Kino, Kino: New York, I love you

Gestern habe ich New York, I love you gesehen. Das ist ein Episodenfilm, der vollkommen unterschiedliche Momentaufnahmen aus Liebesgeschichten erzählt. Da ist man beim ersten Kennenlernen dabei, eine andere Episode erzählt die urkomische Geschichte um ein tolles erstes Date, man beobachtet Szenen einer Beziehung, die beinahe am Ende scheint und es doch noch einmal schafft, der Film zeigt gescheiterte Einzelgänger genau in dem Moment, wo sie Mr. bzw. Mrs. Right begegnen und es manchmal beinahe gar nicht mitbekommen. Jede Episode wurde von einem anderen Regisseur umgesetzt, jede Story hat ihre eigene Dramaturgie. Nebenbei: Es ist absolut erstaunlich, wieviele tolle Schauspieler in dem Film mitmachen.

New York bleibt bei alledem im Hintergrund. Die Stadt ist dennoch allgegenwärtig und man spürt jederzeit den Zauber der Stadt, die niemals schläft. Ich fand den Film wirklich zutiefst bewegend. Und jetzt: Worauf wartet ihr? Der Film läuft derzeit in den Kinos. Hopp hopp .. ;-)

We feed the World

Regie & Drehbuch: Erwin Wagenhofer

Ich trage jetzt schon seit einiger Zeit den Gedanken mit mir herum, etwas über „We feed the world“ zu schreiben. Schon seit einigen Wochen kann man in der Blogosphäre und darüber hinaus Rezensionen, Meinungen und allerlei weltanschauliche Äusserungen zu diesem Dokumentarfilm lesen. Meine Meinungsbildung zum Film und auch meine Meinungsbildung zu diesen gesamten Thema ist noch nicht abgeschlossen; allerdings formen sich in mir Eindrücke, die einfach jetzt schon niedergeschrieben werden wollen. Mich würde auch interessieren, was andere Leute denken, die den Film schon gesehen haben oder die sich auch nur mit dem Thema auseinander setzen.

„We feed the world“ zeigt auf eindringliche und extrem schmerzhafte Weise, was wir Menschen, die doch angeblich die Krone der Schöpfung sind, aus der Erde gemacht haben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die allermeisten Menschen nicht mehr wissen, wie Fleisch hergestellt wird. Viele dieser Menschen wollen dies auch gar nicht mehr wissen, denn sonst könnte man ja bald gar nichts mehr essen. Jedermann, der mit Freunden oder Kollegen schon einmal über solche Themen geredet hat, weiß, was da meistens für Antworten kommen. Wir wissen auch, mit welchen Blicken Leute angesehen werden, die sich um Aufklärung in ihrem ureigenen Mikrokosmos bemühen. Da ist man schnell der Öko und bekommt, ehe man sich versieht, den Rat, doch „gleich nur noch Körner zu fressen“. Trotz aller guten Gründe, die für eine bewusste Ernährung sprechen und die zuallererst dafür sprechen, dass man als Verbraucher bewusst und verantwortungsvoll handelt, bleiben nach diesem komprimiertem Blick auf die Ist-Situation Fragen. Sie lauten beispielsweise: Wie soll ich als Arbeitsloser oder ganz allgemein als Kleinstverdiener mich sinnvoll und verantwortungvoll verhalten? Es ist aus meiner Sicht und nach langen Jahren Erfahrung reine Romantik, wenn man glaubt, man könne verantwortlich konsumieren, ohne das dies mehr Geld kostet? Jedermann will ab und an sehr gerne auch mal was Gutes essen. Ich möchte nicht immer nur Wasser und Brot essen. Ich kann es mir auch nicht leisten, meine Schuhe oder meine Kleidung dort zu kaufen, wo NUR „Fairtrade“ der Normalfall ist. Man stelle sich den Fall einer alleinerziehenden Mutter vor, die zum Arbeitsamt geht oder zum Sozialamt und sagt, sie wolle aber keine Babynahrung, die aus dem Supermarkt kommt, sondern sie wolle objektiv geprüfte Ware vom Demeterhof kaufen und brauche deshalb etwas mehr Geld für ihr Kind. Ich bekomme diese beiden Welten, diese beiden Ansprüche, einfach nicht zusammen. Es klappt einfach nicht, auch nicht, wenn ich mich noch so bemühe ..

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Meiner Meinung nach sollte es viel mehr Bemühungen geben, Aufklärung zu betreiben, wenn es um Konsumgüter geht. Ich würde gerne darauf hoffen dürfen, dass beispielsweise ganz junge Leute sich nicht nur dann für Nahrung, Fairtrade und die Gerechtheit in der Welt interessieren, wenn sie dies von ihren wohl gebildeten Akademikereltern aufgesogen haben. Auch hier bitte ich darum, nicht falsch verstanden zu werden, aber wenn man sich mit diesen Themen befasst, stellt man sehr schnell fest, dass falsche Ernährung vor allem ein Problem von Leuten ist, die nicht den oberen Bildungsschichten angehören.

Mein Fazit ist: Der Film von Erwin Wagenhofer ist unsagbar sinnvoll. Gleichzeitig sollten wir endlich unsere rosaroten Gesinnugsbrillen ablegen und abseits von Ideologien frei und ohne Vorurteile miteinander ins Gespräch kommen. Dies ist nämlich am Ende das einzig Negative an Gesprächen über Themen wie Globalisierung, Konsum, Nahrung oder Bildung. Es sitzen da immer zwei Gruppen von Menschen. Auf der einen Seite sitzen die sogenannten Bewahrer, die nicht selten geistig wenig flexibel sind oder schlicht faul und auf der anderen Seite sitzen die ganzheitlich orientierten Menschen, die nicht wahr haben können oder wollen, dass es abseits ihrer akademischen Kaste viele Menschen gibt, die für Themen wie den bewussteren Umgang mit Konsum, Globalisierung etc. erst noch gewonnen werden müssen. Das Beobachten dieser beiden Gruppen, die unfähig sind zur inhaltlichen Bewegung, macht mich immer zuerst traurig und dann irgendwann wütend.