Das BarcampRuhr3. Ein tolles Wochenende

Ich war jetzt schon viel zu lange nicht mehr auf einem Barcamp. Da kam das BarcampRuhr3 gerade richtig. Es wird und wurde ja viel geschrieben vom Niedergang der Barcamp-Szene. Wer am Wochenende mit allen Sinnen im Unperfekthaus in Essen dabei war, dem fällt es schwer zu verstehen, was die Kritiker meinen. Von Anfang an, also namentlich von der Warmup-Party an, war die Stimmung bei den Besuchern sehr positiv. Man freute sich, alte Bekannte wiederzusehen und neue Leute endlich auch mal im sogenannten RealLife kennenlernen zu können.

Barcamps. As time goes by ..

Natürlich gilt: Barcamps sind mittlerweile akzeptierte Veranstaltungen. Sie sind nicht mehr neu und viele Besucher gehen mit ihnen um, als seien sie normale Konferenzen. Aus meiner Sicht ist das ein Fehler. Barcamps haben keinen unternehmerischen Hintergrund. Sie werden nicht veranstaltet, um Geld zu verdienen. Vielmehr werden sie gemacht von Überzeugungstätern wie Stefan Evertz (seines Zeichens Erfinder und Organisator des BarcampRuhr). Wir alle sollten uns klarmachen, dass es in diesen Tagen nicht mehr so einfach ist, eine Veranstaltung für gut 180 Teilnehmer pro Tag zu veranstalten. Sponsoren spüren wie alle anderen auch die Wirtschafts- und Finanzkrise. Sponsorengelder sitzen da nicht mehr so locker. Die Stärke eines guten Barcamps liegt aber aus meiner Sicht ohnehin nicht im möglichst tollen Begleitprogramm oder am Buffet, ein tolles Barcamp ist ein Barcamp, bei dem sich viele Teilnehmer bereiterklären, ihr Wissen zu teilen oder Themen diskursiv voranzutreiben. Immer wieder bilden sich Höhepunkte der Szene dort, wo Leute engagiert, faktenreich und doch gleichzeitig mit offenen Ohren für die Argumente der anderen aktiv einen Vortrag (mit)gestalten.

Das Unperfekthaus im März 2010

In diesem Jahr gab es einmal mehr tolle Vorträge und nicht minder tolle Stimmung. Die Chatroulette Session wird wohl allen Teilnehmern im Gedächtnis bleiben. Soviel Lachen hört man sogar auf einem Barcamp selten. Andererseits waren aus meiner Sicht Sessions zum Beispiel zum Thema CouchDB genauso hörenswert wie das Diskutieren um mögliche Inhalte eines CollabCamp, namentlich eines Barcamp zum Thema Collaboration.

Barcamps werden Erwachsen

Ich bin nicht wöchentlich auf Barcamps. Über die Jahre bemerke ich aber, dass die Barcamp Szene sich entwickelt. Natürlich wachsen nicht immer neue Teilnehmer aus dem Boden. Man beobachtet schon den oft beschriebenen Barcamp-Tourismus, nachdem man einen festen Kern an Leuten sehr häufig trifft auf diesen Veranstaltungen. Gerade in Essen habe ich aber auch viele für mich vollkommen neue Gesichter gesehen. Über dieses frische Blut habe ich mich besonders deshalb gefreut, weil neue Leute auch neue Gedanken und neue bzw. andere Standpunkte mitbringen. Nur so kann sich ein Veranstaltungsformat entwickeln. Konventionelle Konferenzen kämpfen durchaus mit der Gefahr, dass sie für Vielreisende langweilig werden und verwechselbar. Auch die Barcamp-Szene muß auf diese möglichen Entwicklungen achten. Allerdings mache ich mir solange keine Sorgen, solange immer neue, mal jüngere, mal ältere Neu-Besucher die Un-Konferenzen entdecken und ihre Köpfe und ihre Ideen mitbringen und sie mit den alten Hasen der Szene teilen wollen.

Danksagung

Ganz am Ende will ich mich noch einmal explizit bedanken: Stefan Evertz hat mit dem BarcampRuhr eine Marke geschaffen, die unverwechselbar ist und die dafür steht, dass man inhaltlich anspruchsvolle Themen in angeblich unperfekter Umgebung ;) auf lockere Art und Weise präsentieren kann. Das zollt mir immer wieder großen Respekt ab. Danke dafür, auch an die beste aller Ehefrauen .. :)