Alle Artikel des Monats: November 2009

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Posterous. Ein Zwischenbericht

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Ich war in Sachen Posterous spät dran und das hatte Gründe. Als ich anfing, via Posterous zu bloggen, habe ich an sich schon sehr sehr wenig gebloggt. Zudem wusste ich nicht genau, wohin mich die Reise in Sachen Bloggen & Co. führen würde. Kurz gesagt, ich war misstrauisch, ob es sinnvoll sein würde, noch eine Baustelle aufzumachen, um die an sich schon wenigen Inhalte ohne Not zu streuen. Schlussendlich hat aber die Neugierde gesiegt und ich begann, via Posterous zu bloggen.

Meine Posterous Geschichte

Ich war schon nach kurzer Zeit begeistert, weil das Bloggen an sich unendlich einfach war. Der Weg zwischen dem Gedanken im Kopf und dem veröffentlichten Artikel war aberwitzig kurz. Sogar ganze Bilder-Reihen konnte man auf simple Art und Weise veröffentlichen. Ich schrieb schnell und für meine Verhältnisse viel. Alles lief prima und ich habe sogar überlegt, ob ich mein normales Blog nicht schliessen soll. Posterous schaffte es sogar, meiner Community wieder etwas näher zu kommen. Posterous war und ist beinahe so direkt wie Twitter in der frühen Phase. Leise Zweifel meldeten sich aber schon nach kurzer Zeit erneut zu Wort: Wie ist mit den veröffentlichten Bildern? Kann ich da weiter bestimmen, was mit ihnen geschehen soll und was nicht? Was ist mit meinen Texten? Es ist nicht so, dass ich sie für unendlich wertvoll halte und auf meinem klassischen Blog habe ich die Texte ja auch unter CC-Lizenz veröffentlicht. Nur: Halten sich Leute daran oder klauen sie einfach Sachen, ohne das ich das überhaupt merke? Also, nochmal: Mir geht es nicht um Geld, mir geht es vor allem darum, dass meine Texte und Bilder nicht für Dinge verwandt werden, die mir nicht Recht sind. Der Aspekt des relativ direkten Kontaktes zur Community war und ist in Posterous aber tatsächlich bis heute immer noch vorhanden.

Mein vorläufiges Fazit

Wo man bei Twitter auf Listen ausgelagert wird oder über andere Wahrnehmungsschwellen klettern muss, um zu seinen Leuten überhaupt noch vorzudringen, bietet Posterous einen recht kurzen »Dienstweg« an. Das bleibt ein Pluspunkt. Dennoch werde ich meinen Posterous Account ersteinmal nicht mehr aktiv weiter nutzen. Ich will meine Schriften und Bilder hier auf meinem eigenen Blog, selbst gehostet, ins Netz stellen. Ich bestimme die Optik, ich bestimme auch alle anderen Parameter im Zusammenhang mit den Inhalten. Es ist einfach »Meins«. Über die letzten Monate habe ich vielen Diensten den Rücken gekehrt. Ich will mein Tun konzentrieren und nicht auf unendlich vielen Plattformen immer nur ein bisschen tun. Und Posterous ist eben auch nur eine weitere Plattform. Ich jage und sammele bei Weitem nicht soviel und brauche daher auch keine ausgeklügelte Logistik für das Sammeln und das Verteilen von Inhalten, Links und Gedöns. Wer andere Ansprüche hat, dem kann Posterous sicher eine extrem effektive und sogar auch noch sympathische Plattform sein. Posterous war und ist ein toller Service. Ich brauche ihn halt derzeit einfach nicht.

