Schon vor einiger Zeit hat Raphael mir ein Stöckchen zugeworfen. Ausgerechnet um das Thema Bücher geht es da. Ich habe mich zuallererst wirklich sehr gefreut, denn alleine schon der Gedanke an Bücher stimmt mich froh. Gleich danach las ich seine Antworten und es wurde mir spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass es hier einmal mehr um ein Thema geht, welches man nicht erschöpfend beantworten bzw. beschreiben kann. Natürlich werde ich dennoch versuchen authentische Antworten und Gedanken nieder zu schreiben. Los geht’s!

Was wär das Leben ohne lesen …

.. ein Leben ohne Bücher kann und will ich mir einfach nicht vorstellen. Eine Welt ohne Bücher? Keine Reisen im Kopf, keine Ausflüge in PhantasieWelten und ich hätte wohl niemals meinen ersten wirklichen Lieblingsliteraten entdeckt, hätte also niemals Hermann Hesse gelesen. Ich hätte nie Thomas Mann kennenlernen dürfen, hätte auch niemals die grossen amerikanischen Romanciers kennen gelernt, hätte wohl auch weder die »Canterbury Tales« gelesen noch meine Liebe zu den Romanen von Virginia Woolf entdeckt. Ich hätte niemals etwas von Erich Fromm gelesen oder von C.G. Jung. Ich hätte wiederum auch niemals die Bekenntnisse des Aurelius Augustinus gelesen und erfahren. Alleine dieses eine Buch hat mich über lange Zeiten begleitet, ich habe es immer und immer wieder gelesen, habe darüber nachgedacht, habe es studiert. Zeitlich früher habe ich mich für Buddhismus interessiert und insbesondere für Zen. Viel später führte mich meine Neugierde und die reine Lust am Lesen zum Lesen über Sprache (und ihre Wirkung). Ich las Schriften von Umberto Eco, Wilhelm von Humboldt, ich forschte, immer gestützt auf schriftlich fixiertes Wissen aus Büchern, u.a. bei Wilhelm von Ockham. Natürlich ist es pathetisch, wenn ich einige wenige Namen aufzähle und dabei noch nicht einmal annähernd alle Lieblingsautoren und -denker aufzählen kann. Überhaupt muss man attestieren, dass jede Aufzählung Stückwerk bleiben muss. Was wäre also ein Leben ohne Bücher? Es wäre ein Leben in geistiger Armut, es wäre ein Leben ohne Ausflüge im Kopf, ohne Reisen, es wäre ein Leben, welches ohne Freude auskommen müsste. Natürlich ist dies eine These, die durch eine verbale Überhöhung zeigen will, auf was es mir ankommt. Kurz gesagt würde ich ein Leben ohne Bücher einfach nicht führen wollen.

Gebunden oder Taschenbuch?

Das wäre eigentlich eher nebensächlich, denn natürlich geht Inhalt vor Form. Über die Jahre habe ich mich aber auch zu einem Liebhaber von handwerklich hochwertigen Büchern entwickelt. Dabei meine ich allerdings keinesfalls den Einband aus Leder. Mir geht es vielmehr um die Qualität des Papiers, um die verwendeten Ledertypen, um Farbgestaltung, um die Bindung des Buches, es geht darum, on ein Buch beispielsweise auch einen Lesefaden enthält. Einem Buch sieht man an, ob es mit Liebe gemacht wurde oder nicht. Wenn ihr einmal schöne Bücher in meinem Sinne des Wortes in eure Hände nehmen wollt“, dann sucht nach Büchern aus dem Manesse Verlag oder schaut auch die gebundenen Bücher des Wagenbach Verlages an. Trotzdem gibt es auch Bücher, die ich lieber im Taschenbuchformat lese. Als Beispiel nenne ich Krimis ..

Lesezeichen oder Eselsohr?

.. Eselsohren sind mir ein Greuel. Viel besser sind Lesezeichen. Meist verwende ich allerdings einfach kleine weisse Zettel oder es kommt die Quittung des Buches als Lesezeichen zum Einsatz. Besonders schön sind natürlich die schon in Bücher eingearbeiteten Lesefäden ..

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?

