Kabul. London. Syrien. Es ist Zeit umzukehren

Tagtäglich hören wir die Nachrichten. Manche nehmen wir lauter wahr, andere dringen nur leise an unser Ohr, wieder andere gar nicht. Der Tod in Kabul erscheint uns selbstverständlicher, nachvollziehbarer als der, der direkt in der eigenen Nachbarschaft stattfindet. Wieder ein Anschlag in London.

Hass prägt unsere Entscheidungen. Wir haben aufgehört, uns zu allen Menschen zu bekennen. Wir haben irgendwann angefangen, unser Wohl deutlich höher zu stellen als das der anderen. Etwas tun für andere, wenn es mich etwas kostet? Klimaziele? Pah. Weniger Ausbeutung in den Regionen, die ohnehin unfassbar arm sind? Es ist Zeit aufzuhören. Es ist Zeit aufzuhören mit der Ignoranz gegenüber vollkommen selbstverständlichen Einsichten. Ja, unser Tun hat Auswirkungen auch auf Menschen, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass sie existieren. Ja, Handel und Wirtschaft rechnet sich oft nicht, wenn man die Kosten miteinbezieht, die es braucht, um Produkte sinnhaltig zu verarbeiten auch wenn sie kaputt sind und Müll. Es ist Zeit umzukehren. Es ist Zeit, Respekt zu zeigen für alles Leben. Alles andere ist zutiefst unverantwortlich.

Lesestoff: Uwe Krüger – Meinungsmacht

In den letzten Jahren vermisse ich zunehmend bestimmte kritische Positionen, wenn ich journalistische Inhalte lese. Gerade große Zeitungen begleiten mit Beiträgen, was gerade tagesaktuelles Thema ist. Kritische Auseinandersetzung(en) mit einem Thema finden nach meinem Eindruck selten statt. Noch seltener finden sich Themen in Zeitungen, die nicht von einer Agenda der Aktualität angetrieben sind. Schon lange will ich diesen persönlichen und natürlich subjektiven Eindruck untersucht wissen, habe aber bisher wenig Lesestoff dazu gefunden. Vor einiger Zeit fand ich dann Uwe Krügers „Meinungsmacht“. Gerade der Untertitel des Buches machte mich eher noch neugieriger: „Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten — eine kritische Netzwerkanalyse“.

Ich bin noch lange nicht durch mit dem Buch, aber was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich es als sehr interessant empfinde. Zudem gibt es eine Reihe von Leseempfehlungen, die sich alleine aus den Fußnoten und zitierten Untersuchungen anderer ergeben. Fazit: Endlich ein fundierter Einstieg in diese Materie und somit endlich die Chance, aus einem subjektiven Eindruck objektivierte Aussagen zu machen. Natürlich braucht es dafür noch eine ganze Weile. Am Ende will ich wissen, ob meine Eindrücke richtig sind oder nicht und woran es liegen könnte, dass auch in seriösen Zeitungsformaten tiefergreifende Berichterstattung nur noch selten stattfindet. Worauf es mir explizit nicht ankommt: Neue Munition zu liefern für die ewige Diskussion um die Qualität journalistischer Inhalte. Gerade auch deshalb ist die Kommentarfunktion ausgeschaltet.