Johannes Butzbach: Odeporicon. Wanderbüchlein

Aus dem Lateinischen übertragen von Andreas Beriger. Mit 15 Illustrationen.

Manesse Bibiliothek der Weltliteratur
ISBN: 3-7175-1842-9
Preis: 17,90 Euro

Johannes Butzbach wurde 1477 als Kind einfacher Leute in Miltenberg geboren. Er besuchte eine örtliche Elementarschule und begann schon mit neun Jahren ein Leben als Bettelstudent. Später besuchte er die berühmte Lateinschule in Deventer. Wenige Jahre vorher war auch Erasmus von Rotterdam hier unterrichtet worden. 1500 trat Butzbach in das Reformkloster von Laach in der Eifel ein und wurde schon kurze Zeit später Prior des Klosters. Das »Odeporicon« entstand in dieser Laacher Zeit.

Das »Odeporicon« ist sowohl Reisebricht als auch Autobiografie. Johannes Butzbach schildert seinen persönlichen Lebensweg. Wir fühlen mit ihm, wenn er seine Jugendjahre schildert und wir saugen interessiert jedes Wort auf, welches uns den Alltag eines Menschen aus dem 16. Jahrhundert schildert. Das »Odeporicon« macht es uns möglich mitzuerleben, wie Menschen seinerzeit gerade erst entdeckten, dass es sowas wie eine spezifische menschliche Individualität überhaupt gibt. Gerade wir heutigen extrem Ich-Bezogenen Menschen können mitfühlen und miterleben, wie ein Leben ausschaut, dass ohne jedes Recht auf Individualität gelebt wird. Es ist noch nicht sooo lange her, dass dies Alltag war. Wir erfahren im »Odeporicon« von Sitten und Gebräuchen aus Franken, Bayern und Böhmen. Und wir lernen manchen religiösen Zwist aus der Sicht eines Zeitgenossen kennen. Das ist in vielen Situationen zutiefst interessant und bereichernd. Johannes Butzbach lehrt uns allen aber vor allem, dass jedermann und natürlich auch jede Frau sein/ihr Lebensglück mit Geduld und Ausdauer suchen muss. Insofern ist dieses wundervolle Büchlein hochmodern. Ohnedies ist es handwerklich wunderschön gemacht. Dafür steht alleine der Name des Manesse Verlages.