Ein extrem heikles Thema. Ich behaupte immer, dass ich ein Ordnungsprinzip habe. Im Ernst, es gibt eine Ordnung. Allerdings fliessen in dieses System Parameter ein, die weitaus komplizierter sind als einfach das chronologische Prinzip oder das alphabetische Prinzip. Aussenstehende Menschen, dazu gehört sogar schon meine Freundin, haben es deshalb eher schwer, mein System vollends zu durchschauen ..

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Ich kann leider einfach nicht alle Bücher behalten. Wegwerfen kann ich Bücher aber auch nicht. Das geht einfach nicht. Bücher sind Kultur, machen Menschen an sich aus (natürlich nicht als einziges Merkmal!), ich kann sie einfach nichtwegwerfen. Wenn ich Bücher aussortiere, dann landen sie meist in unserer örtlichen Bibliothek oder bei Oxfam.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?

.. einen Schutzumschlag gehört für mich zum Buch dazu. Ich nehme ihn meist zum Lesen ab. Wenn das Buche herum liegt oder früher oder später wieder im Regal landet, dann wird es wieder angezogen und bekommt seinen Umschlag also zurück.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?

Siehe oben.

Kurzgeschichten oder Roman?

Egal. Mich muss nur irgendetwas am Buch interessieren.

Harry Potter oder Lemony Snicket?

Ich muss sagen, dass ich manchmal eine Antihaltung einnehme, wenn eine allzu unübersehbare Anzahl von Menschen vollkommen kritiklos dasselbe tun. Bei Harry Potter habe ich mich lange Zeit verweigert. Gleichzeitig war und bin ich neugierig auf die Bücher. Ich habe über die Jahre einiges über die Autorin Joanne K. Rowling gelesen und werde immer neugieriger. Es ist also bald an der Zeit, dass ich mir die Bücher vornehme. Dabei kommt mir zugute, dass dann die Reihe abgeschlossen sein wird. Lemony Snicket kenne ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht.

Aufhören, wenn man müde ist, oder wenn das Kapitel zu Ende ist?

Ich habe für dieses Problem keine Verhaltensregel ..

»Die Nacht war dunkel und stürmisch« oder »Es war einmal«?

Auch an dieser Stelle weise ich darauf hin, dass die Welt zuuuuu viele tolle Bücher hat. Es gibt beispielsweise wunderschöne Dolomitensagen, mit denen ich aufwuchs und die ich auch heute noch mit viel Freude immer mal wieder lese, obwohl ich kein Kind mehr bin.

Kaufen oder leihen?

Ich muss auch beruflich unentwegt viel lesen. Dabei geht es meistens um technische Themen, also sogenannte Fachbücher. Da ich in vielen Fällen die Bücher nur kurz brauche, bin ich zuuu geizig, all diese Bücher zu kaufen. Ich gehe extrem gerne in die Nationalbibliothek nach Frankfurt und erarbeite mir dort Themen. Die DNB ist eine Präsenzbibliothek. Ich kann also keine Bücher mitnehmen. Dafür ist sie extrem gut sortiert, man hat freies WLAN und alle möglichen anderen Annehmlichkeiten. Was will man also mehr? Ich arbeite relativ häufig dort. Wenn ich mich konzentrieren muss, dann ist die DNB neben meinem heimischen Schreibtisch meine erste Adresse. Deshalb kaufe ich beinahe keine Fachbücher oder Fachzeitschriften.
Was das private Lesen angeht, so verhalte ich mich beinahe entgegengesetzt. Ich kaufe beinahe ständig Bücher und habe immer auch einen Vorrat an Bücher und Themen, die es noch zu entdecken gilt. Übrigens: Alleine schon der Blick auf den Stapel ungelesener Bücher hat auf mich beruhigende und erholsame Wirkung ;-) ..

Neu oder gebraucht?

