Sie hat längst begonnen, die schauderliche Zeit des Wahlkampfes. Noch hässlicher als ohnehin schon wird es, wenn einem interne Papiere von Parteien unter die Augen kommen. Seltsame Dinge gehen da in diesen Tagen vor sich. Ich lese alte neue Begrifflichkeiten. Manche wirken im Kontext geradezu komisch, andere jagen mir Schauer über den Rücken. Wenn es da zum Beispiel um den Markenkern einer Partei geht, dann wird mir jedes Mal aufs Neue schlecht.

Glaubwürdigkeit, Werte und eine Haltung wäre, was ich mir wünschen würde. Vor allem würde ich mir wünschen, dass sich sowohl Kandidaten als auch ihre Parteien auf den langen und zugegeben mühsamen Weg machen, um sich diese Charakterisierungen zu verdienen. Aber, man geht lieber die Abkürzung, lässt sich beraten und glaubt viel zu oft denen, die einen einfachen Weg vorschlagen. Wie kann ich für den Wähler glaubwürdig wirken (auch ohne es zu sein)? In diesem Kontext packen PR-Strategen und Berater einen Ausdruck aus, der schon beinahe vergessen schien. Ich lese in diesen Tagen wieder überraschend häufig von der sozialen Marktwirtschaft. Aber, liebe Leute, seid auf der Hut, dass man euch nicht einlullt mit alten neuen Begrifflichkeiten. Allzu oft finden sich hinter diesen schönen Wörtern keine entsprechenden Inhalte. Dabei wäre es doch allerhöchste Zeit, um sich auf einen anderen Weg zu machen, einen besseren und solidarischeren Weg. Aber dieser Weg ist nicht einfach zu gehen und beim Beschreiten dieses Weges sind Begrifflichkeiten wie der Markenkern vollends entbehrlich. Noch entbehrlicher sind Menschen und Parteien, die glauben, man könne ohne Schmerzen, Verlust und Anstrengung ans Ziel kommen. Fast zufällig denke ich an den Rattenfänger von Hameln. Komische Assoziation, die ich da habe, oder?