Joachim Gauck

Joachim Gauck soll es also werden. Und jetzt, im Nachhinein, wird auch klar, wieso es Sinn macht, dass man Die Linke nicht eingeladen hat zu den Gesprächen um einen gemeinsamen Bundespräsidentenkandidaten zu finden. Echtes Zusammenrücken war nie vorgesehen. Vielmehr bleibt man sich treu und lädt kleingeistig nur diejenigen ein, von denen man noch etwas will oder bei denen Zustimmung quasi garantiert ist. TV-Soaps sind im Vergleich zu diesem Schmierentheater gelebte Hochkultur.

Gauck früher und heute

Persönlich hätte ich es besser gefunden, wenn Klaus Töpfer vorgeschlagen worden wäre. Auch Petra Roth wäre aus meiner Sicht wählbar gewesen. Das sind nur zwei mögliche Kandidaten. Joachim Gauck zeigte gerade während der letzten Monate deutlich, dass er nicht mein Präsident wird. Ja, er kann Reden halten und ja, er wirkte manchmal durchaus charismatisch, früher. Zuletzt sah ich kein Charisma, sondern eine eigentümliche Mischung aus Hochmut und Selbstverliebtheit. Und wenn ich mir dann noch seine Aussagen zur Occupy-Bewegung und zu Thilo Sarrazins Buch vom sich abschaffenden Deutschland vor Augen halte, dann kann ich nur zu dem Ergebnis kommen, dass er schlicht ungeeignet ist, um Bundespräsident zu werden. Ich wünsche mir stattdessen einen Präsidenten, der tatsächlich und nicht nur auf dem Rednerpult ein Präsident für alle ist. Da aber hat sich Gauck quasi selbst abgeschossen. Fazit? Joachim Gauck ist noch nicht einmal ein Präsident für die Gegenwart und er ist erst Recht kein Präsident, der einen Weg weisen kann in Richtung Zukunft. He is not my president.

Veröffentlicht von

Markus

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

7 Gedanken zu „Joachim Gauck“

  1. Volle Zustimmung! Vor allem zu der Passage „Hochmut und Selbstverliebtheit“.
    Damals, ganz am Anfang, als er mal als Kandidat genannt worden war, war ich auch kurz auf das vermeintliche „Charisma“ reingefallen – bis ich mich dann etwas näher mit seinen Standpunkten befasste….

    – aber Claudia Roth? Nicht doch!!!

  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar. :-)

    Was nun die beiden genannten Kandidaten angeht, so habe ich absichtlich zwei Namen genannt, die für das derzeit regierende bürgerliche Lager hinnehmbar wären. Das sind also nicht unbedingt meine Kandidaten. Es ist nicht wichtig, wen ich da oben sehen wollen würde. Wichtig ist, dass es jemand ist, der etwas bewegen kann. Wir brauchen Denkanstösse und ich glaube, dass beispielsweise Töpfer diese mit der Erfahrung aus seinem UN-Posten geben könnte. Bei Claudia Roth habe ich mich vertan.

    Ich meinte natürlich Petra Roth. Da hatte ich beim Schreiben wohl noch nicht genug Kaffee getrunken. ;-)

  3. Hm, ich habe den #notmypresident-Storm auf Twitter mitverfolgt. Und bislang haben sich viele überschlagen damit zu sagen, wogegen oder wofür denn Gauck sei und deswegen #notmypresident sei. Ich konnte das nicht nachvollziehen, da entweder die Quellen dafür nicht genannt wurden oder in die Quellen unvollständig waren. Deswegen habe ich mir noch kein abschließendes Urteil darüber erlaubt, wofür oder wogegen Gauck ist.

    Eine gute Sicht auf den #notmypresident-Storm mit Denkanstößen liefert u.a. Cicero (Wie das Netz den bösen Gauck erfand): http://www.cicero.de/berliner-republik/wie-das-netz-den-boesen-gauck-erfand/48369

    Dadurch sehe ich ein differenzierteres Bild als das mit Wut und Hashtag versehene 140-Zeichen-Statements vermitteln. Diese Aussagen zur Occupy-Bewegung und zu Thilo Sarrazins Buch klingen anders und differenzierter als das, was in den ersten Stunden losbrach.

    Besonders enttäuschend fand ich da einige Twitteratis, die sich gerne mit dem Label „Journalist“ versehen lassen, und die einen aus dem Zusammenhang gezogenen Satz oder ein Foto ohne Kontext als abschließenden Beleg für die Geisteshaltung Gaucks zementieren wollten.

    P.S. Hier ist sind die Links zum Interview mit Gauck in der SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-mutige-politiker-ziehe-ich-vor-1.1006223
    http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-warum-ueberlassen-wir-den-stolz-den-bekloppten-1.1006716

  4. Vielen Dank für die Links, Frank. Ich kenne die Artikel und die Interviews, alle. Ich beobachte Gauck nicht erst seit einigen Tagen. Und ich achte auf ihn auch nicht erst seit seiner ersten Kandidatur. Ich glaube einfach, dass es Kandidaten gäbe, die mehr in Richtung Zukunft oder zumindest Gegenwart ausgerichtet wären. Eine bürgerliche Variante wäre u.a. besagter Klaus Töpfer. Mit seinen Erfahrungen aus seiner UN-Zeit kann er uns dabei helfen, die Dinge mal mit anderen Augen zu sehen. Aber, er ist nur eine mögliche Alternative.

    Gleich, ich denke in einigen Minuten, werde ich einen zweiten Artikel veröffentlichen zum Thema. Da wird vieles klarer werden, hoffe ich. ;-)

  5. Aha, ja, PETRA Roth… ja, da könnte man drüber reden… ;)
    (aber da müsste man sich noch informieren, wofür sie steht. Kenne sie nur als Frankfurts Oberbürgermeisterin – und erlebte sich auch schon mal recht arrogant… aber, naja, vielleicht hatte sie einen schlechten Tag..)

    Klaus Töpfer wär wohl auch mein Favorit gewesen… !
    Der ist nicht doof, kennt sich auch international gut aus, interessiert sich für das Umweltthema und kommt mir insgesamt eher nachdenklich vor…
    (eben nicht so eklig selbstgerecht)

  6. @redlope Bei Petra Roth wäre es eher die Variante „Elder Stateswoman“. Prägende eigene Themen sehe ich da nicht. Andererseits hat sie jahrelang mit den Grünen zusammengearbeitet. Da wäre also gerade aus bürgerlicher Sicht eine „Zukunftsoption“. Zum Thema Arroganz: sie ist gebürtige Bremerin und überzeugtes Nordlicht, hat also einen eher herben Charme. Verwechsel das nicht mit Arroganz (nur mal so als Tipp).

    Klaus Töpfer: Er könnte tatsächlich neue Sichtweisen ermöglichen und helfen, diesen überkommenen deutschen Blick zu erweitern.

    Aber, das alles ist ja jetzt Makulatur. Gauck wirds und das wars wohl. :(

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