Zugfahrten, auch wenn es sich in meinem Fall aktuell meist um kurze Fahrten handelt, geben Dir immer die Möglichkeit zu beobachten. Mir geschieht das beinahe zwangsläufig. Neulich auf der Heimfahrt saß einige Reihen vor mir eine junge Frau, mit InEars in der Hand und ihrem Smartphone und einer riesigen Shopper-Tasche zwischen den Füßen auf dem Boden. Nach einigen Minuten dreht sie den Kopf und sah mich aus tiefschwarzen Augen für den Bruchteil einer Sekunde an, um sich dann gleich wieder in Fahrtrichtung abzuwenden. Kurze Zeit später kam unsere Zugbegleiterin, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Die meisten Leute in diesem Zug sind Pendler, die tagtäglich fahren. Man kennt sich. Als die Zugbegleiterin auf die Höhe der jungen Frau kam, zückte diese wie alle anderen auch ihre in einer Plastikhülle gesteckte Zeitkarte, auf der Rückseite ein deutscher Personalausweis. Ich musste lachen, weil ich zuerst überrascht war. Wieso war ich so überrascht, dass jemand mit schwarzem Haar und ebenso schwarzen Augen und einem südländischem Teint einen deutschen Pass hat? Plötzlich war ich ein wenig ärgerlich über meine eigene Voreingenommenheit. Ich musste beinahe gleichzeitig an den Spitznamen denken, den wir angeblich echten Deutsche von den angeblich nicht so echten Deutschen oft bekommen: wir sind Kartoffeln. Wie passend. Wie passend auch, dass uns doch meist die neuen, noch jungen Kartoffeln am besten schmecken. Es ist endlich an der Zeit, diese frischen neuen Denkweisen, Ideen und Werte zu wertschätzen und auch zu übernehmen. Integration ist keine Einbahnstraße und wir können alle Ideen, alle Farben, alle Meinungen und Gedanken und auch alle Unterschiede brauchen, um auch für unsere Zukunft gerüstet zu sein. Vielfalt immer besser als Einfalt.