Ein neues Ubuntu bringt immer neue Entdeckungen. Und gerade seit dem Umstieg auf die Unity-Oberfläche wird Ubuntu quasi neu erfunden. Oder besser: Die Art und Weise, wie man seine Oberfläche bedient und einstellen kann, wird neu erfunden und auch unter der Motorhaube ändert sich viel.

Stühle rücken und manches Neue

Wer sich Ubuntu Natty Narwhal anschaut und nun einen Blick auf Ubuntu Oneiric Ocelot wirft versteht schnell, dass Natty der Anfang eines Überganges war, der nun mit Oneiric Ocelot weitergeführt wird. Die Basis GTK+ Version 3 wird jetzt konsequenter eingesetzt und das Ubuntu Team nutzt auch gleich die Gelegenheit, um an der Usability zu schrauben. Da sind viele kleine und große Veränderungen. Die Systemeinstellungen findet man jetzt an leicht anderer Stelle und inhaltlich sind sie quasi neu erfunden worden. Wer Gnome 3 kennt, dem fällt sofort die Ähnlichkeit auf. Auch hier lässt GTK+ Version 3 grüßen. Im Ergebnis gibt es aktuell weniger Möglichkeiten, den Deskop einzustellen. Am Beispiel Fedora 15 und Gnome 3 kann man aber sehen, wie schnell kleine neue Tools erscheinen, um die Lücken auszufüllen. Was mir sehr gefällt ist, dass man allmählich „den großen Plan“ erkennen kann, der hinter dem Umbau des Desktops steckt. In der Ubuntu-Gemeinde wird beispielsweise der alten Notification-Area mehr als ein paar Tränen hinterher geweint. Mittlerweile befinden sich viele Benachrichtungen direkt in die Unity-Leiste integriert und erreichen den Nutzer damit ohne jeden Klick und also noch direkter als zu Zeiten des guten alten Notification-Area.

Ein weiterer großer Schritt ist aus meiner Sicht auch, dass mit Ubuntu 11.10 (Oneiric Ocelot) Synaptic nicht mehr Teil der Standardinstallation ist. Man hat das Software-Center umgbebaut und einer Frischzellenkur unterzogen. Dieser Schritt war notwendig. Als langjähriger Anhänger von Synaptic hätte ich mich aber dennoch darüber gefreut, wenn dieser sehr nützliche Paket-Manager Teil der Stadardinstallation geblieben wäre. Aber, man kann sich das Paket leicht via Software-Center nachinstallieren. Mit Ubuntu 11.10 wurde auch Thunderbird der neue Standard-Email-Client. Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema. Evolution hatte sich über viele Jahre einer großen Beliebtheit erfreut und eine entsprechend große Fangemeinde. Gleichzeitig gab ich immer wieder Stimmen, die einen Nur-Email-Client bevorzugen und nicht eine quasi zwangsweise Installation einer integrierten Lösung für Mails, Termine und Aufgaben. Thunderbird integiert sich schon jetzt sehr fein in das System. Auch hier finden sich stets die aktuelle Anzahl neuer Mails direkt sichtbar in der Unity-Leiste.

Zwischenfazit

Aktuell wird von der Ubuntu-Community die erste Beta für Ubuntu 11.10 (Oneiric Ocelot) angeboten. Ich nutze diese praktisch seit dem ersten Tag. Vor Unity hatte ich mich daran gewöhnt, dass sich oft schon Alpha-Versionen als stabil genug erwiesen, um in Arbeitsumgebungen eingesetzt zu werden. Der oben erwähnte Wechsel auf GTK+ Version 3 macht es nötig, viele Sachen neu zu erfinden. Offenbar bringt das mit sich, dass Vorabversionen eines neuen Ubuntu tatsächlich wieder eher „Testversionen“ sind und somit ein wenig instabil daher kommen. Damit muss man wohl vorerst leben, denke ich. Was den Unity-Desktop angeht, so entdecke ich allmählich seine Vorteile. Die Optik an sich ist Geschmackssache. Ich werde ihm aber sicher auch weiterhin eine Chance geben, denn er weiß durchaus zu gefallen.