Kein BarcampRuhr5 für mich

Ich trage diesen Gedanken schon eine ganze Weile mit mir herum. Gestern habe ich endgültig beschlossen, am BarcampRuhr5 nicht teilzunehmen. Die Entscheidung fällt mir schwer, denn dieses Barcamp ist für mich so etwas wie mein Heimat-Barcamp. Heimat bezieht sich dabei vor allem darauf, dass ich mich im Unperfekthaus extrem wohl fühle und auch die Orga durch Stefan Evertz immer wieder ein tolles Camp-Erlebnis ermöglicht. Im kommenden Jahr will ich aber mal auf andere Camps gehen. Ich bin in Essen geboren und so werde ich sicher eine Möglichkeit finden, der Stadt auch im kommenden Jahr mindestens einen Besuch abzustatten. Vielleicht ist dann sogar mehr Zeit da, Zeit für Gespräche mit Leuten, mehr Zeit, um durch die Stadt zu streifen, mehr Zeit, um mal zur Villa Hügel zu fahren oder/und an den Baldeneysee und nicht zuletzt auch Zeit, um diejenigen zu besuchen, die nicht mehr leben. Mehr Zeit eben und gleichzeitig die Chance auf vollkommen neue Erlebnisse, Emotionen und Eindrücke auf anderen Veranstaltungen an anderen Orten und mit anderen, neuen und alten Leuten. 2012 wird anders.

Konversionen. Konfusionen. Barcamps. Konferenzen. Unkonferenzen. Ja, was denn nun?

Manchmal ist das mit der Sprache ja offenbar sehr schwierig. Da gibt es einen Begriff, der an sich fest definiert ist. Dieser Begriff, ich spreche vom Begriff Barcamp, ist definiert und steht mittlerweile nicht nur für bestimmte inhaltliche Werte, sondern er will sich mit diesem eigenen Namen auch bewusst abheben von dem, was auf normalen Konferenzen stattfindet. Beide Veranstaltungsformen haben nach meiner Meinung absolut ihre Daseinsberechtigung. Allerdings finde ich es nicht sinnvoll, beide Begrifflichkeiten zu vermischen und somit glasklare Unterschiede zu verwässern und es damit potentiellen Besuchern/Teilnehmern künstlich schwer zu machen, sich für oder gegen eine bestimmte Veranstaltung zu entscheiden.

Von was spricht der eigentlich? Was will der?

Ich spreche vom sogenannten Conversion-Camp. Das Conversion-Camp ist eine kommerzielle Konferenz, die Anfang September in Frankfurt stattfinden soll. Diese Konferenz, über deren Qualität ich mich an sich gar nicht äußern will, gibt sich als XYCamp. Man benutzt zudem sogar unberechtigerweise das Barcamp-Logo. Unberechtigt? Ja, ganz eindeutig darf das Barcamp Logo nicht für kommerzielle Zwecke benutzt werden. Es steht eigens unter einer entsprechenden CC-Lizenz CC-NC-Sampling+. Die Macher diskutieren derzeit mit Barcampern darüber, was geht und was nicht. Bisher zeigen die Statements der Konferenzmacher aber, dass man sich offensichtlich mit Attributen schmücken will, die man inhaltich in keiner Weise lebt. Ich finde das sehr schade und an manchen Stellen der Argumentation wirklich dreist. Ich wiederhole, was ich oben aus voller Überzeugung geschrieben habe: Konferenzen haben natürlich ihre Daseinsberechtigung. Genauso legitim ist es, mit Konferenzen unmittelbar oder mittelbar Geld verdienen zu wollen. Barcamps sind allerdings keine kommerziellen Veranstaltungen. Das Conversion-Camp steht aber mit seiner Ausrichtung tatsächlich an etlichen Punkten dem Prinzip der Barcamps diametral gegenüber.

Ein paar Fakten über Barcamps

An dieser Stelle kann ich es mir leicht machen. Franz Patzig, einer der Urväter der deutschen Barcamp-Szene, hat schon im vergangenen Jahr einen Artikel geschrieben, aus dem ich nur zu gerne zitiere:

Formate wie BarCamp gehören uns – und nicht Firmen und schon gar nicht PRlern. Die Marke BarCamp muss von der Community getragen werden. Es bedeutet aber auch, dass nur wenn wir als Community für die Marke BarCamp einstehen und bei den falschen, weil z.B kommerziellen Vereinnahmungsversuchen einschreiten, BarCamp noch lange das bleiben kann was es ist. Eines der spannendsten, demokratischsten Formate, die es je gegeben hat.

Den kompletten Beitrag über das was Barcamps sind und was nicht, kann man hier nachlesen. Alles klar?

Noch ein paar Details

Übrigens, wer nochmal nachlesen will, was man unter dem Begriff Community-Mark versteht, findet hier eine griffige Definition. Chris Messina erklärt zudem ebenfalls in einem ausführlicheren Beitrag, was das ist. Es gibt auch einen sehr informativen Artikel dazu, was ein Barcamp ausmacht. Folgt einfach diesem Link.

Fazit. Wünsche und Hoffnungen

Man darf sich ja immer Sachen wünschen. Ich täte mir wünschen, dass die Macher des Conversion-Camp nochmal in sich gehen. Sie haben zwei Möglichkeiten. Sie können ihre Konferenz umkrempeln und sich vorher vielleicht nochmal eingehend mit dem befassen, was Barcamps sind. Neue Barcamps sind schließlich immer willkommen. Sie können natürlich auch bei dem bleiben, was sie derzeit planen, namentlich eine kommerzielle Konferenz. In diesem Fall sollten sie darauf achten, nicht als Trittbrettfahrer von einer Entwicklung zu profitieren, zu der sie nichts beitragen wollen. Natürlich sollten sie sich ein neues Konferenz-Logo ausdenken. Generell gilt: Eigenständigkeit rulez!

Nachtrag und Aktualisierungen

Seit ca. 12 Uhr gibt es aus Richtung Conversion-Camp ein Statement, indem gesagt wird, dass man aus Respekt an den ursprünglichen Spirit der BarCamps das Logo für deren Veranstaltung ändern will. Wenn man sich jetzt noch dazu durchringen könnte, den Namen zu ändern, wäre das wirklich schön.

Ich habe im Artikel oben auch noch unterschlagen, dass auch Matthias Gutjahr in seinem Sperrobjekt Blog über das Thema gebloggt hat. Bitte unbedingt Lesen. Es lohnt sich. :-)