Stell Dir vor, der Wahlkampf ist vorbei und keiner bemerkt das

Der Tag danach war schwer, sehr schwer. Überraschenderweise hatte das bei mir kaum etwas mit dem Wahlergebnis zu tun. Dieses konnte man, wenigstens teilweise, ja so erwarten. Was ich wollte war/ist Nachberichterstattung zur Bundestagswahl und erste Analysen. Natürlich sah ich mich auch bei Twitter, Status.net & Co. um und hatte sehr schnell genug. Ich habe alles abgeschaltet und mich auf mein Arbeiten konzentriert. Der Wahlkampf ist vorbei. Viele im Netz aber auch bei den Journalisten und den Politikern haben das offenbar noch nicht bemerkt. Was es nun bräuchte ist Einordnung der Situation und dann Lösungsansätze. Was es dafür natürlich auch geben sollte, sind fundierte Analysen. Ich finde nichts, was dem auch nur nahe kommt. Stattdessen hat wohl sofort nach dem Wahlkampf der Wettbewerb und den coolsten Spruch begonnen, nahtlos. Viel Häme, wenig Substanz. Und dumme Sprüche haben, gerade bei Twitter, Facebook, Google+, Status.net & Co., wohl auch gerade Hochkonjunktur. Was fehlt? Seriosität. Ernsthafter Wille zur Analyse und bei den Journalisten/Bloggern auch der freie Blick auf die Situation. Ich will Analyse und nicht die Vorurteile und das Weltbild des Journalisten/Bloggers. Aber, da erwarte ich wohl zu viel.

Veröffentlicht von

Markus

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

6 Gedanken zu „Stell Dir vor, der Wahlkampf ist vorbei und keiner bemerkt das“

  1. Nunja, man ist wohl allenthalben etwas ratlos. Ich bin mir sicher, dass wir uns nun noch mehr anstrengen müssen, um die Dinge umzusetzen, die wir möchten. Und welche das sind, daran hat die Wahl nichts geändert, nichwa.

    Wohlan denn, ans Werk!

  2. Es mag sein, dass die politischen Akteure etwas ratlos sind, also zumindest diejenigen, die es nicht so mit dem Nachdenken haben. Dass die FDP aus dem Parlament fallen könnte, dass hätte ich zwar selber nicht gedacht, aber ganz unmöglich schien es ja nun wirklich nicht zu sein. Spätestens mit dem Wahlergebnis der Bayern-Wahl hätte man mal durchspielen können, was denn nun so passiert in einem Parlament ohne FDP. Und ich bin sicher, dass das die vorausschauenden Leute innerhalb der Parteien getan haben. Soweit zu den „Aktiven“.

    Was ich aber mit meinem Artikel vor allem meinte ist die Reaktion unter den Wählern und auch die Reaktion der Journalisten, Blogger und all derjenigen, die sich im Netz oder in einer Fernsehanstalt herum treiben oder die per Blog oder Zeitungsartikel sich öffentlich äußern. Da wird tonnenweise Häme ausgeschüttet. Politisch höre oder lese ich dagegen nichts Nennenswertes. Sind denn da nur noch Hyänen unterwegs, denen es um den dümmsten Spruch der Woche geht? Gibt es niemandem mehr, der was mit Mehrwert zu sagen hätte? Hackt man immerzu auf einem ganz bestimmten Politik-Stil herum, um dann bei der ersten Gelegenheit das Niveau selbsttätig und vollkommen ohne Not noch um hunderte von Metern unterhalb des Meeresspiegels fest zu zurren? Am Montag ging es mir schlecht und als ich so in mich herein horchte woran das liegt, habe ich überrascht festgestellt, dass es nur zum verhältnismäßig geringen Anteil am Wahlergebnis lag. Das ist ganz sicher auch nicht gerade so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber ich hatte es immerhin in etwa so erwartet. Das starke Abschneiden der AfD hat mich etwas überrascht und auch, dass die FDP es am Ende wirklich nicht geschafft hat (wobei natürlich das Eine das Andere ein Stück weit bedingt). Das starke Ergebnis der CDU war genauso wenig überraschend wie das Ergebnis der SPD. Dass sich die Grünen in einem Abwärtstrend befinden, den sie sich redlich verdient haben, kam jetzt auch nicht wie „Kai aus der Kiste“.

    Nein, mir geht es um den Stil der Auseinandersetzung und mir ginge es auch darum, dass irgendjemand mal etwas anbietet, was es wert ist, sich damit zu beschäftigen. Es gibt den ein oder anderen Blogbeitrag und den ein oder anderen Zeitungsartikel, aber sonst schaut das alles, angefangen von den Formen und dem Äußerlichen bis hin zum Kern der Sache nicht nur wenig, was man sich antun könnte, sondern es gibt darüber hinaus auch noch eine Häme, die zwar stets auf Ablaus achtet, darüber hinaus aber vollends inhaltsentleert ist. Wie können wir uns da wundern, wie so ein Wahlergebnis zustande kommt? Wie können wir uns darüber wundern, weshalb wir da stehen wo wir stehen?

