.. Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten später entstandenen€“ Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von €žSchriftbesitzern€œ und €žUngläubigen€œ einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: €žZeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dassŸ er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist ..

Zitat: Eine Vorlesung, welche Benedikt XVI. anlässlich seines Besuches in Bayern vor Wissenschafltern der Universität Regensburg gehalten hat. Das Thema war »Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen« Den kompletten Redetext findet man hier.

Papst Benedikt XVI. ahnte wohl kaum, was er mit seiner Ąusserung alles lostrat. Man musste damit rechnen, dass sich militante Islamisten diese Steilvorlage nicht entgehen lassen. Vielmehr überrascht mich aber die Resonanz in grossen Teilen der sogenannten westlichen Presse. Da wird einerseits gefordert, dass man Geschehnisse differenziert betrachtet. Andererseits hat sich gerade direkt nach dieser Rede gezeigt, wie wenig auch teilweise seriöse Medien Recherche betreiben. Es galt offenbar: Schnelligkeit beim Veröffentlichen geht über Grundlichkeit. Beinahe niemand hat sich überhaupt die Arbeit gemacht, den gesamten Text der Vorlesung Benedikts zu lesen. Wenn man dies nämlich getan hätte, dann hätten sich viele unsägliche Berichte erledigt gehabt, bevor sie entstehen. Die Art und Weise, wie in dieser Sache berichterstattet wurde, lässt in vielerlei Hinsicht tief blicken. Sie gewährt uns einen tiefen Einblick in die manchmal seltsam anmutende Wirklichkeitswahrnehmung eines Journalismus, der sich nach Aussen hin oft als investigativ darstellt und integer.

Ich möchte am Ende feststellen, dass ich nicht katholisch bin, ich fühle mich auch nicht angesprochen, wenn wir Papst sind. Darüber hinaus finde ich so manche Position der katholischen Kirche und des Papstes selbst überaus bedenklich. Neben allen inhaltlichen Differenzen sollte man aber dennoch fair und ehrlich miteinander umgehen. Ich bin da altmodisch und ich bin ausserdem entschieden nicht der Ansicht, dass in einer öffentlichen Auseinandersetzung alles erlaubt ist, um eine Meinungsführerschaft zu gewinnen oder zu behalten.