Artikelformat

Weiterschreiben?

8 Kommentare

In dieser Woche lenkte jemand meine Aufmerksamkeit auf die Schreibtira.de. Ich denke seither über diese Seite nach. Ich denke darüber nach, was sie war lange bevor sie Schreibtira.de hieß. Ich denke über die Inhalte nach, von denen ich die allermeisten schon seit langer Zeit depubliziert habe. Als Begründung für das Herunternehmen vom Netz dachte ich anfangs an technische Gründe. Danach wurde ich auf Inhaltliches aufmerksam, dass man hätte aktualisieren müssen und irgendwann nahm ich auch noch einiges andere aus dem Netz. Jetzt sah ich wieder hierher und was ich jetzt sehe ist ein Fragment. Es ist ein Fragment, von dem nur Banales übrig blieb. Ich denke darüber nach, das komplette Blog aus dem Netz zu nehmen.

Ich denke viel nach, komme aber oft zu der Überzeugung, dass ich an sich nicht mehr das Bedürfnis habe, meine Gedanken auszubreiten. Ich schrieb noch niemals nur über ein einziges Thema. Die Seite jetzt mit einem neuen Geist auszustatten wäre sicherlich sinnvoll. Was fehlt ist eben dieser neue Geist. Da sind viele Gedanken, die tiefer empfinden und genauer analysiert haben als je aber, wie gesagt, der Drang zum Ausbreiten fehlt zusehens.

Veröffentlicht von

Dies ist ein privates Blog. Ich schreibe hier über alles, was mich interessiert. Du darfst mich also getrost einen Ego-Blogger schimpfen oder mich auch wahlweise liebkosend so nennen. Der Vorteil von soviel Selbstzentriertheit ist, dass ich mir aussuchen kann, wie oft ich schreibe, worüber ich schreibe und nach welchen Grundsätzen das Blog und ich funktionieren. Dir gefällt dies? Oooh, ich bin überrascht und gleichzeitig auch durchaus ein wenig »amused«.

8 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Vielleicht hilft es dir etwas zu sehen, dass du nicht allein bist mit solchen Fragen? Siehe die Literaturblogs: Papiergeflüster schließt und wereadindie sucht neue Autoren und ich hatte auch gerade bemerkt, dass ich mich „mittlerweile doch wenigstens ein bisschen ausgebloggt und auskommentiert“ habe. Das ist ein Umbruch, der mit der Dauer der Projekte und auch mit dem Lebensalter zusammenhängt. Deswegen alles vom Netz nehmen? Kann man machen, muss man nicht. – Schönen dritten Advent!

  2. Lieber Jürgen, es ist schön, von Dir zu lesen. Auch Dir einen möglichst schönen dritten Advent!

    Zum Thema: Das Blog befindet sich ja schon seit längerer Zeit in der Phase des „Einfach-Stehen-Lassens“. Beim Schauen auf das ganze Projekt stelle ich fest, dass es ohnehin nur noch Fragmente sind, die Online stehen. Es hat den Charakter einer Ruine. Vieles Technische habe ich genauso schon lange vom Netz genommen wie auch Artikel, die inhaltlich oder auch nur wegen „Verlinkungsquellen“ inhaltlich aktualisiert gehört täten. Übrig sind Artikel, die zwar noch ein Leben aus sich heraus haben, die aber dennoch auch irgendwie deplatziert wirken (vielleicht auch nur auf mich), weil das Rechts und Links fehlt, die natürlichen zeitlichen- und inhaltlichen Nachbarn, denen sie sich zugehörig fühlen konnten. Tatsächlch dachte und denke ich auch über das „irgendwo mitschreiben“ nach. Meist komme ich aber nur zwei drei Sekunden weit, denn dann steht da sowohl im Wege, dass ich aufgrund Arbeit zu wenig Zeit habe als auch, dass ich danach suche, weitere Verpflichtungen abzugeben und nicht, neue anzunehmen. Noch dazu ist es so, dass ich mir einbilde, dass wir gerade nicht unbedingt in einer Zeit leben, in der Diskurs gepflegt wird. Ich erlebe nicht, dass sich Menschen noch fruchtbar austauschen, ich erlebe eher, dass es ein Nieder-Strecken per Wort gibt. An sowas will ich mich nicht beteiligen, weder als Opfer noch als Täter, denn freilich will ich eingestehen, dass ich bestimmte Diskussionen für mich selber auch nicht mehr brauche, da ich sie schon zuuu oft geführt habe. All das ist wie Du sagst auch ein Zeichen des Alters bzw. der Lebenssituation. Dazu kommt „nahe Umgebung“: Ohne hier allzu konkret einzugehen darauf, was ich meine, dann doch die Andeutung, dass mein 88 jähriger Vater sich lange gut hielt, nun aber u.u. die Phase begonnen hat, die schwer ist, für ihn und auch für uns („Kinder“). Aufmerksamkeit ist woanders und vielleicht wird es Zeit, den Laden zuzusperren. Vielleicht lasse ich ihn aber auch noch offen. Ich bin da noch unsicher.

