Alle Artikel des Monats: Juli 2009

Artikel

Halbvolle oder halbleere Gläser. Flashmobs, Woodstock und das ewige Ringen um eine positivere Sicht auf das Leben

Hinterlasse eine Antwort

Manchmal werden Dinge in einen Kontext gesetzt, für den es normalerweise keinen Kontext gibt. In solchen Momenten können größere Zusammenhänge sichtbar werden. Vor einigen Tagen sah ich »ttt — titel, thesen, temperamente«, das Magazin für Kulturelles in der ARD. Das Thema war 40 Jahre Woodstock. Ich war eigentlich am Durchschalten, blieb bei diesem Thema aber automatisch hängen. Es wurden verschiedene Aspekte des mittlerweile von Mythen glorifizierten Festivals gezeigt und Dieter Moor stellte auf seine ganz eigene Art und Weise einige dieser Mythen richtig. Es wurde u.a. auch gezeigt, dass Woodstock eigentlich nicht in oder bei der Gemeinde Woodstock stattgefunden hat, sondern auf der Wiese eines Bauers in der Nähe der Gemeinde Bethel (im US Bundesstaat New York). Die Gemeinde Woodstock hatte die Veranstaltung verboten. Man hatte Angst vor den Menschenmassen eines Rockkonzertes und verpasste so diese Chance, die sich innerhalb eines Menschenlebens wohl bestenfalls einmal geboten hat.

Flashmob. Chance oder Risiko

In diesen Tagen lese ich auch über den Versuch, einen sogenannten Flashmob in Braunschweig zu organisieren bzw. zu einem solchen Ad-hoc Fest aufzurufen. Die Stadt Braunschweig reagierte in gewisser Weise genauso wie damals die Verantwortlichen von Woodstock. Die Entscheidungsfindungen wurden in beiden Fällen eher von Angst beherrscht. Alle dachten offenbar vor allem an die Risiken. Zugegeben: Woodstock hat die größere Chance verpasst. Braunschweig hat eine Chance verpasst, sich weltoffen darzustellen und gerade den jungen Mitbürgern zu zeigen, dass man ihnen in all ihrer Vielfalt positiv gegenüber steht. Man könnte beinahe sagen: Ein kleiner Verlust für die jungen Leute von Braunschweig (die auch vorher ahnten, dass sie eher geduldet sind als akzeptiert oder sogar gewollt), ein großer Verlust für unsere gesamte Gesellschaft. Schade drum.

Artikel

Bundestagswahl ’09. Die gar nicht so neuen Leiden des Wählers Markus S.

1 Kommentar

Wahlkampf ohne Inhalte. Allmählich bin ich richtig genervt davon, dass mir keine der bislang im Bundestag vertretenen Parteien inhaltliche Vorschläge unterbreitet, wie man mit den Themen der Zeit umgehen soll/kann. Alle lauern auf den ersten wirklichen oder vermeintlichen Fehler des anderen. Beamten-Mikado? Wer sich zuerst bewegt, verliert? Nur im Draufhauen sind alle gut. Natürlich ist in diesen Tagen Ulla Schmidt und die sogenannte Dienstwagen-Affäre ein Thema. Ich versteh nur nicht, was sie falsch gemacht haben soll. Spätestens seit Helmut Schmidt gilt, dass Minister quasi immer im Dienst sind. Eine Urlaubsfahrt ist jetzt also was vollkommen verwerfliches? Ein kurzer Blick auf das Verhalten aller anderen Dienstwagen-Nutzer aus der Politik sollte das angeblich verwerfliche Verhalten von Frau Schmidt stark relativieren. Noch dazu macht es einmal mehr klar, was der Unterschied zwischen Moral und Doppelmoral ist. Man kann sich ansehen, wie Guido Westerwelle sich gegen Schmidts Verhalten ereifert oder sich Claudia Roth vollkommen künstlich echauffiert. Während der letzten Jahre kann ich mich aber dummerweise an keinen Antrag der Bundestagsfraktionen erinnern, die rechtliche Grundlage der Dienstwagennutzung neu regeln zu wollen. Ich denke derweil auch daran, dass in der Privatwirtschaft die Nutzung von Dienstwagen für private Zwecke ein Quasi-Standard ist. Der Kauf von Dienstwagen ist (über die Steuern) staatlich stark subventioniert, denn schliesslich muss jemand der armen notleidenden Auto-Industrie helfen, ihre Wachstumsraten bei den Neuwagenverkäufen zu halten und sogar auszubauen. Niemand regt sich über diese seit Jahren gelebte Praxis auf. Die Kosten dafür sind erheblich und vielleicht könnte eine Erzieherin ja sogar ohne Streik deutlich mehr verdienen, wenn man nur diese eine Quer-Subvention abschaffen täte, um die freien Gelder tatsächlich in das Wohl unserer Jüngsten zu stecken.

