Vernunftbetontes Handeln erzeugt Glaubwürdigkeit. Ulrich Maly im Gespräch

Ulrich Mahly hat mir kürzlich ein Geschenk gemacht. Zum ersten Mal seit langen Wochen und Monaten konnte ich einem Interview eines Politikers zuhören und musste mich nicht nur nicht aufregen, sondern hörte von Satz zu Satz endlich wieder, warum ich mich immer gut aufgehoben gefühlt hatte, wenn ich an die SPD dachte und nicht selten bei Wahlen auch dort mein Kreuzchen machte. Mahly sprach über seine persönlichen Leitlinien, er sprach über Ziele und über das, was Politik leisten sollte. Er band ganz selbtverständlich neue Medien wie das Netz ein und erklärte ganz unaufgeregt, dass gerade die Jüngeren doch logischerweise diese Medien nutzen würden, um sich politisch zu betätigen oder sich auch nur zu informieren. Ich saß da, hört gebannt zu und war am Ende des Gespräches fast überrascht, welch gute Gefühl mich beim Zuhören beschlichen hatte. Das war, nein, das bin ich in Zeiten, in denen niemand mehr über Inhalte redet, sondern einfach nur noch Bashing des politischen Gegners betreibt, gar nicht mehr gewohnt. Politik kann unendlich einfach sein. Und dann fand ich auch noch sowas wie den politischen Leitsatz Ulrich Malys. Er stammt von Noberto Bobbio und lautet:

Das große Problem der Ungleichheit unter den Menschen und den Völkern dieser Erde ist unverändert in seiner Schwere und seiner Unerträglichkeit geblieben. Wer das vergisst, hat seine Wurzeln abgeschnitten.

Nochmal: Kann es einfacher sein, Menschen für Politik zu begeistern? Oder bin ich einfach nur nicht mehr exemplarisch, dass ich mich sehne nach politischen Gruppierungen, die mir Inhalte und Lösungsansätze anbieten und nicht vollkommen inhaltsentleerte Stellungskriege? Ich bedanke mich jedenfalls bei Herrn Mahly für einen seltenen Moment, in dem ich wieder glauben konnte, dass es bei politischer Arbeit nicht darum geht, möglichst genau die Vorgaben des nächstbesten Lobbyisten umzusetzen, sondern stattdessen, Politik für uns alle zu machen. Ulrich Mahly: 12 Punkte. SPD (seit langem mal wieder): 12 Punkte.

Vorbild gefunden. Renan Demirkan

Neulich, nachts auf ARTE. Eine Talkshow mit dem Titel: »Paris-Berlin – Die Debatte«. Die Moderation spricht französisch und die Gäste sind es überwiegend auch. Allerdings nicht ganz. Da redet gerade ein kleiner Derwisch mit kurzen dunklen Haaren und diesen unendlich lebhaften Augen. Die Hände fliegen und endlich erkenne ich, wer da eigentlich sitzt und dermaßen engagiert und mit so bekannter deutscher Stimme ihre Argumente vorbringt: Es ist Renan Demirkan. Ich habe sie schon länger nicht mehr gesehen und doch erkennt man sie sofort. Wenn sie spricht, dann würde ich sie wohl auch mit geschlossenen Augen sofort erkennen. Sie hat eben auch eine tolle Stimme :) ..

Es geht um Deutsche und Franzosen und Türken und Einwanderer und Kulturen und wie man zusammen lebt. Demirkan soll sagen, wie man das in Deutschland macht mit dem Zusammenleben, so zwischen Türken der alten und der neuen Generation und wie das Zusammenleben mit den Deutschen im Alltag passiert. Ich brauche nicht lange zuhören und weiß sofort: sie vertritt die Sache aller hier lebenden Menschen. Dabei denkt sie keine Sekunde darüber nach, ob es nun ihre türkischen Wurzeln sind, die sie das fühlen lassen, was sie sorgsam formuliert und dann wortgewaltig und mit diesen einmalig strahlenden Augen und den permanent fliegenden Händen erklärt. Ich sitze in meinem Sessel, muss unweigerlich ein wenig Lächeln, weil ich ein wenig Angst habe um die anderen Gesprächsteilnehmer und begreife, dass dort jemand mit aller Lebensfreude und voller Zuversicht über unser aller Zukunft redet. Zusammenleben in Frieden und Respekt voreinander. Niemand muss sich assimilieren. Im Gegenteil soll jedermann seine Eigenarten behalten, weil gerade diese Vielfalt uns alle unendlich reich macht. Nein, das ist nicht MulitKulti at its best. Das ist einfach weise, warmherzig und ganz nebenbei sehr modern. Vielen vielen Dank, Renan Demirkan!