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Standortfrage

Als ich meinen Lebensraum vor einigen Jahren wieder neu definieren musste, fiel meine Entscheidung auf den Ort, indem meine Familie lebt. Seither hat sich mein Leben ganz allmählich wieder gefunden. Seit einiger Zeit stellt sich mir die Frage, ob ich nochmal umziehen soll. Ich arbeite in Frankfurt und auch wenn es nur etwa 40 Kilometer sind von Tür zu Tür, so bereitet die Fahrerei mit Bahn & Bus doch permanent arge Probleme im Alltag. Planmäßige 1h und etwa 40 Minuten einfach werden oft zu 2h oder sogar mehr, wohlgemerkt, einfach. Es war und ist eine Entscheidung für die Umwelt, kein eigenes Auto zu haben, sondern nur eines zu teilen mit anderen, also Carsharing zu betreiben. Diese Frage und auch die Standortfrage stellt sich nun nochmal ganz neu.

Allerdings hat die Autolosikgeit auch noch andere Auswirkungen. Es geht auch um die Möglichkeit, Freundschaften zu pflegen und so noch mehr Wurzeln zu schlagen. Ich sage viele Verabredungen ab und blocke Anfragen ab, wenn diese nicht lebbar sind mittels des OEPNV. Das zerrt an meinen Nerven, vermutlich auch an den Nerven der Freunde und so überlege ich, ob Seligenstadt nach wie vor der richtige Standort ist oder, ob er der richtige Standort ist, ich mir aber doch wieder ein Auto anschaffen soll. Es kann also sein, dass ich in naher Zukunft wieder mobiler werde. Seligenstadt soll bleiben. Auch wenn ich das nach der Trenung noch nicht spüren konnte merke ich doch mehr und mehr, dass Seligenstadt Heimat ist und gleichzeitig viele Möglichkeiten bietet. Und dann isses auch noch schön hier! Was will man mehr?

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Wintermorgen

  1. Bei mir ist das ja ähnlich: 160 Autokilometer am Tag, immerhin 2 Person im Auto. Das hinterlässt alles einen ganz schön tiefen CO2-Abdruck.

    Ich versuche es halt an anderer Stelle wieder auszugleichen, lasse das Auto wann immer möglich stehen, verkneife mir die Erdbeeren im Winter, Ökostrom ist eh klar usw. Wenn’s irgendwann machbar ist, steige ich auf alternative Energien um.

    Das klingt jetzt alles relativierend und nach Ausreden. Ich finde aber, es geht bei der ganzen Sache um den eigenen Bauch. Ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man „nur“ eine angenehme Wohnlage mit guten Jobs unter einen Hut bringen will ist ja auch nicht Sinn der Sache.
    Es kommt eben immer darauf an, dass man bewusst mit seinem Umfeld und der Umwelt umgeht.

  2. Markus

    Die großen Ziele sind das Eine. Wenn ich den Leuten erzähle, was ich da so alles mache tagtäglich bis ich überhaupt mal im Büro bin, da zeigen mir die Einen einen Vogel, die freundlicheren nennen mich ein moralisches Vorbild, was der Rest denkt, dass möchte ich lieber gar nicht wissen. Es ist einfach so, dass es derweil auch echt an die Substanz geht, an die Substanz von Freundschaften und auch an meine ganz persönliche. Nach der Arbeit ins Kino gehen, nicht in Frankfurt, sondern in Darmstadt, weil da eben noch viele meiner Leute leben und arbeiten ist nicht drin, weil ich nach dem Kino zuerst zurück nach Frankfurt müsste, um dann in meine Richtung zu fahren. Oder einfach mal sonntags Freunde besuchen, die in Rheinhessen auf dem Land leben. Das wird entweder eine logistische Herausforderung oder Du nimmst in Kauf, dass Du für zwei drei gemeinsame Stunden fünf, sechs Stunden unterwegs bist. Von den Späßen, die der lokale OEPNV so anstellt ganz ohne das man sich verabredet, will ich gar nicht sprechen.

    Ja, was Du schreibst ist in vielen Details bei mir ähnlich. Natürlich Ökostrom, ganz klar achte ich darauf, wo Lebensmittel herkommen und und und. Aber ich werde mir wohl wieder eine Blechdroschke kaufen. Ich werde damit nicht bis nach Frankfurt fahren, sondern nur dorthin, von wo ich gut wegkomme (mit dem Zug). So kann ich die Unterwegs-Zeiten minimieren und wenn es sinnvoll ist, kann ich eben auch einmal tatsächlich mit dem Auto fahren, um mich dann nach dem Job zum Kino verabreden zu können ohne das dies gleich zu einer mittelgroßen Expedition wird. Carsharing, was ich derzeit auch nutze für kleinen Strecken, wird eben sehr teuer, wenn Du damit 100 Kilometer und mehr fährst.

    Ganz schlimm finde ich, wenn ich so hinhöre, was etwa die Stadt Frankfurt oder das Land Hessen so plant für die Zukunft. Es ist nicht so, dass sie nichts machen aber, der große Wurf ist das alles nicht, es ist nicht einmal ein kleiner Wurf. Es sind Alibi-Aktionen und selbst solche Skandale wie der um Diesel-Gate, bringt niemanden wirklich dazu, Neues zu denken, zu planen und anzugehen. Immerhin gälte ja: Das beste Auto ist das Auto, was erst gar nicht in die Stadt fährt, egal mit was es angetrieben wird.

