Seit dieser Tage die Gerüchte aufgekommen sind, dass sich der chinesische Autohersteller Baic für die GM Tochter Opel interessiert, herrscht an vielen Stellen eine mir vollkommen unverständliche Abwehrhaltung. Ich frage mich, woher die beinahe schon hysterische Ablehnung kommt.

Mal überlegen

General Motors ist zumindest mitverantwortlich, dass Opel seit Jahren das Geld fehlt, um sich zukunftsfähiger zu machen. Es bräuchte einerseits Maßnahmen zur Steigerung der Qualität (sowohl in Richtung Fertigung als vor allem auch zur Modernisierung des Händlernetzes und der Werkstätten). Aus Rüsselsheim kommen immer wieder Autos, die gute Chancen hätten auf erklägliche Marktanteile. Was fehlt sich moderne Antriebe und was auch fehlt sind finanzielle Instrumente, um aggressiv um diese Marktanteile kämpfen zu können. Gleichzeitig kommt aus Richtung GM-Konzernzentrale anstatt zukunftsorientierter Maßnahmenkataloge immer nur neue Sparpläne. Sollte eine Konzernmutter nicht führen anstatt die eigene Tochter nachhaltig auszusaugen? Was wäre die Lösung? Baic will auf den europäischen Markt. Sie wollen dort anfänglich sicher vor allem lernen (wie macht man europäisches Design? Wie fertigt man Automobile mit einer gleichbleibend hochwertigen Qualität? etc.). Sie bringen ihrerseits beinahe unbegrenzte Geldmittel mit und wären, und das ist meine persönliche Einschätzung, bereit dazu, Standorte nicht nur zu erhalten, sondern diese auch gut auszustatten. Natürlich würde man darauf achten, dass diese Standorte konkurrenzfähig sind. Man würde also evtl. den einen oder anderen nicht rentablen Standort schließen, würde andererseits in andere Standorte massiv investieren.

Fragen über Fragen

Wäre das nicht der perfekte Deal für alle Beteiligten? Mitarbeiter hätten einen weitaus sicheren und zukunftsfähigeren Arbeitsplatz als jetzt und würden aus der dann chinesischen Konzernzentrale auch mal was anderes hören als immer nur Sparvorgaben und geradezu schwachsinnige Wachstumsforderungen. Für mich klingt das so, als sollte man diese Möglichkeiten unbedingt komplett und sorgfältig durchdenken. Jedenfalls finde ich, dass es man sich nicht leisten sollte, länger Fracksausen zu bekommen, weil die bösen Chinesen vor der Tür stehen. Oder ist es gar besser, ehrenvoll zu krepieren? Ja, stimmt, der werte Leser denkt richtig: Ich bin genervt davon, dass nicht sachliche Argumente abgewogen werden, wenn es um Wirtschaftspolitik geht und China ins Spiel kommt, sondern dass regelmäßig vollkommen irrationale Argumentationslinien (sind das eigentlich wirklich Argumente, die da kommen?) angeboten werden.