Fedora 15. Gnome 3. Erste Eindrücke

Fedora 15

Ein neues Linux (für mich). Zunächst will ich mir darüber klar werden, was das neue Linux haben und können muss. Und ich möchte mir überlegen und möchte wissen, was Ubuntu konnte, und was eher nicht. Diese Vorüberlegungen sollen mich davor schützen, dass ich Fedora falsch einordne und dass ich falsche Erwartungshaltungen entwickele. Natürlich, am Ende wird das alles zusammen geschmissen und ich kann sagen, ob Fedora etwas ist für mich ist oder eben nicht.

Was muss mein Linux können?

Ganz grundsätzlich soll und will und muss ich meine Arbeit machen können. Ich brauche also Textverarbeitungsgedöns (Abiword, Gnumeric, LibreOffice) genauso wie Zeichengedöns (GIMP, Inkscape). Schließlich braucht es moderne Browser, die mich auf der Reise durch das Internet begleiten (Firefox, Chromium). Auch das Mailen und das Verwalten von Terminen soll simpel sein und modern (Evolution, Thunderbird). Es ist mir auch wichtig, dass all diese Software auf einfache Art und Weise aktuell gehalten wird. da möchte ich nix tun müssen. Nach einem genaueren Hinsehen kann ich wohl jetzt schon sagen, dass all diese Grundansprüche von Fedora leicht bedient werden können. Auch Entwicklungsumgebungen kann man sich einfach installieren und pflegen. Es gibt nach meinem Eindruck aber auch einen großen Unterschied zu Ubuntu: Fedora betont den OpenSource Gedanken stärker als Ubuntu. Ubuntu macht es dem Nutzer immer möglichst einfach. Manchmal trifft es für mich Entscheidungen. Als Gegenleistung habe ich es immer sehr einfach, Software zu installieren bzw. mein System so einzurichten, wie ich es gerne haben möchte. Habe ich für meine Musik hauptsächlich MP3 kodiertes Material, so stellt mir Ubuntu „ab Werk“ die entsprechenden Codecs zur Verfügung. Fedora geht an dieser Stelle einen bewusst gewählten anderen Weg. So habe ich beispielsweise „ab Werk“ kein Flash-Plugin installiert, um mir entsprechende Inhalte via Browser anzuschauen. Auch ein MP3 Codec ist nicht Teil der Grundinstallation. Die Fedora-Community meint, dass jeder Nutzer sich bewusst entscheiden soll, ob er proprietäre Software(anteile) auf seinem System haben will oder eben nicht. Für mich selber bedeutet diese andere Herangehensweise, dass ich mich und mein Tun überprüfen kann. Ich habe mich entschieden, Ubuntu nicht weiter zu verwenden, weil ich nicht mehr vollkommen übereinstimme mit dem, was Canonical und Mark Shuttleworth aus Ubuntu machen will. Ich will OpenSource als Weg weiter hoch halten. Jetzt muss ich für mich herausfinden, ob ich abseits hehrer Ziele im Alltag auch noch dazu stehen kann und will, was diese Haltung als Folge bedeutet. Sie bedeutet namentlich, dass ich mehr selber machen muss. Sie bedeutet aber auch, dass ich bewusst schauen kann, welche Lösungen ich verwende.

Erste Eindrücke

Fedora kommt mir schnell vor. Ich schreibe das absichtlich so, denn ich habe keine Performance Tests gemacht. Es ist jetzt und hier nur ein Gefühl. F15 tut alles, was ich brauche und es hat mit Gnome 3 (und der Gnome Shell) eine Bedienoberfläche, die mir sehr gefällt. Der Alltag muss an dieser Stelle zeigen, ob das Gefallen auch mit einer sinnvollen Bedienbarkeit einher geht. Was noch auffällt: Wenn ich mal etwas nicht kann und dann eine Lösung suche, dann war das in der Ubuntu-Welt immer sehr sehr leicht. Man sties schon nach Sekunden des Suchens auf gangbare Lösungswege. Fedora ist (bisher) eben noch kein „Volks-Linux“ wie Ubuntu. Die Gemeinde ist kleiner, die möglichen Quellen für Lösungen sind quantitativ und (nach meinem Eindruck auch) qualitativ noch nicht vergleichbar. Gerade als Umsteiger, der noch nicht alles kann und weiß, kann dies noch zu einem Ausschlusskriterium werden. Das muss aber die Zeit zeigen, denn natürlich wird mit der Zeit andererseits auch das Wissen über Fedora & Co. anwachsen. Wenn ich also für meine Problemstellungen mein Wissen auf ein Niveau bringen kann, welches es mir ermöglicht, mein Zeug zu regeln, dann wird dieser Punkt mit der Zeit immer weniger wichtig werden.

Vorläufiges Fazit

Bis hierher bin ich sehr zufrieden mit dem Status des Projektes „Von Ubuntu zu Fedora“. Ich merke, dass viele Hoffnungen (Design, Technik, Alltagstauglichkeit) schon jetzt auf einem befriedigendem Niveau sind. Ich merke aber auch, dass es noch genug Raum für Verbesserungen gibt. Die Verbesserungen sollen vor allem durch eine profunde Einarbeitung erreichbarer werden (siehe Aufwertung der eigenen Skills). Andererseits, und das wäre das K.O. Kriterium, sollte ich auch während dieser Lernphase (die ich mir ja ausgesucht habe und auf die ich auch Lust habe) unbedingt mein „Daily Business“ in Gang halten können, ohne allzu viel Ressourcen für Fedora verwenden zu müssen. Ich bin bisher absolut überzeugt, dies erreichen zu können. Schließlich muss man sich auch daran erinnern, dass ich aktuell mit einer brandneuen Alpha-Version produktiv arbeite. Wenn F15 erst einmal offiziell veröffentlicht sein wird, dann werden auch mehr und mehr Tweaks gebaut und veröffentlicht werden. Schon jetzt deuten sich einige prima Lösungen an. Ich bin gespannt und freue mich darauf, mich mit Fedora so anzufreunden, wie mir das mit Ubuntu auch gelungen ist.