Weg, Gedanken in Worte zu fassen, etwas, das ich gerne tue. Das Schreiben braucht Muße und man selbst sollte Lust dazu haben, es nicht als Verpflichtung empfinden. Ich freue mich, wenn jemand anders es liest und etwas dazu äußert.

    Es kann schwierig werden, wenn man Beiträge schreibt und nie Kommentare erhält. Wozu etwas online stellen, wenn es doch keinen interessiert? Tatsächlich ist es aber so, dass das Journal eine Ausdrucksform ist, der man selbst Bedeutung beimißt, auch, wenn es kein anderer tut. Mag sein, dass die Freude daran auch einmal abebbt oder die Zeit fehlt. Aber ganz darauf verzeichten? Nein.

    Ich selbst verzichte stattdessen auf Facebook, Twitter, Google+ und die vielen anderen „sozialen“ Netzwerke. Zur eigenen Online-Präsenz gehört für mich das eigene Journal. Und ich besuche Deines immer gern, auch, wenn manchmal eine Weile Funkstille herrscht. Du schreibst gut und mit Bedacht, man merkt, hier macht sich jemand Gedanken. Eine gute Sache bei all der Oberflächlichkeit.

  8. Zuerst: Vielen Dank!

    Auch für mich ist das eigene Journal/Blog etwas ganz Persönliches. Das sehe ich genauso wie Du. Ich habe Zeiten hinter mir, in denen ich, wie sich herausstellte, zwar allen Regeln der Kunst nach kam, also etwa Veröffentlichungsintervall, optimaler Veröffentlichungszeitpunkt am Tag, Themen, die meine Leser interessierten etc, in denen ich aber den Spaß an der Sache vergessen hatte. Das ist schon länger vorbei. Ich höre auf meinen inneren Rhythmus, meinen ganz eigenen Kompass und doch habe ich auch heute noch einen bestimmten Anspruch an mich und meine Bloggerei. Leider bin ich diesem Anspruch zuletzt zu sehr zum Opfer gefallen. Über Politik schreiben, dass ist mir z.B. einerseits wichtig, andererseits ist das per se nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Ich muss meinen Weg neu (wieder) finden zwischen Spaß und eigenem Anspruch. Glücklicherweise habe ich eine kleine aber treue Leserschaft, die mir sogar große Pausen verzeiht. :-)

  9. Und es ist ja auch gut so, dass es RSS gibt und Feedreader. Das macht es relativ einfach, dass Tun eines anderen nach zu verfolgen, was jemand tut. :)

  10. Ich glaube, indem ich diesen Beitrag geschrieben habe und eure Reaktionen gelesen und gespürt habe, ist schon einmal der größte Druck raus. Jetzt kommen als nächstes vermutlich noch ein Artikel, der ein ganz bestimmtes Projekt, dass auch stark dazu beitrug, mich zu lähmen, zwar nicht begräbt, es aber doch deutlich ändert in seiner Ausrichtung. Danach sollten die Weichen so gestellt sein, dass die vielen kleinen Schritte zurück ins (Blog)Leben beginnen können. Ich bin da schon wieder deutlich mehr guten Mutes als noch vor einer oder zwei Wochen.

  11. Ich Dir/Euch sagen, dass Du/Ihr mir auch aufgeholfen habt, meinen eigenen Rhythmus zu gehen. Und das ist kein Hetzrhythmus. Allerdings lässt man sich leicht dazu pressen, wenn die Dinge sich überschlagen, einen zu erdrücken drohen. Was ja immer mal wieder im Leben passieren kann.

  12. Sich gegenseitig stützen ist eine der wirklich tollen Erfahrungen, die man im Netz und mit den richtigen Menschen machen kann. Das hat sich zwar, wenn ich es mit den Anfangstagen des sogenannten web 2.0 schon ein wenig verändert, aber zum Glück haben sich nicht alle positiven Eigenarten von „damals“ abgeschliffen.

    Ich blogge jetzt seit 2005, in/mit diesem Projekt seit 2006. Da bleibt eine gewisse „Evolutionsgeschichte“ nicht aus. Man probiert sich aus, geht neue Wege, stellt fest, dass manche Wege gut sind und sich andere als Holzwege herausstellen und lernt, dass der Unterschied zwischen Aufgeben und Nicht-Aufgeben manchmal nur ist, dass man durchgehalten hat. Nur durchhalten reicht auf Dauer natürlich nicht, denn Du brauchst eine Motivation. Diese war und ist glücklicherweise bei mir niemals wirklich in Gefahr gewesen. Lustigerweise komme ich nicht selten dann ins Schlingern, wenn ich mich an das halte, was „man eigentlich tun sollte“ im Zusammenhang mit dem Schlagwort Bloggerei. Mir macht das bewusst, dass Leitlinien und Rezepte immer nur so gut sind, wie sie auf einen selber passen. Ein gutes Rezept, dass für mich nicht passend ist ist deutlich gefährlicher für den „Erfolg“ meines Blog-Projekt, als wenn man einfach so drauflos tippt und denkt und innerlich aber immer bei sich bleibt und damit auch bei dem, was einen dazu gebracht hat, begeistert zu sein.

    Mein Fazit, das immer wieder bestätigt wird: Höre auf Deine innere Stimme. Der Rest kommt von alleine. :)

  13. Vielen Dank!

    Ich habe bisher an vielem gezweifelt zwischendurch, aber an meiner Motivation habe ich niemals gezweifelt. Für die Vergangenheit lässt sich sagen: wenn es eine Krise gab dann bisher in 100 Prozent der Fälle, wenn ich zuviel auf Äußeres gehört habe. So gesehen kann ich vor allem raten, bei sich zu bleiben. Pläne & Theorien helfen nicht, wenn Du bloggst, wie es das „Bloggerhandbuch Ausgabe XY“ rät, Du dabei aber vollkommen die Lust am Schreiben verlierst. Natürlich gibt es nicht nur einen Weg, sondern viele und es ist mehr als wahrscheinlich, dass andere Blogger andere Rezepte haben, um Motivationslöcher zu überwinden. Auch hier gilt stets: viele Wege führen nach Rom. ;-)

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