Ich kaufe beinahe ausschliesslich neue Bücher. Nur dann, wenn ein Buch vergriffen ist, mache ich einen kleinen Ausflug nach Bockenheim (Stadtteil in Frankfurt). Dort hat es meine favorisierten Antiquariate.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Meine Kaufentscheidungen verlaufen recht vielfältig. Früher, eigentlich aber durchaus auch noch bis heute, wird mein Interesse an einem Thema oder an einem Autor oder einem Verlag in Gesprächen über Bücher geweckt. Wenn ich bisher auf mein Leseleben zurückblicke, dann gibt es eine unerschöpfliche Quelle, die mich immer wieder neugierig werden lässt, es gibt eine Person, mit der ich wahnsinnig gerne und viel über Bücher spreche. Ich spreche von meinen Vater. Er war es, der meine Liebe zum Lesen geweckt und gefördert hat. Es waren vor allem seine Bücher, die ich zuerst gelesen habe, es waren seine Welten, die ich entdecken durfte und bis heute sind es die Gespräche mit ihm, die mir am meisten Spass machen. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, aber schlussendlich leben wir auch seit Jahren eigenständige Leben. Dennoch bleibt: Er ist immer noch sowas wie mein Mentor ..
Neben den Gesprächen mit meinem Vater gibt es aber natürlich noch andere Quellen. Ich schaue regelmässig die 3sat-Kulturzeit und finde vor allem in Gert Scobel einen eloquenten Moderator, der in der Lage ist, Themen zu setzen. Er kann begeistern, kann Kulturnachrichten äusserst interessant aufbereiten und weckt dabei nicht selten mein Interesse. Für die Fernsehschaffenden sei natürlich auch Dennis Scheck genannt und Elke Heidenreich. Ich lese viel über Literatur und Gesellschaftliches. Als Quellen seien besonders Die Zeit genannt und auch die F.A.Z. (auch wenn man sich im Falle der F.A.Z. doch sehr häufig über weltanschauliche Äusserungen ärgern muss). Natürlich kommt man auch am SPIEGEL nicht vorbei. Und dann wachsen daneben noch einige zusätzliche Quellen im Internet, denen man langsam aber sicher eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht absprechen kann. Diese neuen Quellen will ich aber heute noch nicht nennen, denn sie müssen sich erst noch bewähren ;-) ..

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Ich habe grosse Achtung von Autoren und will auch deren Phantasie nicht beschneiden. Deshalb überlasse ich es dem Autor, welches Ende er für die jeweilige Geschichte wählt.

Morgens, Mittags oder nachts lesen?

Hmm, immer wenn Zeit ist und ich lesen kann (manchmal hat man den Kopf mit anderen Dingen voll).

Einzelband oder Serie?

Unwichtig!

Lieblingsserie?

Das ist schwer, denn man müsste erst definieren, was man mit Serie meint. Ich halte mich mal an die von Raphael gewählte Interpretation. Auch ich finde die Wallander-Reihe recht interessant. Im Krimi-Genre denke ich auch neben vielen anderen namentlich nicht genannten Autoren an Minette Walters, Elizabeth George, P.D.James, Dick Francis und natürlich müssen auch die Montalbano Krimis von Andrea Camilleri unbedingt genannt sein.

Im literarischen Bereich hat es ja eher Themenschwerpunkte als wirklich konkrete Reihen. Denkt man beispielsweise an Uwe Johnson, dann denkt man auch sofort an seine Jahrestage. Man sollte dann aber wohl auch an Das dritte Buch über Achim denken und an Mutmassungen über Jakob.
Generell ist es schwierig, wenn man Namen nennen soll und Titel, denn für jeden genannten Namen müssen beinahe unendlich viele andere Namen weggelassen werden. Und das ist doch sehr sehr schade ..

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?

Hmm, es gibt sooooo viele und sogar Bücher von sehr bekannten Autoren sind vielen Menschen nicht selten nicht geläufig. Aber, ich wage dennoch einen Tipp: Jorge Luis Borges. Die Bibliothek von Babel.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?

Lyrik kommt beim Lesen vielfach zu kurz .. und Humor kommt auch nicht gerade häufig vor. Deshalb: Robert Gernhardt. Im Glück und anderswo.

Welches Buch liest du gegenwärtig?

Salman Rushdie. Des Mauren letzter Seufzer.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

Da halte ich mich jetzt voller Überzeugung zurück. Es gibt einfach so unendlich viele Bücher, die geschrieben wurden. Jedes genannte Buch würde das Licht von den vielen anderen ablenken, die ebenfalls eine Erwähnung verdient hätten. Deshalb: O.N.

Das Stöckchen werfe ich jetzt voller Neugier aber nur im übertragenen Sinne weiter. Wer sich beworfen fühlen sollte, und wer vor allem etwas übrig hat für Bücher, der soll sich die oben benannten Fragen stellen und beantworten. Viel Spaß!

(Dieser Text stammt aus meinem »Blogarchiv«. Er wurde am 1. 5. 2007 erstveröffentlicht.)