Neulich wiederentdeckt: Sonny Rollins befüllt die Rubrik Ich habe einen Traum in der Zeit (Ausgabe vom 29.6.2006). Er beschreibt seinen Umgang, sein Leben mit Musik, sein Leben durch Musik. Er sagt:

Ständig denke ich über Musik nach, sie ist immer in mir. Wie in einem Tagtraum begegnen mir Melodien und Töne. Den ganzen Tag über höre ich Musik in mir, vieles davon kommt aus meinen Träumen und aus meinen Erinnerungen. Alte Stücke und neue Stücke, eigene Kompositionen und Jazzstandards geistern durch meinen Kopf und vermischen sich. Ich komponiere permanent. Vieles davon habe ich noch nicht aufgenommen, das meiste noch nicht einmal aufgeschrieben. Für mich ist das ganze Leben ein kreativer Prozess, teils bewusst, teils im Unterbewusstsein

Ich sitze am Rechner und denke über Projekte nach. Da sind Ideen, die mir unaufhörlich durch den Kopf schwirren. Ganz häufig bin ich unterwegs, ich sitze beispielsweise in einem Zug, habe eine Idee und schreibe mir diese dann ersteinmal auf, damit sie nicht verloren geht. Nicht selten arbeite ich die Idee im Kopf durch, ich spinne sie weiter, ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie eine Website entsteht, wie sie ausschaut und wie darin bestimmte Inhalte, Lösungsansätze und optische Effekte zusammenwirken. Nutzen sie einem Besucher der Site? Sind sie stylish? Ist es nur eine Spielerei, die eigentlich keinen Nutzen hat? Was könnte man noch anbieten? Was gibt es derzeit für Techniken, mit deren Hilfe ich Funktionen realisieren kann? Form (should) follows function ..

Ein Freund hat mal gesagt, dass die meisten Websites nicht ein Projekt sind, die einen Startpunkt haben und einen Endpunkt. Website wären beinahe immer Prozesse, die man leben müsste. Ich höre Sonny Rollins und ich fühle nicht nur, wie seine Musik direkt durch meine Seele wandert und mir ein wohliges Gefühl von Zuhause-Sein vermittelt. Ich fühle auch, wie sehr meine Arbeit, mein Lebensgefühl seinem Lebensgefühl und seiner Arbeit ähnelt. Ich spüre eine Seelenverwandtschaft .. heute ist ein guter Morgen.