Natürliches Denken. Momentaufnahmen. Und Meinung

Monat: April 2007 (Seite 3 von 3)

Spiegel Edition: Salman Rushdie. Des Mauren letzter Seufzer

Eine Osterüberraschung. Schon länger hatte ich mich für Salman Rushdies Des Mauren letzter Seufzer interessiert. Gestern habe ich das Buch geschenkt bekommen. Ich bin sehr fasziniert von der Aufmachung des Buches. In meinen Händen liegt ein wunderschön gebundenes Buch der SPIEGEL-Edition. Die Verantwortlichen dieser Serie haben sich sehr bemüht, nicht einfach nur ein paar Bücher neu aufzulegen. Vielmehr bekommt man beim Kauf eines Bandes der Edition ein Stück guten Handwerks. Das fängt an beim hochwertig, schönen und dennoch stabilen Einband des gebundenen Buches und reicht bis zur Fadenheftung und einem Lesefaden. Solche Details liebe ich sehr, aber eben sicher nicht nur ich, sondern ebenfalls viele andere bellestristisch interessierte Leutchen.

Das Buch ist ein Plädoyer für Toleranz. Dieses Stück Literatur macht in Bezug auf eigenes Handeln, Denken und Tun nachdenklich. Hier können wir alle etwas lernen, wenn wir das wollen. Zuforderst macht das Lesen aber einfach Spass. Die Geschichte spielt zwischen westlichen und östlichen Welten. Salman Rushdie erzählt eine Familiensaga zwischen Andalusien und Bombay. Das Buch sprüht vor Fabulierkunst und lyrischer Kraft. Der Autor erzählt uns vom letzten Mitglied der Sippe, welches am Ende seines Lebens mit aller Kraft versucht, eine manchmal allzu brutale Welt durch den Glauben an die Kraft der Kunst, den Glauben an die Liebe und die Schönheit zu überwinden.

Tim OReilly: Eine Antwort auf Marty Grahams Beitrag für WiredNews

I let my hair down a bit with Marty Graham of Wired News last night, talking about the future of ETech, and sharing a bit of my nostalgia about seeing some of the ideas that originally fired the conference „grow up,“ drawing marketers and people looking for practical business advice as well as hackers and entrepreneurs. This morning I saw that Dylan Tweney posted a slightly misleading blog post on the subject, based on my conversation with Marty. Entitled „The End of This Idea,“ the posting seemed to suggest that I thought that the ETech conference had run out of gas. Far from it.

What I did suggest to Marty was that Web 2.0, which was still a focus of many (but far from all) of the conference talks, should no longer be central to the conference, as its an idea thats gone from emerging to mainstream. Whats more, we now have not one but two other conferences, the Web 2.0 Expo in two weeks, and the Web 2.0 Summit in the fall, that are completely devoted to Web 2.0.

Quelle: OReilly Radar

Eine Antwort von Tim OReilly auf Marty Grahams Beitrag für WiredNews lies nicht lange auf sich warten. Zu gross ist die Gefahr, dass Martys Beitrag und die sich darin befindlichen angeblichen Ansichten von Tim OReilly in Sachen Web 2.0 zu Fehlinterpretationen führen und öffentlich falsche Signale aussenden würden. Den kompletten Beitrag können interessierte Leser hier finden. Wie ich finde, zeigen sich in diesem Fall dennoch unendlich grosse Unterschiede zwischen der alten Welt und der neuen Welt. Allerdings ist die Betrachtung nicht ganz einfach, denn das Thema an sich ist sehr komplex und vielschichtig. Es wird spannend sein, in den kommenden Wochen und Monaten zu verfolgen, welche Priorität dem Thema SocialMedia eingeräumt wird und es wird auch spannend sein, wie die arrivierten Software Companies sich zu der Thematik positionieren.

Tim OReilly. It feels like the end of this idea

.. the nostalgic end of the run for this vision,€ he says. It feels like the end of this idea.€

When the conference was launched, web marketing and concern for the user’s experience were a faint light on the horizon. Websites were clumsy and not intuitive, designed by engineers for engineers. Now, a significant portion of attendees have titles like Customer Experience Manager, and entire sessions are devoted to what those folks can learn from social networking websites.