Inhalte, die auf der Straße liegen

Aber, zurück zum Wahlkampf. Ich warte mit wachsender Wut im Bauch darauf, dass die Parteien endlich mit Inhalten um unsere Gunst buhlen. Ich warte darauf, dass diskutiert wird, wie eine zukunftsfähige Energiepolitik ausschaut. Wollen wir den Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernenergie oder, wenn wir das nicht wollen, wieso zündelt die CDU immer und immer wieder bei diesem Thema? Spricht da überhaupt noch die CDU oder spricht hier nicht schon vollkommen eineindeutig die Atom-Lobby? Was machen wir mit den angefangenen Arbeitsmarktreformen (Hartz-Gesetzgebung etc.)? Wann kommen die dort längst anfallenden Korrekturen oder sagen die betroffenen Parteien wenigstens offen und ehrlich, dass sie gar keine solidarische Gesellschaft mehr wollen? Gerade jetzt in der Krise liegen so viele Themen auf der Straße. Man müsste sie nur aufheben, diskutieren und Lösungswege vorschlagen. Übrigens wäre es auch eine Wohltat, wenn man erkennen könnte, dass sich die prägenden politischen Lager in Kernthemen auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten. Wieso ist es beispielsweise in Schweden möglich, dass sich eine komplette politische Kaste darauf einigt, dass man wieder in die Atomkraft einsteigt, ohne dass dies zu einem Wahlkampfthema gemacht wird? Hier in Deutschland ist sowas offenbar leider unmöglich. Thema Bildung: Seit mehr als 40 Jahren werden mit den angeblich so verschiedenen Ansätzen zur Schulpolitik Wahlen gewonnen und verloren. Die einzigen, die in dieser Zeit permanent verlieren, sind die jeweiligen Schülergenerationen.

Eine gedankliche Momentaufnahme

Man bemerkt vielleicht, dass der Autor des Beitrages langsam genervt ist davon, dass die Politik ihren Job nicht macht. Da unser Zusammenleben aber nach meinem Eindruck überall und immer kompliziert ist und komplex, komme ich auch nicht umhin, eine kleine Wählerbeschimpfung durchzuführen. Wir alle sind an vielen Stellen faul, ungeduldig und inkonsequent. Wir wählen eine Partei und drohen permanent mit Liebesentzug, wenn diese Partei dann genau das macht, was sie ansagt. Geht jemand strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt an, dann wird die Partei, die diese Neuerungen einführt, noch mitten in der Reform bei den nächsten anstehenden Wahlen abgestraft. Die Einsicht in die Tatsache, dass man auf Dauer nicht mehr Gelder ausgeben kann als man einnimmt, ist gleich Null. Der lange Atem bzw. die Nachhaltigkeit, die wir von der Politik immer so schnell und lauthals fordern, leben wir selber oft genug nicht. Mit einem solchen permanenten Hin- und Her kann aber keine politische Kraft was anfangen und es kann auch kein einziges Problem wirklich gelöst werden. Wenn nun alle laut schreien bzw. beleidigt sind, dann ist der Beitrag gelungen, denn das wäre näherungsweise sowas ähnliches wie eine »gerechte« Analyse ;) ..

Disclaimer

Die von mir angeführten Beispiele »Atomkraft« und »Arbeitsmarktreformen« sollten nicht missinterpretiert werden. Meine eigene Haltung an diesen Stellen ist der eines »NeoCon« diametral entgegengesetzt. Allerdings glaube ich eben auch nicht, dass der Staat (alleine) alles heile machen kann. Mehr dazu vielleicht später in anderen konkreten Beiträgen über diese Themen.

Artikel

Fury In The Slaughterhouse – Every Generation Got Its Owen Disease

Hinterlasse eine Antwort

Manche Band begleitet mich durch mein Leben. Manchmal geschieht es, dass ich eine alte CD wieder zur Hand nehme. Neulich fiel mein Blick auf »Fury In The Slaughterhouse – Every Generation Got Its Own Disease«. Die Musik ist klassische Rockmusik, sie ist schnörkellos, ruhig und ist traurig melancholisch und hat doch nichts von ihrer grossen Intensität eingebüßt. Sie klingt auch, im Gegensatz zur Musik manch anderer Band/Musiker, kein wenig angestaubt oder wie aus einer anderen Zeit. Wie wäre es wohl, wenn Fury nochmal einen neuen Longplayer vorlegen würde? Manchmal machen so »alte Haudegen« ja nochmal Platten und man ist enttäuscht. Manchmal entstehen aber auch abseits vom Schielen auf Chartplätze kleine zeitlose Juwelen. Na, wie isses, werte Furys? Zugehört?