Arbeiten

Desinformationszeitalter

Wir leben in modernen Zeiten. Zu keiner anderen Zeit war es so einfach, sich gut zu informieren. Denkt man.

Ich will nicht bestreiten, dass es heute einfach ist, sich Informationen über einen Menschen oder ein Thema zu beschaffen. Das Netz macht es möglich. Oder sollte ich sagen: Das Netz scheint es möglich zu machen? Wenn man genauer hinschaut, dann ist es heute in vielen Situationen extrem schwer, unabhängige Informationen zu einem Thema oder einem Menschen zu finden. Versucht mal, euch über eine x-beliebige Person, etwa einen Politiker oder eine andere öffentliche Person, komplett zu informieren. Überall fnden sich positive Passagen und komplett wunderschöne Lebensläufe. Sie sind beinahe alle geshaped, sie sind geschönt. Die unschönen Passagen sind im besten Falle freundlich dargestellt, sehr häufig sind sie aber auch gar nicht mehr da. Bei Produkten und bei komplexeren Themen wird das Produkt oder die Idee hinter einem Thema sogar noch aktiv positiv dargestellt und es werden tonnenweise nicht beweisbare positive Pseudo-Argumente in die Welt gesetzt, um uns zu beeinflussen. Sich das ganze Bild machen ist schwierig und nicht selten gar nicht möglich oder wir müssen eben doch den ganzen Weg gehen und das heißt, sich ggfs. auch außerhalb des Netzes zu informieren und Quellen heranzuziehen, die man nicht mal eben so einfach klittern kann.

Und da ist es wieder, das Thema Medienkompetenz und mündiger Bürger. Und da ist auch wieder die Erkenntnis, dass leicht und schnell meist nicht gut sein kann. Wer sich das ganze Bild machen will, der muss bereit sein, Zeit zu investieren und Mühe. Anders geht es nicht.

Veröffentlicht von

Markus

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

4 Gedanken zu „Desinformationszeitalter“

  1. Das Internet ist ein gutes Instrument aber man muss es mit Bedacht nutzen. Mit und ohne das Netz ist eine Methode dieselbe: Quervergleiche helfen bei der Bewertung einer Information. Den eigenen Kopf kann es nicht ersetzen, auch, wenn das viele vielleicht gerne sähen.

  2. Aber das ist genau der Punkt. Wir alle haben uns an das Netz gewöhnt. Wir sind bequem geworden. Um vermeintliche Tatsachen zu prüfen, müsste man seine Wahrheiten tatsächlich quer checken. Offline hilft gegen allzu gestylte Produktinformationen und Lebensläufe. Aber: wer geht tatsächlich noch in die Bibliothek, nur um ein paar vermeintliche Tatsachen zu prüfen? Die Lösung liegt darin, die manchmal umständlichen Wege zu gehen, denn die, die unablässig shapen, die setzen auf unsere Bequemlichkeit. Klingt nach Paranoia, ist aber aus meiner Sicht der einzige Weg. Aber, ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran, dass sich viele Leute ihr Leben derart unbequem machen. Leider.

  3. Bei geschönten Produktinformationen hilft das Rückgaberecht und geschönte Lebensläufe haben zuletzt gerade im Netz ihre Meister gefunden, wenn ich an Guttenberg, Schavan oder wie hieß sie noch gleich von den Gelben denke.

    Deine These, dass nicht viele Leute Zeit mit beschwerlichen Recherchen zur Wahrheit verbringen bestätigen wahrscheinlich bereits die vielen BILD-Leser. Märchen sind doch auch so viel unterhaltsamer, was ist dagegen die schnöde Wahrheit? Ein Spielverderber.

  4. Ja, das Rückgaberecht. Dieses kann ich aber ja nur nutzen, wenn ich überhaupt bemerke, dass man mich veräppeln will. Aber, der gründliche Verbraucher behält damit immerhin das Heft des Handelns in der Hand. Was die aufwendigen Lügen angeht, also gerade bei den Titeln, so scheint das erst mal vorbei zu sein. Das gilt jedenfalls so lange, bis sich der Mehltau des (schnellen) Vergessens auf die Häupter der Bürger gelegt hat. Was ich aber auch noch mehr meinte, das sind die vielen kleinen, unscheinbaren Schönungen. Ich habe in den letzten Wahlkämpfen immer mal wieder versucht, Kandidaten zu durchleuchten und wenn das z.B. lokale Kandidaten sind, dann findest Du in den allermeisten Fällen wirklich nur einen extrem kurzen, sehr lückenhaften Lebenslauf, der dann überall gleich veröffentlicht wird. Die Zeitungsarchive, die immerhin auch mehr und mehr online verfügbar sind, sind dann noch am Ehesten dazu geeignet herauszufinden, ob der Kandidat B nicht zufällig zuerst in der Automobilindustrie gearbeitet hat, bevor er in den Bundestag ging, um Lobbyarbeit Verkehrspolitik zu machen.

    Und, richtig: In der Öffentlichkeit ist es einer der klassischen PR-Methoden, das missliebige Gegenüber, dass Redlichkeit verlangt, mal eben der Uncoolness zu bezichtigen oder schlicht lächerlich zu machen. Das eigentlich Schlimme ist dabei aus meiner Sicht, dass die Protagonisten solchen Tuns immer öfter durchkommen mit diesen Methoden. Die Richtung des Trends auf den wir uns zu bewegen ist fatal. Das laut zu sagen ist aber natürlich einmal mehr total uncool und man ist ein Spielverderber und eine Spaßbremse. Und, was gäbe es Schlimmeres als denjenigen, der die Spaßgesellschaft immer wieder stört? Wir wollen keine Querulanten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.