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Plus und minus. Eine Antwort ..

5 Kommentare

Gestern las ich vom Plus und minus. Und ich habe mich geärgert. Das gebe ich zu. Jürgen schreibt einmal mehr über die Blogosphäre. Schon beim ersten Lesen seines Textes frage ich mich — wie stets, wenn dieser Begriff fällt: wer ist diese Blogosphäre? Ich bewege mich nun seit Jahren zwischen Bloggern, Microbloggern und Sympathisanten eines nicht statischen Netzes. Immer, wenn mich jemand bittet, diese Szene zu charakterisieren, dann gerate ich quasi automatisch ins Stottern. Und ich bin nicht aufs Maul gefallen, normalerweise. Ich kann kleinere Einheiten beschreiben. Ich kann manches sagen über Programmierer und ich kann ebenso manches sagen über (Web)Designer und ich kann was sagen zu Netzaktivisten. Obwohl es da schon schwierig wird. Überhaupt: alles was ich beschreiben kann sind persönliche Eindrücke und Momentaufnahmen. Ich betone stets, dass es die Szene nicht gibt. Oder gibt es die Ärzte oder die Anwälte oder die Künstler oder die Politiker oder die Landwirte oder die Ingenieure oder die Arbeitslosen? Es gibt dann also auch die Deutschen? Nein, ich glaube nicht an solche Pauschalisierungen. Was es schon gibt sind Grundeigenschaften, die beispielsweise auf viele Blogger zutreffen. Allerdings werden auch diese scheinbar verallgemeinerbaren Eigenschaften immer weniger. Das hat nach meinem Eindruck damit zu tun, dass sich die gesamte Online-Szene jetzt schon seit zwei drei Jahren auseinander bewegt. Fragmentierung macht sich breit. Die Zersplitterung kommt aber aus meiner Sicht genau daher, dass nach einigen Jahren, in denen Gemeinsamkeiten prägend wirkten nun viele Blogger, Aktivisten und ehemalige Bewohner der Web 2.0 Welt sich klarmachen, dass sie mit dem Blogger nebenan herzlich wenig gemein haben. Man grenzt sich ab. Aus meiner Sicht wird das derzeit stark übertrieben und schadet einer positiven Entwicklung.

Von Möchte-Gern-Bloggern und Überzeugungstätern

Wenn ich an echte Blogger denke und andererseits daran, was ich vor allem in den letzten zwei drei Jahren so alles lesen musste, dann glaube ich schon, dass es eine Konsolidierung braucht. Und diese findet ja auch statt. Manche, die sich Blogger schimpfen, waren offenbar nur auf Jobsuche. Andere schreiben und veröffentlichen. Es entstehen teilweise tolle Texte und wenn man die Autoren dann Blogger nennt, gucken sie Dich ganz erschrocken an, weil sie sich selber noch gar keine Gedanken darüber gemacht haben, was sie sind, was sie sein wollen und auch nicht, was sie nicht sein wollen. Sie nutzen die Möglichkeit, Gedanken zu formulieren und Texte zu veröffentlichen. Sie probieren sich aus. Und die anderen sind ganz schnell dabei, die Ergebnisse des Probierens in Schubladen zu stecken. Klar, es gibt auch die anderen, die schon PR für sich machen noch bevor sie auch nur eine einzige Zeile geschrieben haben. Aber, mal im Ernst: Gibt es diese Leute nicht überall? Und gab es die nicht auch schon immer? Es wäre wahrlich zuviel der Ehre, wenn man meinte, diesen Typus Mensch hätte die Netzwelt erfunden und solche Leute gäbe es erst, seit das Netz laufen kann.

Der kleine Disclaimer

Ich schätze Jürgens Haltungen, über die ich in seinem Blog regelmäßig und sehr gerne lese, sehr. Einzig beim Thema Netz/Blogosphäre sehe ich einige Dinge anders. Zu viel Gespräche mit zu vielen vollkommen unterschiedlichen Leuten und viele viele nicht uniforme Eindrücke von Netzmenschen machen für mich ganz eineindeutig, dass es eine auch nur halbwegs einheitliche Netz-Gemeinschaft nicht gibt.

Im nächsten Beitrag zur Artikelserie Plus und minus. Eine Antwort .. schreibe ich über Parallelgesellschaften und das Netz.

Veröffentlicht von

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

5 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung zum Thema „digitale Parallelgesellschafen“. Schlage allerdings vor, das erwähnte Interview mit Sherry Turkle mit einzubeziehen und auch auf das eigentliche Anliegen meines Beitrags einzugehen. Was da derzeit abläuft, verwischt die Grenzen zwischen den Bloggern unterschiedlichster Couleur zunehmend, und wer sich nicht distanziert, macht mit. Im übrigen: Sehr herzlichen Dank für die Blumen. ;-)

  2. Ich werde eingehen auf Sherry Turkle. Da ich aber denke, dass man einfach weiter ausholen muss, bin ich im ersten Teil ohne eine Erwähnung aus gekommen. :)

    Ohnehin geht es mir ja nicht um eine Online-Schlägerei. Vielmehr möchte ich andere Gesichtspunkte einbringen und eigene Erfahrungen der letzten Jahre. Zu den Blumen: ich mache grundsätzlich keine Geschenke, weil es sich so gehört. Insofern sind es echte Blumen .. ;-)

  3. Hallo Markus!
    Du hast ja einen Google+Account. Hättest Du noch eine Einladung für mich übrig?
    Gruß, Steffen

  4. Hallo Steffen, anders als bei anderen neuen Services kann man nicht einfach Leute einladen. Oder anders: man kann Leute einladen, aber es geht nicht automatisch durch. Ich hab Dir eine Einladung zukommen lassen und kann nur hoffen, dass es für Dich funktioniert. Teilweise bekommen die Leute dann aber auch eine Email, die vertröstet. Ich drücke Dir die Daumen. Kannst ja mal Feedback geben, ob es geklappt hat .. :-)

  5. @Steffen Nachtrag: Ich bilde mir ein gestern gelesen zu haben, dass Google+ derweil offen ist. Wenn man auf die Google+ Website geht, dann schaut das so aus, als könne man sich dort ganz normal mittels eines Google-Kontos (will sagen mittels einer Google-Mailadresse) anmelden. :-)

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