Alle Artikel des Monats: September 2009

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Bundestagswahlen 2009: (M)Ein emotionales Fazit. Quo vadis SPD?

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Der gestrige Wahlsonntag hat mich einiges gelehrt. Die historische Niederlage der SPD hinterlässt mich zumindest kurzfristig in trüber Stimmung und auch durchaus ein wenig mutlos. Ich werde während der kommenden vier Jahre viel zu oft das Gefühl haben, dass wir Zeit verlieren, dass eine Umverteilung (von Steuergeldern) von unten nach oben vonstatten geht und das wichtige Themenfelder überhaupt nicht beackert werden. Seit gestern weiss ich aber auch, dass meine Bindung an die SPD doch noch viel stärker ist, als ich mir dies vorher eingestehen wollte. Das hatte ich nach diversen Enttäuschungen der letzten Monate und Jahre so nicht erwartet.

Die deutsche Sozialdemokratie hat von den Menschen den Auftrag erhalten, sich neu zu finden und aufzustellen. Sie muss wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, muss wieder Positionen vertreten, die es Arbeitern erlaubt, ihrer SPD wieder zu vertrauen. Darüber hinaus glaube ich, dass die SPD dringend daran arbeiten sollte, auch wieder Meinungsführer bei Zukunftsthemen zu werden. Das alles geht aus meiner Sicht aber nur mit glaubwürdigem Personal. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man nun das gesamte bisherige Führungspersonal in die Wüste jagen sollte. Frank-Walter Steinmeier ist sicher kein schlechter Kandidat für den frei gewordenen Posten des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Franz Müntefering erkennt in diesen Tagen sicher selber, dass seine Zeit als SPD-Vorsitzender allmählich zu ende geht. Er sollte meiner Meinung nach die Aufarbeitung der verlorenen Wahl samt Fehleranalyse moderieren. Übrigens wäre es fatal, wenn man ihn jetzt alleine zum Sündenbock machen würde. Das offene Eingestehen von Fehlern in der Vergangenheit würde ein aufrichtiger Anfang sein. Die SPD muss sich im Verlauf der kommenden Wochen auch überlegen, von wem sie sich zukünftig führen lassen will. Einen herausragenden Wunschkandidaten gibt es dabei aus meiner Sicht derzeit nicht. Eine neue Generation sollte mehr Verantwortung übernehmen. Thorsten Schäfer-Gümbel leistet nach desaströsen Zeiten in Hessen derzeit bemerkenswerte Aufbauarbeit. Auch die Bundespartei könnte sich an seinem Stil durchaus was abgucken. Es gibt gutes Personal in der zweiten und dritten Reihe. Es sind dies Gründungsjahre. In dieser Situation sollte man einen nachhaltigen Neuanfang wagen. Man sollte sich dafür aber auch wirklich genug Zeit nehmen und überlegen, welche Themen die Ur-Themen der SPD sind und sollte auf dem Boden dieser Themen erstmal wieder langsam an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Glückauf!

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Gerade entdeckt: (Tobias) Schlegl sucht die Wahrheit

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Tobias Schlegl, der umtriebige Moderator des Satire-Magazins Extra 3 wird Vater und nimmt diese epochale Veränderung in seinem Leben zum Anlass, um sein Leben zu verändern. Schließlich soll es »der kleine Schlegl« (O-Ton des großen Schlegl über den kleinen Schlegl) mal besser haben. Tobias zieht also los und versucht, Antworten auf dringliche Fragen der Zeit zu bekommen. Er erkundigt sich nach erneuerbaren Energien, versucht zu klären, ob alles gut ist, wenn auf unseren Lebensmitteln »Bio« drauf steht und begegnet auf seiner Reise einer Menge Menschen und Meinungen. Für die Suche nach einer lebenswerten Zukunft hat der NDR Tobias Schlegl insgesamt 90 Minuten Sendezeit gegeben. Die Dokumentation ist in zwei appetitliche, 45 Minuten lange, Sendungen zerteilt worden, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Und was hab ich davon, mir das anzugucken?

In der Dokumentation werden wirklich viele große Themen angesprochen und obwohl 90 Minuten Sendezeit viel erscheint, können natürlich in dieser Zeit keine endgültigen Antworten gegeben werden. Man erhält aber durchaus Denkanstöße und immer wieder deutet Toby Schlegl mögliche Antwortansätze an. Da wir alle Individuen sind, muss schlussendlich ohnehin jedermann und jedefrau am Ende eigene Antworten finden.