  3. Eine durchaus gerechtfertigte Kritik. Allerdings, die inhaltsentleerte Oberflächlichkeit grassiert nach meinem Empfinden schon länger. Alles was man da tun kann ist zu versuchen, mit Inhalten gegenzusteuern.

    Was ich dabei erschreckend finde ist: Ich habe den Eindruck, dass man sich mit Inhalten nicht mehr auseinandersetzt. Man konsumiert oder ignoriert sie je nach Gusto. Auseinandersetzung, Reflexion, Kritik und – bewahre – eine eigene Position sind eher Fehlanzeige.

    Eine Folge von Facebook-Verflachung? Das Internet erzieht seine Nutzer zu stillen Konsumenten? Ich weiss es nicht.

  4. Ich kann all das unterschreiben, was Du da sagst. Es spricht mir aus der Seele. Auch daher kommt meine Entrüstung. Die Leute haben einen Eindruck von etwas und nehmen den für voll. Da wird nicht mehr reflektiert und wenn es sich um ein Thema handelt, von dem man nichts weiß, dann schreckt das offenbar so stark ab, dass man sich lieber erst gar nicht damit auseinandersetzt. Wie Du sagst: es hilft nur, dagegen zu halten oder, wenn man spürt, dass das Gegenüber offen ist, ein wenig dafür zu arbeiten, dass derjenige begreift, dass es erstrebenswert ist, wenn man sich eigene Positionen erarbeiten kann. Selbst Denken macht Dich unabhängig(er).

    Was die „Facebook-Verflachung“ angeht, so bin ich misstrauisch. Es mag sein, dass das Häppchen-Internet dabei eine Rolle spielt. Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass ich schon in den 1990er Jahren davon gelesen habe, dass „Programminhalte für Zuschauer zu komplex sind“ (z.B. im Rahmen von „Sender-Reformen“, beim HR). Man habe Angst, „den Hörer mit zu viel Anspruch zu vergraulen“. Dies spricht dafür, dass das Problem schon vor dem Netz anfing. Dass das Netz es befördert, dass Menschen sich nur noch kurze Konzentrationsphasen leisten können, weil sie es gar nicht mehr gewohnt sind, am Stück an einer Sache zu arbeiten, würde ich unterschreiben. Obwohl der Begriff des Multitasking (z.B. bei Arbeitsprozessen) auch älter ist als unser modernes Internet.Vielleicht ist es am Ende auch gar nicht so wichtig, ob zuerst das Huhn da war oder die Henne. Wichtig ist, dass man erkennt, dass dieser Effekt, der aus einem Teil „Nicht-Wollen“ besteht, durchaus aber auch aus einem Anteil „Gar-Nicht-Mehr-Können“, dass man diesen Effekt im Sinne des einzelnen Menschen und des in einer Gesellschaft lebenden Menschen, zurückdrehen muss. Finde ich.

  5. Ja, finde ich auch. Das fällt m.E. unter das oft gebrauchte Schalgwort „Entschleunigung“. Der Mensch ist im Begriff sich selbst zu überholen, zu überfordern bzw. hat das z.T. bereits getan.

    Es gilt neue „Filter“ auszubilden, die es erleichtern, das Wesentliche zu erkennen und sich darauf zu konzentrieren. Der einfachste Filter hierbei: Einen Schritt zurücktreten, auf den eigenen Kopf hören und zu gebotener Zeit handeln.

  6. In vielen Bereichen sehe ich, dass man bei dem Versuch, immer schneller zu arbeiten bzw. Arbeitsergebnisse zu bekommen, vor allem hektischer wird. Dabei hat doch Aktionismus und Hektik nichts zu tun mit einer effektiven (und damit möglichst schnellen) Arbeitsweise. Aber, Aktionismus ist akzeptiert. Wenn man dagegen eintritt und sagt, dass es sich lohnt, gerade bei komplexen Prozessen erst mal ein wenig Zeit darauf zu verwenden, sich eine systematische Herangehensweise zu überlegen, so gerät man heute schon oft in den Verdacht, lahm zu sein und unmodern. Wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist, werden die systematischen Fehler, namentlich das Sofort-Losgehen ohne überlegt zu haben, ob die geplanten Schritte am Ende überhaupt zum Ziel führen, weder benannt noch für die Zukunft vermieden. Beim nächsten Mal rennt man wieder gegen dieselbe Wand. Die Kosten, die da verbrannt werden, finden sich selten bis nie in Kalkulationen über Kosten & Nutzen. Auch im politischen Umfeld wünschte ich mir, dass wir mal eine Diskussion führen würden, wohin wir eigentlich wollen. Diese Diskussion wird aber nicht geführt. Teilweise liegt das daran, dass manche Gruppen eine solche Diskussion bzw. deren Ergebnisse fürchten (was würde nur passieren, wenn wir herausfinden würden, dass „Wachstum, Wachstum Wachstum“ gar nicht mehr erstrebenswert ist?), anderen ist nicht klar, wieviel Blindleistung da erzeugt wird und wie uneffektiv unser Zusammenleben wirklich organisiert ist bzw. verläuft.

    Wie wohltuend und erfolgreich wäre es, wenn man sich auf das Wesentliche Konzenrieren würde! Aber, dazu muss man wissen, was man für sich als wesentlich empfindet. Eh klar .. ;-)

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