China ist prall, China ist manchmal wahnwitzig unterschiedlich. In China lebt Jahrtausende alte Tradition direkt neben der Welt des 21. Jahrhundert. Für uns Europäer ist China oft scheinbar unbegreifbar. Will man Einblicke erhaschen, dann macht sich auf der Suche nach Informationen schnell Frustration breit. Zumindest geht das mir häufig so. Wenn es um China geht, ist die Berichterstattung, vorsichtig ausgedrückt, sehr einseitig. Berichte transportieren stupide immer gleiche Bilder und Metaphern. Je nach Quelle handeln die Geschichten von undemokratischen Strukturen, sie handeln von der unbeweglichen kommunistischen Führung, es wird natürlich und zurecht auch berichtet von Menschenrechtsverletzungen, es wird Angst geschürt vor dem schlafenden wirtschaftlichen Riesen China. Kurz: Es wird Angst gemacht. Über den Alltag der Menschen erfährt man wenig. Andere Blicke erhascht man selten. Normalität findet medial einfach nicht statt. Dabei kann man doch häufig ganz besonders gut im Alltag sehen, wie Menschen leben, wie sie zusammen leben, was sie denken, was sie fühlen und was sie antreibt und wie es ihnen generell geht und möglichwerweise auch, was ihnen wirklich fehlt.

Juli Zeh schreibt über Peking

Erst gestern entdeckte ich einen Artikel von Juli Zeh. Sie schreibt über Eindrücke einer Reise nach Peking. Sie schildert Erlebnisse, betont beinahe permanent, wie unsicher sie es macht, dass ihre Erfahrungen so gar nicht zu dem passen, was man uns meist scherenschnittartig und in strengem schwarz-weiss Modus der Medienwelt über China berichtet. Juli Zehs Reiseeindrücke sind erfrischend, sie tun gut und sie ermöglichen es endlich einmal, andere Eindrücke als die immer gleichen zu erlangen, von denen man sonst liest, hört und sieht. Juli Zeh beschreibt, wie ihre durch den Westen festgefügten Ansichten über China, gerade auch die Ansichten zum offiziellen China, wie diese Gedanken auf dieser Reise manchmal in völlige Unordnung geraten.

Unordnung ist manchmal sehr gut

Mir gefällt der Artikel extrem gut. Ich will, genauso wenig wie Juli Zeh, verschweigen, dass es in China Menschenrechtsverletzungen gibt und ich will auch nicht verschweigen, dass es Zensur gibt. Ich finde den Artikel trotzdem gut und kann ihn nur zum Lesen empfehlen, weil er anregt, einmal gewohnte Denkpfade zu verlassen und neue Ansätze zu verfolgen. Eine gewisse Beweglichkeit im Denken und allgemein in der Meinungsfindung kann uns allen nicht schaden. Wer jetzt neugierig geworden ist, der findet Juli Zehs Artikel hier. Viel Spass beim Gewinnen neuer Ansichten!