Literaturhaus Frankfurt: Matthias Beltz und seine gesammelten Untertreibungen

Hintergründiger, tiefschwarzer Humor. Das letzte Mal habe ich Matthias Beltz im Hauptbahnhof in Frankfurt gesehen. Er strebte eiligen Schrittes und mit einem grob karierten Sakko bekleidet durch die Bahnhofshalle in Richtung S-Bahn.

Und auf der Bühne? Da war er zuhause. Ich sah ihn aber auch sehr oft im Fernsehen, bestaunte seine messerscharfen Pointen und habe ihn auch ab und an als Gast in Talkshows gesehen. Er war stets gewitzt und brachte die Menschen mit Leichtigkeit dazu, dass sie Tränen in den Augen hatten vor Lachen. Jetzt hat das Literaturhaus Frankfurt ein Zimmer für Matthias Beltz eingerichtet. Darin finden sich Preziosen wie beispielsweise ein altes Veranstaltungsposter vom legendären „Karl Napp’s Chaos Theater“. Darüber hinaus kann man sich Bücher aus dem Privatbesitz anschauen, zwischen deren Seiten der Kabarettist selbst verfasste Notizzettel plaziert hat. Man findet private Hör- und Videokassetten. In diesem Zimmer, in dem man Beltz immer wieder zu spüren glaubt, findet man aber auch Überraschendes. So würde man sicher kaum darauf kommen, dass der am meisten vorkommende Autor in der privaten Bibliothek von Matthias Beltz Ernst Jünger ist. Beltz schafft es eben bis heute, uns immer wieder neu zu überraschen.

Für Menschen, die Frankfurt abseits der touristischen Pfade erkunden wollen, ist der Besuch des erst kürzlich umgezogenen Literaturhauses ohnehin ein MUST. Freunde von Matthias Beltz haben nun endlich einen Ort, an dem sie den Menschen Matthias Beltz erspüren und auffinden können. Bravo.

H.M. Enzensberger: Schreckens Männer. Versuch über den radikalen Verlierer

Hans Magnus Enzensbergers Essay „Schreckens Männer. Versuch über den radikalen Verlierer“ wird aktuell teilweise heftig angegangen. Zumeist kann ich gar nicht recht nachvollziehen, woher die Vehemenz in der Besprechung des Essays kommt. Ob es die F.A.Z. ist oder die Zeit, jedermann weiss es besser, alle schreiben sie, kurz gesagt, von groben Vereinfachungen, die nicht statthaft wären und die H.M. Enzensberger begannen haben soll und überhaupt sei das doch alles nicht neu, was er da schreiben würde. Da werden dem Autoren falsche Schlussfolgerungen unterstellt und gleichzeitig wird so getan, als hätte er versucht, mit seinem kleinen Traktat die Weltformel in Sachen Terrorismus-Erklärung zu liefern. Innerlich muss ich ein wenig lachen, als ich nun ein Interview lese, in dem Enzensberger selbst seinen Rezensenten indirekt empfiehlt, mal die Bedeutung des Wortes Essay nachzuschlagen. Wohl wahr! Dabei möchte ich Enzensberger gar nicht in Schutz nehmen. Er braucht mich nicht, um seinen Kritikern zu antworten. Ich will aber dennoch darauf hinweisen, dass es auch eine, aus meiner Sicht, sachliche Kritik gibt, die ebenfalls Details des Essays kritisch beleuchtet, die aber auch skizziert, warum manchmal eine Pointe mehr leistet als ein Differenzierung. Gut gebrüllt, Martin Mayer von der Neuen Zürcher Zeitung!