Alle Artikel des Monats: September 2006

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Johannes Butzbach: Odeporicon

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Johannes Butzbach: Odeporicon. Wanderbüchlein

Aus dem Lateinischen übertragen von Andreas Beriger. Mit 15 Illustrationen.

Manesse Bibiliothek der Weltliteratur
ISBN: 3-7175-1842-9
Preis: 17,90 Euro

Johannes Butzbach wurde 1477 als Kind einfacher Leute in Miltenberg geboren. Er besuchte eine örtliche Elementarschule und begann schon mit neun Jahren ein Leben als Bettelstudent. Später besuchte er die berühmte Lateinschule in Deventer. Wenige Jahre vorher war auch Erasmus von Rotterdam hier unterrichtet worden. 1500 trat Butzbach in das Reformkloster von Laach in der Eifel ein und wurde schon kurze Zeit später Prior des Klosters. Das »Odeporicon« entstand in dieser Laacher Zeit.

Das »Odeporicon« ist sowohl Reisebricht als auch Autobiografie. Johannes Butzbach schildert seinen persönlichen Lebensweg. Wir fühlen mit ihm, wenn er seine Jugendjahre schildert und wir saugen interessiert jedes Wort auf, welches uns den Alltag eines Menschen aus dem 16. Jahrhundert schildert. Das »Odeporicon« macht es uns möglich mitzuerleben, wie Menschen seinerzeit gerade erst entdeckten, dass es sowas wie eine spezifische menschliche Individualität überhaupt gibt. Gerade wir heutigen extrem Ich-Bezogenen Menschen können mitfühlen und miterleben, wie ein Leben ausschaut, dass ohne jedes Recht auf Individualität gelebt wird. Es ist noch nicht sooo lange her, dass dies Alltag war. Wir erfahren im »Odeporicon« von Sitten und Gebräuchen aus Franken, Bayern und Böhmen. Und wir lernen manchen religiösen Zwist aus der Sicht eines Zeitgenossen kennen. Das ist in vielen Situationen zutiefst interessant und bereichernd. Johannes Butzbach lehrt uns allen aber vor allem, dass jedermann und natürlich auch jede Frau sein/ihr Lebensglück mit Geduld und Ausdauer suchen muss. Insofern ist dieses wundervolle Büchlein hochmodern. Ohnedies ist es handwerklich wunderschön gemacht. Dafür steht alleine der Name des Manesse Verlages.

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Alle Jahre wieder: Buchmesse in Frankfurt

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Ab dem 4. Oktober ist es wieder soweit: Die Buchmesse in Frankfurt öffnet ihre Pforten. Bis zum 8. Oktober kann man dann wieder erleben, wie diese Messe es schafft, eine ganze Stadt zu verändern. Schon seit Wochen sieht man die überdimensionalen, bunten Buchskulpturen überall aufgeklappt in der ganzen Stadt stehen, in den Auslagen der Buchhandlungen jagt eine Neuveröffentlichung die nächste, Veranstaltungskalender kündigen eine Flut von Veranstaltungen in Sachen Buch an. Es ist etwas für jeden Geschmack dabei. Man kann natürlich Lesungen besuchen, sich Bücher signieren lassen, Podiumsdiskussionen anhören oder einfach nur einmal seinen Lieblingsautoren leibhaftig erleben. Natürlich ist dies auch die Zeit, in der man über das diesjährige Gastland besonders viel erfahren kann. Indien zeigt, dass es weitaus mehr zu bieten hat als IT und eine Kolonialgeschichte. Gerade die relativ grosse indische Gemeinde Frankfurts blüht merklich auf. Es ist die Chance, ein Land einmal viel ganzheitlicher zu zeigen als wir das sonst aus der täglichen Berichterstattung gewohnt ist.

Ich jedenfalls freue mich immer wie ein kleines Kind. Absichtlich werde ich in diesen Tagen alles Negative übersehen und mich stattdessen ausschliesslich auf das Wesentliche konzentrieren: Wunderschöne Bücher, tolle Autoren und eine komplette Welt, die in Frankfurt zu Gast ist. Auf in die Messehallen, auf nach Frankfurt ..

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Ende September ..

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Unbemerkt zieht sich der Sommer Stück für Stück zurück. Das Wetter ist meist noch warm und auch deshalb bemerke ich kaum, dass schon beinahe Oktober ist. Gefühlsmässig bin ich noch voll im Sommer und irgendwie denke ich immer, dass etwas fehlt vom Sommer. Das ging in diesem Jahr alles soooo schnell. Vielleicht fehlt der Juli; die vier Wochen damals vergingen wirklich beinahe wie im Rausch.

Aktuell sind die Blätter an den Bäumen, Büschen und Blumen noch schön grün. Allerdings kann man schon ab und an sehen, wie das Leben in der Natur an Kraft einbüsst. Mancherorts sehnen sich Pflanzen nach Ruhe. Unsere Topfpflanzen trinken kaum noch von ihrem Wasser, sie bewegen sich teilweise jetzt schon auf eine wohlverdiente Ruhephase zu. Wir sogenannten modernen Menschen bemerken den aufkommenden Herbst und den Winter höchstens noch an den Weihnachtssüssigkeiten im Supermarkt. Das ist, Jahr für Jahr, eine schreckliche Angewohnheit. Ich fühle mich noch voll im Sommer und stehe in den Läden teilweise neben den ersten Christstollen. Wooooooow, das ist schon ein Kulturschock.