Lesestoff: Uwe Krüger – Meinungsmacht

In den letzten Jahren vermisse ich zunehmend bestimmte kritische Positionen, wenn ich journalistische Inhalte lese. Gerade große Zeitungen begleiten mit Beiträgen, was gerade tagesaktuelles Thema ist. Kritische Auseinandersetzung(en) mit einem Thema finden nach meinem Eindruck selten statt. Noch seltener finden sich Themen in Zeitungen, die nicht von einer Agenda der Aktualität angetrieben sind. Schon lange will ich diesen persönlichen und natürlich subjektiven Eindruck untersucht wissen, habe aber bisher wenig Lesestoff dazu gefunden. Vor einiger Zeit fand ich dann Uwe Krügers „Meinungsmacht“. Gerade der Untertitel des Buches machte mich eher noch neugieriger: „Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten — eine kritische Netzwerkanalyse“.

Ich bin noch lange nicht durch mit dem Buch, aber was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich es als sehr interessant empfinde. Zudem gibt es eine Reihe von Leseempfehlungen, die sich alleine aus den Fußnoten und zitierten Untersuchungen anderer ergeben. Fazit: Endlich ein fundierter Einstieg in diese Materie und somit endlich die Chance, aus einem subjektiven Eindruck objektivierte Aussagen zu machen. Natürlich braucht es dafür noch eine ganze Weile. Am Ende will ich wissen, ob meine Eindrücke richtig sind oder nicht und woran es liegen könnte, dass auch in seriösen Zeitungsformaten tiefergreifende Berichterstattung nur noch selten stattfindet. Worauf es mir explizit nicht ankommt: Neue Munition zu liefern für die ewige Diskussion um die Qualität journalistischer Inhalte. Gerade auch deshalb ist die Kommentarfunktion ausgeschaltet.

Desinformationszeitalter

Wir leben in modernen Zeiten. Zu keiner anderen Zeit war es so einfach, sich gut zu informieren. Denkt man.

Ich will nicht bestreiten, dass es heute einfach ist, sich Informationen über einen Menschen oder ein Thema zu beschaffen. Das Netz macht es möglich. Oder sollte ich sagen: Das Netz scheint es möglich zu machen? Wenn man genauer hinschaut, dann ist es heute in vielen Situationen extrem schwer, unabhängige Informationen zu einem Thema oder einem Menschen zu finden. Versucht mal, euch über eine x-beliebige Person, etwa einen Politiker oder eine andere öffentliche Person, komplett zu informieren. Überall fnden sich positive Passagen und komplett wunderschöne Lebensläufe. Sie sind beinahe alle geshaped, sie sind geschönt. Die unschönen Passagen sind im besten Falle freundlich dargestellt, sehr häufig sind sie aber auch gar nicht mehr da. Bei Produkten und bei komplexeren Themen wird das Produkt oder die Idee hinter einem Thema sogar noch aktiv positiv dargestellt und es werden tonnenweise nicht beweisbare positive Pseudo-Argumente in die Welt gesetzt, um uns zu beeinflussen. Sich das ganze Bild machen ist schwierig und nicht selten gar nicht möglich oder wir müssen eben doch den ganzen Weg gehen und das heißt, sich ggfs. auch außerhalb des Netzes zu informieren und Quellen heranzuziehen, die man nicht mal eben so einfach klittern kann.

Und da ist es wieder, das Thema Medienkompetenz und mündiger Bürger. Und da ist auch wieder die Erkenntnis, dass leicht und schnell meist nicht gut sein kann. Wer sich das ganze Bild machen will, der muss bereit sein, Zeit zu investieren und Mühe. Anders geht es nicht.