Einwanderungspolitik? Fehlanzeige

Es gab Zeiten, da dachte ich, die Menschen in Deutschland und auch die politischen Gruppierungen hätte begriffen, dass wir ein Einwanderungsland sind. Seit ich denken kann, werden mit der Haltung zum Thema Zuwanderung Wahlen gewonnen und verloren. In diesen Tagen ist Zuwanderung und Integration wieder ein grosses Thema. Erneut kann man beobachten, wie die öffentliche Diskussion von der Betonung der Risiken geprägt ist. Chancen sieht offenbar niemand.

Ich bemerke nur höchst selten, dass wir gezielt und sachlich darüber reden, ob wir uns endlich dazu bekennen wollen, dass Deutschland längst ein Einwanderungsland ist und noch weniger trauen wir uns, Migration und Integration endlich aktiv zu gestalten. Immerzu reden Politiker darüber, dass sich Menschen hier integrieren müssen. Kaum jemand sagt, dass Integration nicht funtkioniert, wenn wir zwar einseitig von den hier lebenden ausländischen Menschen verlangen, sich zu unserer Kultur zu bekennen, gleichzeitig aber nur wenige Deutsche dazu bereit sind, sich diesen anfangs fremden Menschen auch ein Stück weit zu öffnen. Sollten nicht am besten möglichst viele Menschen bereit sein, neue Mitbürger an die Hand zu nehmen und ihnen unser Land begreiflich zu machen? Wir sollten unsererseits neugierig sein, was diese Menschen uns mitbringen und nicht immer nur verlangen, dass sie sich permanent selbst verleugnen. Können wir denn von anderen Menschen gar nichts lernen? Ist es so, dass wir nur etwas geben, wenn wir Menschen erlauben, sich bei uns niederzulassen oder bringen Menschen nicht auch Arbeitskraft mit, Ideen oder einfach Jugend in Form von Kindern? Ist es nicht auch so, dass wir von einem solchen Zusammenleben etwas lernen können, wenn wir dies nur wollten? Wäre also nicht eigentlich Zuwanderung ein Thema, welches im innersten Kern vor allem aus Geben und Nehmen bestehen müsste? Wie muss unsere inländische Diskussion zum Thema Zuwanderung auf jemanden wirken, der sich überlegt, sein Land zu verlassen und der weiter darüber nachdenkt, wo er für sich und seine Angehörigen eine sichere und gute Zukunft finden könnte? Fühlt sich ein solcher Mensch positiv angesprochen und entscheidet er sich frohen Herzens für Deutschland, weil er denkt, dass er hier für sich und seine Familie eine Zukunft sieht? Wie wirken wohl in diesem Kontext Formelkompromisse auf ihn, wie sie erst kürzlich von der Ministern der Bundesländer erzielt wurden? Hätte ich Lust, in ein solches Land auszuwandern? Sicher nicht!

In Deutschland sieht man in allem und jedem nur und einzig Risiken. Beinahe könnte man sagen, dass dies eine unselige Tradition hat, die leider von den meisten gesellschaftlichen Gruppen auch heute noch immer wieder bedient wird. Es macht mich schon sehr verzweifelt, wenn ich feststelle, wie oft wir im täglichen Leben uns selber und anderen beweisen, wie wenig zukunftsfähig wir doch sind und wie wenig offen. In Deutschland ist das Glas nicht halbleer, es ist ausgetrocknet. Wir müssen noch einen langen Weg gehen, um moderne und zukunftsfähige Konzepte nicht nur kopfmässig zu begreifen, sondern diese auch mit Optimismus zu leben.

Gesundheitsreform: Quo Fadis

Puuuh. Ich habe vor einigen Tagen beschlossen, mir in Bezug auf die Zukunft unserer gesundheitlichen Versorgung eine eigene Meinung zu bilden. Ich bin mit der Aufbereitung des gesamten Themenkomplexes in den Medien vollkommen unzufrieden. Ich kann nur äusserst unvollständige Dossiers finden. Die meisten Specials, die man als Beilage in Zeitungen findet oder die Zeitungen ins Netz stellen, sind extrem lückenhaft und hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Immerhin habe ich einen Fund gemacht.

Es gibt hier den sogenannten „Bericht des Sachverständigenrates der Bundesregierung“. Interessant: Ein Konzept, welches die Vorteile beider Konzepte der großen politischen Parteien verbindet, existiert schon seit November 2004! Ich mag ja nicht gut im Rechnen sein, aber wenn ich es dennoch versuche, dann streiten und taktieren unsere lieben Parteien also mindestens seit 2004 lustig auf unsere Kosten. Sie malen nicht erst seit damals das Bild der vollkommenen Unvereinbarkeit der beiden Reformvorschläge (die SPD will eine sogenannte Bürgerversicherung, die CDU schlägt dagegen eine sogenannte Gesundheitsprämie vor).

Ich möchte zu diesem Thema drei Bemerkungen machen: 1.) Wahr ist, dass dieser Bericht ohne jede Nebenwirkung in der Lage ist, einen in einen tiefschlafähnlichen Zustand zu versetzen. 2.) Fakt ist aber auch: Die Analyse dieses Berichtes zeigt auf, was in unserer nationalen Gesundheitspolitik zu geschehen hat, um eine Reform durchzuführen, die diesen Namen auch verdient. 3.) Wir werden nicht umhin kommen, für das Thema Gesundheit mehr Geld auszugeben und uns dennoch gleichzeitig vom Gedanken der „Vollkaskoversichertheit“ trennen müssen, weil die dahinter liegende Mentalität nicht nur unbezahlbar ist, sondern u.a. auch ursächlich dafür verantwortlich ist, dass unser Gesundheitssystem in der jetzigen Form nicht mehr tragbar ist und sogar zukunftsunfähig.