Denken. Fühlen. Schreiben

Ganz langsam kann ich daran denken, in mein altes Weblog eine Überleitung hineinzuschreiben. Hier steht das Design, die Inhalte sind angefangen und nun kann man damit beginnen, die neue Site tatsächlich und wirklich in das Leben einzuweben. Weblog jeden Tag, Weblog für Bilder, Weblog für das Durchpusten des Kopfes, Weblog, um laut zu denken, was manchmal sicher noch nicht vollkommen ausgegoren ist, Weblog, weil ich Spaß habe am puren Fabulieren, Weblog, um Fotos und andere Bilder öffentlich zu machen und somit einer Wirklichkeit auszusetzen, Weblog um einfach einen Spiegel zu haben, in dem man sein Handeln, sein Denken und sein Tun zeigt, überprüft und eben schlussendlich lebt. Natürlich hat es auch Gefahren, natürlich, dass habe ich ja schon früher immer wieder erfahren, muss ich immer wieder neu überlegen, was ich wie schreibe, was ich vielleicht zum Schutz anderer, doch nicht direkt ausspreche. Mein Offline Tagebuch wird sicher nicht verwaisen; im Gegenteil. Trotzdem kann jetzt alles beginnen. Ich stelle fest, dass sich technisches Denken und Schreiben noch nicht immer vollkommen vom inhaltlichen Fühlen, Denken und Schreiben abgekoppelt hat. Das dauert auch noch ein bisserl, denke ich. Erst muss ich mich in meinem neuen ganz alten virtuellen Zuhause wohl fühlen. Bleibt Alles Anders heisst es ja wohl bei Herbert Grönemeyer.

In den Bergen

Stille. Heiße Milch und Joghurt mit frischen Früchten. Danach nehme ich den kleinen Rucksack mit und die Bergschuhe. Beides stelle ich ins Auto und fahre los. Eine noch vollkommen leere schmale Straße führt in Richtung Talstation Pederü. Ich schlüpfe in die Bergschuhe und schnüre sie fest zu. Dann nehme ich noch meinen kleinen Rucksack, schließe den Wagen ab und verpacke den Wagenschlüssel.

Jetzt geht es los. Mein innerer Schweinehund ruft mir zu, dass ich doch wenigstens bis oben zur Schutzhütte ein Jeep-Taxi nehmen soll. Ich entscheide mich anders, denn ich freue mich auf die vielen kleinen Trampelpfade, die der Jeep gar nicht fahren kann. Gibt es die noch oder haben sich die Esel der Alpini mittlerweile anderen Wege gesucht? Ich laufe los, gewinne erstaunlich schnell an Höhe und muss doch ab und an mal Pause machen, weil mir die Luft zum Atmen fehlt. Ich nutze kleine Ausguckpunkte, sehe, wie sich gerade das erste Jeep-Taxi in Richtung Schutzhütte in Bewegung setzt. Ich laufe, bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden, denn obwohl ich schon ab und an arg nach Luft japsen muss, genieße ich doch jeden Schritt, jeden Blick und vor allem jedes tiefe Einatmen. Selten spürt man unmittelbarer, dass man lebt und selten spürt man unmittelbarer, wie schön das Leben ist. Ich liebe das Gefühl, mir eine Landschaft per Pedes zu erarbeiten. Es ist für den Menschen das richtige Tempo, es lässt zu, dass man seine Umgebung wahrnimmt und geradezu in sich einsaugt. Nach knapp 90 Minuten komme ich an die Weggabelung. Hier halte ich mich rechts, lasse vorläufig die bewirtete Schutzhütte der kleinen Fanes-Alpe rechts liegen und gehe über Almwiesen und Kalkfelsen direkt auf „unseren Platz“ zu. Der einzelne Baum steht noch da, kaum fünf oder sechs Meter weiter bahnt sich der im frühen Sommer immer noch sehr reißende Wildbach seinen Weg durch sein Bett. Ich setze den Rucksack ab, setze mich hin, mache es mir gemütlich und blicke zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder über die zerklüftete Weite der Hochebene. Ich erkenne die Almhütte der kleinen Fanes-Alpe jetzt als einen kleinen Punkt in der Ferne und freue mich schon auf den Mittag. Dann treffe ich Christina wieder. Ob sie mich nach so vielen Jahren wohl erkennt?