Herbstlicher Sonntag mit Einsichten

Sonne. Blauer Himmel. Gute 14°C und neben mir steht eine erste Tasse mit frisch gebrühtem, beinahe dickflüssigem, Earl-Grey Tee. Draußen spielen drei Mädels. Ihre lauten, fröhlichen Stimmen klingen durch die offene Balkontür herein. Ich lese in Lion Feuchtwangers Roman Erfolg und bestaune die Schilderung über die damalige Münchener Bevölkerung, die auch gut von heute stammen könnte. Feuchtwanger schreibt pointiert, sein Blick auf die Verhältnisse analysiert scharf, seine Feder hält seine gesellschaftliche Kritik ebenso fest. Erfolg entstand zwischen 1927 und 1930 und erschien kurz darauf.

Miles Davis. The Complete Birth Of The Cool

Miles Davis. The Complete Birth Of The Cool. Produktion der Studiosessions: Pete Rugolo. Arrangements: Gerry Mulligan, John Lewis, Gil Evans und John Carisi.

Tolle Musik. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1948 und 1950. Ich habe diese Musik erst langsam entdeckt. Sie ist spröde. Ich habe viele Annäherungen versucht und irgendwann einen Zugang gewonnen. Seitdem tun sich immer wieder neue Aspekte auf, erschließen sich beinahe komplette Welten. Ich fühle mich dieser Musik so nahe und manchmal kann ich beinahe nichts anderes ertragen. Natürlich, Bach bleibt außen vor und Haydn und die anderen. Manchmal ist es aber auch so, daß ich nur noch Miles Davis zuhören mag und Gil Evans und sonst niemandem mehr. Zuletzt bleibt mir nur noch die folgende Empfehlung: Nehmt Euch etwas Zeit. Versucht, Euch dieser Musik langsam zu nähern und laßt Euch nicht gleich wieder »wegschicken«, wenn sie sich zunächst etwas sperrig gibt. Fühlt die Musik und laßt Euch treiben ..

(Dieser Text stammt aus meinem »Blogarchiv«. Er wurde am 8. 9. 2006 erstveröffentlicht.)