Quelle: WiredNews. Epicenter

Dies sagte Tim OReilly, Gründer von OReilly Media auf der diesjähirgen ETech 2007 in San Diego. Tim ist weitaus mehr als nur ein passiver Begleiter all dessen, was sich um die Themen Web, Web-Technologien, Web 2.0 und Social Media entwickelt und gebildet hat. Lustigerweise las ich am selben Tag auch einige andere Berichte. Darin wurden neue Ergebnisse zum noch immer intakten Hype um Social Media, Social Communities und Web 2.0 vorgestellt. Verantwortliche IT-Entscheider glauben demnach nicht, dass die oben genannten neuen WebTechnologien auf mittelfristige Sicht Einzug in den Arbeits-, Workflow- und Entscheidungsalltage der grossen deutschen Industrieunternehmen halten werden. Ebenfalls am selben Tag las ich einmal mehr einen schlecht recherchierten Bericht in dem Wirtschaftsteil einer grossen deutschen Zeitung. Darin konnte man lesen, dass gerade Blogbetreiber es Spamern leicht machen, sie anzugreifen und sich immer neue Daten über Nutzer zu beschaffen. Ich könnte jetzt noch weiter schreiben, könnte von Berichten schreiben, die den Nutzen von OpenSource Produkten generell in Frage stellen und dies mit zweifelhaften Zahlen belegen wollen. Parallel zu all den Nachrichten bekomme ich Anfragen, ob ich auch auf dem Barcamp in Frankfurt anzutreffen bin. Ich lese meine Feeds via GoogleReader, manchmal auch via Flock. In einer anderen Nachricht fragt man nach, ob ich noch an den Beitrag für das Wiki denke, den ich versprochen habe.

Neue Welten. Altes Denken

Wir leben in Parallelwelten, manchmal. Und wir leben, meinem Eindruck nach, auch in einem Umfeld, was oft zuuuuviel nachdenkt, zuuuviel analysiert und so manche Chance einfach zerredet. Ich denke an Tims Aussagen. Sie zeigen, dass die Ideen der neuen Medien anderswo schon viel konsequenter in Lebenswirklichkeiten eingebaut sind. Ich denke an einen ehemaligen Kollegen aus Estland. Dieser Kollege lebt nach Wanderjahren durch westliche Welten heute wieder in Estland. Er lebt dort schon heute in einem mobilfunkmässigen Paradies. Er parkt sein Auto und zahlt via Handy. Er fährt mit der Tram ins Büro, geht shoppen und forscht nach dem sinnvollsten Weg von A nach B via Handy, GPS und GoogleMaps. Er geht nachmittags immer einen Kaffee trinken und im Sommer sitzt er dann draussen, sein Notebook ist via Hotspot angeschlossen ans Netz. Natürlich ist seine Monatskarte für den OEPNV auch ein E-Ticket. Und wie steht es bei uns? Wir lassen es zu, dass das öffentliche Bild, was man mit den neuen Technologien verbindet, beinahe ausschliesslich negativ besetzt ist. Nur eine Minderheit von gut ausgebildeten jungen Leuten, die meist perse etwas mehr als andere openminded sind, nutzen Vorteile des neuen Lebens mit dem Web und im Web. Wenn man heute in eine Stadt kommt und sucht für abends ein schönes Restaurant oder einen tollen Club, dann schaue man bei Qype nach oder besucht andere lokalisierte Inhaltsangebote. Ich kann mir beim Nutzen dieser Informationen einigermassen sicher sein, dass nicht Marketingexperten ein Informationsportfolio genau für mich zugeschnitten haben , weil Leute, die ich kenne, die Kritiken für die eingetragenen Locations geschrieben haben. Das Stichwort hier klingt nach Roboter und ist doch zutiefst menschlich: User Generated Content. Die Verbindung von Online- und OfflineWissen schafft nicht selten eine vollkommen neue Qualität von Inhalten. Natürlich ist auch in SocialCommunities nicht immer alles richtig und wahr. Aber mal ehrlich? Sind wir vom örtlichen Fachhändler für XY eigentlich noch niemals beschi.. worden? Haben wir auf der Rechnung für die Autoinspektion noch niemals Posten gefunden, die wir angezweifelt haben und die sich dann später auch als zu hoch berechnet herausgestellt haben? Und, gibt es in deutschen Bahnhöfen beispielsweise keinen Diebstahl? Wenn es aber offenbar auch ausserhalb der OnlineWelten nicht immer ideal zugeht, so denken wir nicht wirklich darüber nach, ob wir vielleicht einen Bahnhof schliessen sollen, weil es dort vermehrt Diebstahlsdelikte gibt. Wir verbieten auch nicht das Autofahren, obwohl durch Verkehrsunfälle schon etliche Millionen Menschen zutode gekommen sind. Wir ertragen die Nachteile bestimmter Entwicklungen, wenn sie unter dem Strich mehr Vor- als Nachteile mit sich bringen.

The nostalgic end of the run for this vision€

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Jaaaa, ich weiss, nicht jeder mag diese tollen Fussballsprüche. Hier passt der Spruch aber einfach, denn in genau der Zeit, in der Visionäre wie Tim OReilly das Ende der Vision des Web beschreiben und in der viele andere weniger visionäre Menschen überhaupt erst anfangen, die neuen Möglichkeiten des Netzes zu entdecken, beschäftigen sich findige Köpfe damit, was die WebVisionen von morgen sind.