Nobel-Hobel. Gedanken über Nicht-Plastik

Alles fing an mit Plastik. Ich hielt es in der Hand. Ganz konkret hielt ich diesen Nassrasierer in der Hand, der teilweise aus Stahl und teilweise aus Plastik bestand. Ich stand im Badezimmer, noch etwas verschlafen. Ich hatte mir die Zähne geputzt, da war die erste Begegnung des Tages mit Plastik und nun wollte ich mich rasieren. Wieder Plastik. Seit einiger Zeit rasiere ich mich nass. Mein Gesicht war noch nass und ich nahm gerade die neue Tube mit Rasiercreme. Moment, da war es wieder. Wieder war da eine Tube aus Plastik und zwar war es eine Tube, die bei meinem letzten Einkauf noch aus einem metallischem Material bestand. Jetzt war die Rasiercreme umgezogen worden und torpedierte meinen Willen, möglichst viel Plastik zu vermeiden. Ja, zugegeben, als ich im Drogeriemarkt die Tube in die Hand nahm und feststellte, dass sie nun offensichtlich dieselben Tuben dafür hernehmen, in denen ansonsten vor allem Zahncreme ist, war ich sauer. Ich sah nach Alternativprodukten, fand aber nur andere Tuben aus Plastik. Ich kaufte eine Tube. Und entschloss mich dazu, im Netz nach Rasiercreme oder Rasierseife zu suchen, die möglichst wenig umverpackt ist und wenn, dann nicht in Plastik. Ich wurde zuhause auch fündig und bestellte gleich mal drei Stück Rasierseife. Ich nahm nach dem Einschäumen meinen Rasierer in die Hand: Wieder Plastik: Da war auch viel Stahl, aber eben auch Plastik. Allmählich fand ich den Tagesanfang nicht mehr gelungen. Nach dem Anziehen, dem Zubereiten des Kaffees und einem ersten Blick auf EUCH ALLE, also, nach dem ersten Blick ins Netz und in mein Projekt, suchte ich nach einem Rasierhobel. Natürlich sollte es ein Hobel aus Stahl werden oder zumindest aus besser wiederverwertbaren Material. Ich wurde schnell fündig. Da wurden Nobelhobel feil geboten und solche, die bezahlbar waren. Weil ich ü-ber-paupt nicht einschätzen konnte, ob ich ein Rasieren mit einer Einfach-Klinge 1) überlebe und ob sie 2) so gute Ergebnisse zeitigt, dass man das als Rasur bezeichnen kann, wollte ich nicht zuu viel Geld ausgeben. Immerhin habe ich nach kurzer Forschung gleich wieder aufgegeben, mir ein Rasiermesser zu kaufen. Ich wollte 1) weiterleben und 2) wollte ich meine Ausgaben halbwegs beschränken und sah zwar handwerklich toll gemachte Rasiermesser, ich sah aber auch, dass die echten Rasiermesser (echt heißt für mich Rasiermesser aus Stahl und nicht mit auswechselbarer Klinge) geradezu sündhaft teuer sind. Break. Ja, so fing das alles an.

Der Hobel und ich

Ich habe da oben die Herleitung unterbrochen. Ich denke, das Wesentliche dazu ist gesagt. Mein Hobel kam nach einer Woche hier an. Ich habe mir einen aus England bestellt. Ja, ich weiß, da kann man auch schon wieder meckern, wenn man dies durch die ökologische Brille sieht. Er hat mir halt gefallen. Ihr seht ihn ja da oben. Ich mag ihn. Er ist verchromt und vollkommen aus Stahl. der Hobel nutzt Einfachklingen aus Stahl und was soll ich sagen? Nach den ersten drei Litern Blut, den ersten beiden Aufenthalten auf der Intentivstation, nein, halt, ich mache nur Spaß. Der Hobel rasiert prima und ist gut zu handlen. Ja, man muss sich ein wenig umgewöhnen. viel Druck erzeugt Schnitte und man muss sich erst daran gewöhnen, dass man viel Druck gar nicht braucht, weil die Klinge sehr sehr scharf ist. Kein Plastik, dass ich von jetzt an für meine Rasur in die Welt setze. Priiiiima!

Nobel-Hobel. Gedanken über Nicht-Plastik weiterlesen

Politik 2013: Gedanken zur Bundestagswahl

Stell Dir mal vor, es ist Wahl und Du hast aber eigentlich keine wirkliche Wahl.

So oder so ähnlich fühle ich mich seit vielen Wochen und Monaten. Wenn ich am 22. September wählen gehe, dann wird es mir schwer fallen, meine Kreuzchen zu machen. Einerseits gäbe es un-end-lich viel zu tun und andererseits gibt es kaum eine wirkliche Wahl. Ich kann nicht ernsthaft CDU, FDP, SPD oder Grüne wählen und werde mich wohl zwischen der Piratenpartei und den Linken entscheiden. Lieber Opposition wählen oder sogar an der fünf Prozent Hürde scheitern als taktisch wählen? Ich glaube schon, denn wie oft haben wir erlebt, wie schief taktisches Wählen gehen kann. Unwillkürlich habe ich Franz Münteferings Ausspruch „Opposition ist scheisse!“ wieder in den Ohren. Kaum kann man krasser und kürzer aufzeigen, was aus der SPD geworden ist. Und seit seinem Ausspruch hat sich die Sache ja nicht gerade positiv weiterentwickelt oder auch nur gleichförmig. Im Gegenteil: die SPD schmeißt sich schon vor der Wahl Frau Merkel an den Hals, weil sie wohl selber nicht an andere Möglichkeiten glaubt. Wie soll man eine solche Partei wählen? Wir brauchen Haltungen mehr denn je und stattdessen machen die ehemaligen Sozialdemokraten falsch, was man falsch machen kann. Und Chancen haben sie von mir auch mehr als genug bekommen. Es würde Zeit für eine andere Politik und es würde Zeit, viele Dinge endlich mal ernsthaft auf den Prüfstand zu stellen. Dieses „aber wir können uns bei XY noch nicht komplett verweigern“ macht den Weg zu neuen Ufern mindestens noch länger. Im Grunde weiß ich gar nicht, was ich bekomme, wenn ich die SPD wähle. Für einen ehemaligen Sozi ist diese Erkenntnis bitter. Noch bitterer ist nur, wohin uns die SPD geführt hat.

Fazit

Ich kann mich nur wiederholen. Die sogenannten arrivierten Parteien sind nicht wählbar. Auch die Grünen geben sich zwar das Image als Korrektiv, aber wenn ich mir dann mal anschaue, wie sie sich in Abstimmungen verhalten, dann weiß ich genau: Parteiprogramme und Wahlprogramme bringen mir herzlich wenig, wenn sich die Abgeordneten dann in wichtigen Momenten komplett anders verhalten als es eigentlich die angezeigte Linie wäre. Und was bleibt am Ende übrig? Ich werde die Linke wählen oder die Piraten, aber ich werde vor allen Dingen meine Aktivitäten außerhalb der Parlamente verstärken, denn da scheint mir die Ursache dafür zu liegen, dass ich heuer keine wirkliche Wahl habe. Da sitzen die falschen Leute in den Parlamenten und es werden die falschen Themen gesetzt oder es werden bei den richtigen Themen falsche Wege eingeschlagen. Das darf nicht mehr so weiter gehen. Freilich denke ich, dass der Weg zu einer anderen Gesellschaft eher einem Marathon entspricht mit vielen toten Punkten. Wer an einen schnellen Sprint glaubt, sollte sich nicht täuschen lassen.