Es ist schon ein paar Jahre her. Irgendwann stand ich zum ersten Mal vor der Karl-Marx-Buchhandlung in der Jordanstraße in Frankfurt Bockenheim. Ich stand davor und überlegte ernsthaft, ob ich in diese heiligen Hallen der linken Szene — einfach so — hinein spazieren durfte. Sollte ich da wirklich rein gehen? Natürlich sollte ich. Und ich habe es dann natürlich auch getan. Ich trat ein, sah mich um und spürte gleich diese einmalige Atmosphäre. Natürlich weiß ich, dass Atmosphäre etwas ist, was zuerst in der eigenen Phantasie entsteht. Und dennoch war ich geradezu körperlich aufgeregt. Meine Blicke wanderten an den Buchrücken entlang, ich nahm Bücher in die Hand, versuchte Sicherheit zu gewinnen, indem ich nach Autoren suchte, die ich auch schon gelesen hatte. Es war toll. Manchmal wird man ja getäuscht von den Gefühlen, die einen dazu treiben, etwas zu tun. In diesem Fall fühlte und fühlt es sich genauso an, wie es bis heute für mich ist, wenn ich im Bockenheim die Türschwelle der Buchhandlung in der Jordanstraße überschreite. Ich trete ein und betrete die Welt von Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Wilhelm Reich. Ich denke immer auch ein wenig an Joschka Fischer und den schlafenden Daniel Cohn-Bendit, zugegeben. Alle haben ihren festen Platz in meinem Erinnern an die Karl-Marx-Buchhandlung. Und »Zeitblende«, ein Buch über Fünf Jahrzehnte Magnum Photographie hat ebenfalls seinen Platz, denn es war das erste Buch, welches ich in der Jordanstraße gekauft habe.