Fazit

Mich haben die beiden Sendungen in einer Lebensphase angetroffen, in der ich mich mit ziemlich vielen Zweifeln herumschlage. Mitten im Bundestagswahlkampf verliere ich ob der Antwortansätze der Parteien manchmal den Mut. Genau an dieser Stelle kann man die Dokumentation aber auch als Anfangspunkt sehen. Schlegl sagt: Man kann was tun. Man muss einfach nur anfangen. Klaro, das klingt nach einer Binsenweisheit und doch macht es Mut, Dinge einfach ganz konkret anzugehen. Diskutiert ist lange genug worden.

Nachfolgend findet ihr den Link in Richtung der Sendungen. Sie befinden sich auf den Seiten des NDR. Übrigens: In solchen Momenten wird mir bewusst, dass ich sehr gerne Gebühren zahle für ein öffentlich rechtliches Fernsehsystem. Aber, ab zu den Links:

    Schlegl sucht die Wahrheit, Teil 1
    Schlegl sucht die Wahrheit, Teil 2

Viel Spaß beim Anschauen. Es lohnt sich sehr!

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Bundestagswahlen 2009: Der Wahltag rückt näher. Gedanken eines Wählers

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Es fiel mir lange Zeit schwer zu entscheiden, wo ich meine Kreuzchen machen werde. Ich will meine Stimmen so verteilen, dass sie möglichst viel ausrichten. Ich habe es während der letzten Wochen und Monate nicht selten als extrem schwierig empfunden, dabei zu bleiben, denn sowohl die Parteien als auch ihre Spitzenkräfte taten scheinbar alles, um einen Nicht-Wahlkampf zu führen. Inhaltliches musste man mit der Lupe suchen. Beim Studium der Wahlprogramme ertappte ich mich dabei, wie ich Streichlisten führte, welche Forderungen unter den Tisch fallen, wenn nach der Wahl erstmal Koalitionsverhandlungen beginnen. Das dann überhaupt Themen wegfallen ist an sich klar. Schließlich verhandelt man in diesem Fall über einen Kompromiss und es ist nun einmal die Eigenart eines Kompromisses, dass keine Seite sich vollkommen durchsetzt mit ihren Zielen und Inhalten.

Überhaupt: Inhalte herausarbeiten unerwünscht

Inhalte. Das hat mich am meisten und immer wieder neu verärgert. Wenn die Kontrahenten aufeinander trafen, dann wurde diffamiert, es wurden die Inhalte bewusst falsch dargestellt, damit das Gegenüber auch wirklich besonders schlecht aussah. Konstruktiver Streit über Inhalte fand zu keinem Zeitpunkt statt. Dabei wollen die Menschen doch nach meinem Eindruck gerade das von der Politik wissen: Wohin geht die Reise in der Zukunft? Welche Schwerpunkte setzten die Parteien? Die Beantwortung dieser Fragen sollte eigentlich den Kern jedweder Wahlkampfveranstaltung ausmachen. Stattgefunden hat sowas allerdings kaum einmal.

Mein Fazit: Geht wählen! Und sagt so eure Meinung!

Ich gehe trotz dieser gesammelten Grausamkeiten natürlich wählen. Wir haben auch in Deutschland immer wieder dafür kämpfen müssen, dass wir wählen dürfen. In anderen Regionen werden Menschen mit dem Leben bedroht, wenn sie wählen gehen. Ich sehe also die Möglichkeit wählen zu gehen immer noch und trotz diverser falscher Entwicklungen als Privileg an. Meine Entscheidung wen bzw. was ich wähle, ist erst in diesen Tagen gefallen. Trotz großer Enttäuschungen in der Vergangenheit werde ich noch einmal SPD wählen. Die SPD hat mich in den letzten Jahren tatsächlich oft enttäuscht und doch vertritt sie an vielen Stellen aus meiner Sicht richtige Positionen. Es ist mir aktuell zwar kein Bedürfnis, mich zur SPD zu bekennen. Meine Wahl ist vielmehr eine Kopf-Entscheidung und der Tatsache geschuldet, dass ich unbedingt Schwarz-Gelb verhindern will. Das wird schwer genug.