Kabul. London. Syrien. Es ist Zeit umzukehren

Tagtäglich hören wir die Nachrichten. Manche nehmen wir lauter wahr, andere dringen nur leise an unser Ohr, wieder andere gar nicht. Der Tod in Kabul erscheint uns selbstverständlicher, nachvollziehbarer als der, der direkt in der eigenen Nachbarschaft stattfindet. Wieder ein Anschlag in London.

Hass prägt unsere Entscheidungen. Wir haben aufgehört, uns zu allen Menschen zu bekennen. Wir haben irgendwann angefangen, unser Wohl deutlich höher zu stellen als das der anderen. Etwas tun für andere, wenn es mich etwas kostet? Klimaziele? Pah. Weniger Ausbeutung in den Regionen, die ohnehin unfassbar arm sind? Es ist Zeit aufzuhören. Es ist Zeit aufzuhören mit der Ignoranz gegenüber vollkommen selbstverständlichen Einsichten. Ja, unser Tun hat Auswirkungen auch auf Menschen, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass sie existieren. Ja, Handel und Wirtschaft rechnet sich oft nicht, wenn man die Kosten miteinbezieht, die es braucht, um Produkte sinnhaltig zu verarbeiten auch wenn sie kaputt sind und Müll. Es ist Zeit umzukehren. Es ist Zeit, Respekt zu zeigen für alles Leben. Alles andere ist zutiefst unverantwortlich.

Bashing At Its Best? Make Peace Not War

Zuletzt bearbeitet habe ich diesen Artikel am 13. Juli 2009. Damals war Bundestagswahlkampf. Seinerzeit hatte ich mich darüber geärgert, wie der Wahlkampf betrieben wurde. Vielen Wahlkämpfern ging es und geht es gar nicht mehr um das bessere Argument. Sie wollen auch nicht ihre Positionen erklären. Vielmehr wollen sie ihr Gegenüber mundtot machen und dem Wähler so offenbar vermitteln, dass dem politischen Kontrahenten die Argumente ausgegangen sind. Der Entwurf des Artikels lag seither brach. Ich wollte ihn nicht schreiben und ich wollte ihn nicht veröffentlichen. Ich entzog mich diesem negativen Umfeld soweit als möglich. Seither hat es mich aber allzu oft eingeholt. Hier ist nun also doch ein aktualisierter, man sollte sagen, ein komplett neuer Artikel.

Streitkultur und Streitunkultur und was das mit uns macht

Der Wahlkampf, aus dem ich meine Unzufriedenheit zog, ist längst vorbei. Spätestens seither erkenne ich aber eine bedenkliche grundsätzliche Hinwendung zu der Art von Streitkultur, wie ich sie oben beschrieben habe. Darf man sowas überhaupt noch Streitkultur nennen? Destruktives Niedermachen von allem, was einem nicht passt ist salonfähig geworden und zunehmend alle Player im öffentlichen Raum bedienen sich seiner. Bashing ist die neue heimliche Alltagsphilosophie.

Ich mag das nicht. Neues steht generell unter Generalverdacht und ist, quasi ab der ersten Sekunde seines Erscheinens, zum Abschuss freigegeben. Dabei wird oft kein wenig konstruktiv kritisiert. Im Gegenteil kann man aus dem, was die Basher der Nation von sich geben, oftmals schon nach Sekunden erkennen, dass sie sich mit dem Objekt ihrer Kritik kein bisschen auseinandergesetzt haben. Da werden neue Produkte, Organisationen, Meinungen oder Menschen niedergemacht und derjenige, der da redet, weiß oft genug überhaupt nicht, wovon er redet. Aber, das ist egal. Niedermachen ist ja so einfach. Zudem wird sehenden Auges in Kauf genommen, ganze Lebensentwürfe zu vernichten. Übrigens: Mich wundert es angesichts solcher Übergriffe nur wenig, wenn ich Bilder aus U-Bahnen sehe und ein Mensch einen anderen Menschen solange schlägt und tritt, bis derjenige beinahe tot ist. Da werden sehr ähnliche Verhaltensmuster sichtbar. Und die sogenannte Elite des Landes lebt sie täglich neu vor. Das ist ausdrücklich keine Entschuldigung für solcherlei Gewalteskalationen. Es ist aber durchaus ein Ansatz um zu verstehen.

Neulich hörte ich, wie ein Wissenschaftsjournalist sagte, dass wir Menschen aktuell viel zu oft resignativ destruktiv auftreten. Er sprach eigentlich über die überfällige „Klima-Wende“. Man kann seine Worte aber meiner Meinung nach verallgemeinern. In einer Phase, in der wir Mut brauchen und Kraft und eine offen positive Einstellung zum Leben um überhaupt den längst überfälligen gesellschaftlichen Wertewandel einzuleiten, berauben wir uns der eigenen Kraft, weil wir nur noch einseitig negativ sind und ängstlich. Ich kann das nur unterstreichen. Das Alles-Niedermachen streut Gift in uns aus und raubt uns Kraft. Zusätzlich reißt es all diejenigen, die mit viel Mühe und unter Einsatz all ihrer Kräfte Neues schaffen u.U. in eine tiefe Krise. Aufbauen war ja sowieso schon von jeher schwerer als das Niedermachen von dem, was andere aufgebaut haben.