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Sechs Seiten

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Lesen ist mein neuer alter kleiner Kurzurlaub. Angeregt durch @miradlo, bei der das B&B in einem Dent stets für »Bett & Buch« steht, habe ich neuerdings auch viel Freude an kurzen Ausflügen in literarische Welten. Ich habe 15 Minuten Luft? Da kann man doch ein paar Seiten lesen. Ich geh‘ abends zu Bett, bin saumüde, will aber trotzdem noch nicht sofort schlafen? Ich lese ein paar Seiten. Nach einer nicht wirklich objektiv ausgewerteten Eigenstudie lese ich ganz häufig nur sechs Seiten. Das ist keine Absicht, es sind tatsächlich häufig zufällig sechs Seiten. Erstaunlich dabei ist, dass dieses für meine Verhältnisse extrem kurze Eintauchen in einen Text dennoch in vielen Fällen ein kurzes Abschalten bringt. Manchmal ist es auch nur eine (willkommene) Unterbrechung des alltäglichen Denkstromes. Das ist neu für mich, dachte ich doch bisher eigentlich, dass man zum Lesen Zeit braucht. Ja, natürlich: Zeit haben bzw. sich Zeit nehmen ist immer noch optimal, wenn es darum geht zu lesen. Trotzdem können diese Sechs-Seiten-Ausflüge in andere Welten extrem effizient sein, um auf andere Gedanken zu kommen. Angefangen habe ich mit dem Lesen von Lyrik. Schon bald habe ich aber festgestellt, dass es durchaus auch funktioniert, sich auf diese Weise einem Roman zu nähern. Prima Sache, das.

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Deutsch-Türkisches Leben in Deutschland. Zusammenleben wäre doch so einfach

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Fast die Hälfte aller in Deutschland lebenden Migranten mit türkischem Hintergrund fühlen sich in Deutschland unerwünscht. Einmal mehr bekommen wir Schwarz auf Weiss, wie schlecht es um die Integration bestellt ist. Dabei spreche ich nicht von Menschen, die sich nicht anpassen wollen. Ich spreche im Gegenteil von Akademikern, die sich gegen alle Vorbehalte durchgesetzt haben und hier, ausgestattet mit einer sehr guten Ausbildung, immer noch in jeden Tag auf offene oder versteckte Anfeindungen stoßen. Ich spreche von Gründern, die viel Geld verdienen und ausgeben und Arbeitsplätze schaffen, die sich aber im Supermarkt allzu oft komischen Blicken ausgesetzt sehen, weil sie anders aussehen. Einer gerade erschienen Studie zufolge planen sogar etwa 42 Prozent dieser Menschen eine Rückkehr in die Türkei.

Gleichzeitig wird immer wieder festgestellt, dass Deutschland kein Einwanderungsland ist und ich frage mich immer und immer wieder: wieso wollen manche Leute eigentlich nicht einsehen, dass Deutschland faktisch schon seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist? Wieso stellen wir uns der Grundsituation nicht postiv und disktutieren und definieren endlich Regeln und Werte, zu denen wir uns bekennen wollen? Wir würden relativ schnell viele neue Zuwanderer bekommen, wir würden an Vielfalt gewinnen, unsere Wirtschaftskraft würde wachsen und ganz nebenbei, würden wir auch wieder mehr Kinder bekommen. Es würde uns allen einfach gut tun.

Grundvoraussetzung ist aus meiner Sicht aber, dass wir uns zu den neuen Deutschen bekennen würden. Wir müssten natürlich zulassen, dass die jungen, neuen Deutschen ihre Andersartigkeit mitbringen dürfen. Wieso wird von Muslimen immer wieder gesprochen als wäre der Islam eine ansteckende Krankheit? Wieso verlangen wir von diesen Menschen, dass sie ihre Herkunft verleugnen und gleichzeitig wird unsere deutsche Gesellschaft immer konservativer und eine bewahrende Haltung wird als positiv angesehen? Wieso schauen wir z.B. Christlich-Orthodoxes Leben als rückständig an und wieso wollen wir überhaupt alle grundsätzlich zu einem christlich geprägten Leben missionieren, was wir oftmals selber nicht leben? Natürlich müssten sich Zuwanderer zu unserer demokratischen Grundordnung bekennen, sie müssten das Grundgesetz nicht in Kauf nehmen, sondern sollten es idealerweise offensiv bejahen. Gleichzeitig sollten wir uns aber das eigene Grundgesetz auch mal wieder anschauen. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass die lautesten Schreihälse selber das eigene Grundgesetz gar nicht kennen.

Ich bin gespannt, wann wir endlich bereit sind dafür das zu tun, was im Ausland an vielen Stellen schon seit Jahrzehnten gelebt wird und was die jeweiligen Gesellschaften häufig nicht nur in einem monetären Sinne reicher gemacht hat. Das Glas könnte nicht nur halbvoll sein, sondern geradezu überlaufen vor neuen Möglichkeiten und Chancen.