  3. Lieber Markus, wirst ja wissen, was du tust. ;) Nur ein paar Gedanken zurück: Es ist richtig, man muss auch mal loslassen können und man sollte erkennen, wann es genug war. Deshalb hatte ich ja im Sommer den TeX Catalogue aufgegeben. Die Zeit der Netzdebatten ist auch schon lange vorbei, das sehe ich auch so. Ich merke es immer wieder, wenn ich in einem Bloggerkurs erkläre, wie das so mit den Kommentaren ist – oder eher: wie es früher mal war und was heute daraus geworden ist. Nicht nur die toten Links nehmen mit der Zeit zu, auch das ganze Umfeld des Blogs verschwindet zunehmend. Ich sehe ein Blog aber als Online-Veröffentlichung. Einen Aufsatz oder ein Buch ruft man auch nicht zurück, man lässt sie für sich stehen. Dass sich die Umgebung, das Links und Rechts, ändert: Klar. Aber ein Blog ist von Anfang an als Archiv angelegt. Das war ich. – Ich wünsche dir viel Kraft, was die Belastungen aus deiner Familie angehen!

  4. Vielen Dank für die lieben Wünsche.

    Wie schon so oft sind wir an so mancher Stelle nahe beieinander in der Bewertung. Auch ich sehe diese Seite zuerst als Archiv. Vor allem deshalb ist sie noch nicht offline. Was das Bewahren angeht, namentlich das Früher und das Jetzt und das Anschauen aus heutiger Perspektive bin ich auch bei Dir. Ach, ich muss nochmal in mich gehen. Ohnehin ist das Blog zwar noch Online aber es ist weitgehend verschwunden aus dem Lichtkegel (m)einer (Sub)Öffentlichkeit. Ich hatte genau dies im Sinn und darf mich nun also nicht beschweren, wenn passiert ist, was dereinst meine Absicht war.

  5. Aber der letzte Satz liest sich doch ganz so, als wäre dir da etwas geglückt. ;) Hatte ich übrigens auch so gemacht. Siehe Klagefalls Diktum: Man muss sich ein Weblog als ein Notizbuch vorstellen, das nicht verlorengehen kann und das niemand findet.

  6. Das hat er wirklich schön gesagt, der Herr Klagefall. Es ist ein Vorrecht von uns im Alter Vorgerückten, dass unsere Bezugspunkte immer noch eher im analogen Zeitalter verhaftet sind. ;-)

  7. Ich könnte doch auf immer bleiben, wenn ich die Worte von Herrn Klagefall lese. Und immer wieder denke ich an Uwe Johnson und seine „Jahrestage“. Ich meine das wie ich es sage, kein Einschleimen, sondern immer wieder das Allererste, was mir einfällt.

    Und ich habe die Gedanken von Gesine Cresspahl im inneren Ohr. Hach..

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.