  3. *räusper* …der ideale ÖPNV-Standort zwischen Darmstadt, Frankfurt und Seligenstadt wäre Langen…

  4. Markus

    Hihi, Langen oder Neu Isenburg ist auch auf der Liste der Möglichkeiten. Allerdings haben diese Orte den Nachteil, dass es von da aus noch weiter in den Spessart ist. Neben der pittoresken Umgebung von Seligenstadt ist seine Lage ja gerade ein großer Vorteil. Du bist recht schnell in Hanau, in Aschaffenburg, in Offenbach und Frankfurt aber eben auch im Spessart. Aber, wie gesagt, Langen und Neu-Isenburg wäre im Falle eines Standortwechsels durch nicht ganz unten auf der Liste. ;-)

  5. Ich merke immer wieder, was für ein Privileg es ist, alles in zehn Minuten mit dem Fahrrad erreichen zu können und kein Auto besitzen zu müssen. Der Vorteil, in einer kleinen Stadt leben und arbeiten zu können. Jeden Tag drei Stunden pendeln zu müssen — wieviel Lebenszeit! Gibt es kein Home Office?

  6. Markus

    Ich war sehr lange selbstständig und habe in der Zeit, abgesehen von den Zeiten beim Kunden, meist von Zuhause aus gearbeitet. Dann gabs einen Wechsel, wie man so schön sagt, die Lebensumstände haben sich geändert. Ich wollte was weniger Anspruchsvolles machen, etwas, was mir mehr Raum lässt. Und paradoxerweise tut es das immer noch. Und das liegt auch daran, dass ich unterwegs oder zuhause nicht zugreifen kann auf Arbeit, denn der Unterschied zu vorher ist: Es ist ein 9 to 5 Job. 70 Stunden Wochen und mehr, keinerlei Trennung zwischen Beruf und Privat (was ich mir so ausgesucht hatte), sind nun ein Teil der Vergangenheit. Alles hat seine Zeit.

    Ich will aber durchaus zugeben, dass ich schon überlegt habe, mir was zu suchen, was in meinem kleinen Städtchen ist. Es wäre dann fast, als schlösse sich ein Kreis. Hier angefangen, dann führten mich die nächsten beruflichen Schritte nach Frankfurt. Danach kam Deutschland, dann Europa und nun wieder Frankfurt. Wäre da nicht Seligenstadt (so heißt mein Städtchen) der nächste logische Schritt? Ach, man muss auch praktisch denken. Mein Job macht mir viel Spaß und die guten Jobs wachsen nicht auf dem Baum. Früher gabs hier im Städtchen einige mittlere oder sogar große Arbeitgeber. Heute gibt es eine Vielzahl von kleineren Firmen und Tourismus. Aber eigentlich fahren morgens (fast) alle nach Frankfurt und abends wieder zurück. Mir würde es schon reichen, wenn ich die letzte Etappe abkürzen könnte. Wenn dort ein Auto stünde und ich nicht abends auf einen Bus warten müsste, der nie kommt wenn man ihn braucht oder, es ist wirklich abends und Du musst ein AST = Anruf Sammel Taxi bestellen, 30 Minuten, bevor Du es brauchst. Stünde statt dieser Maßnahme da ein Auto, dann wären mir Verspätungen vorher egal. Aktuell sind sie ein permanentes Ärgernis.

    Über die vertane Lebenszeit darf man gar nicht nachdenken. ;-)

  7. Auf keinen Fall Neu-Isenburg, denn in Langen halten sowohl die S3/4 als auch die Main-Neckar-Bahn, und letztere fährt ohne Zwischenhalt nach Frankfurt und nach Darmstadt und du hast eine Alternative direkt ab deiner Haustür, wenn die S-Bahn ausfällt. Außerdem fahren von dort Busse nach Seligenstadt und in Nord-Süd-Richtung los. Was den Abendverkehr angeht, so wird er ausgebaut. Die S-Bahnen sollen bald auf 15-Minuten-Takt auch am Abend umgestellt werden. Bleiben Bus und AST für die letzte Meile…

    Ich glaube, über das Thema hatten wir vor etwa vier Jahren schon mal gesprochen, kann das sein? ;) Ich hatte mich damals schon darüber gewundert, dass du dich überhaupt auf die Strecke eingelassen hattest, das war mutig. Generell sehe ich es wie Klagefall.

  8. Markus

    Ja, wir hatten das diskutiert. Ich bin nicht ganz sicher wann. Damals wie heute ist Seligenstadt natürlich schon deshalb eine Wahl, weil hier mein vater lebt. Um dort nah dran zu sein, gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation, ist ein, der mit der Güte der Verbindung gar nichts zu tun hat. Dieser Grund wird sich irgendwann so nicht mehr stellen. Wobei ich, natürlich, darauf hoffe, dass dieses irgendwann nicht soo bald einstellen wird, denn dass würde bedeuten, dass mein Vater gestorben ist. Auch wenn der Tod zum Leben gehört, so erhofft man immer, dass er nicht so bald kommen wird. Klaro..

    Was den Ausbau des Taktes angeht, so habe ich davon gelesen. Wie gesagt: Langen oder/und Neu-Isenburg ist durchaus eine denkbare Alternative. Mein Fahrzeit würde sich halbieren, die Kosten für meine Jahreskarte würden sich ebenfalls halbieren. Hmmmm.. ;-)

  9. Das Gespräch war am 2. Oktober 2015. ;)

    Nur nochmal vorsorglich: Langen, nicht Neu-Isenburg, siehe oben.

    Die weitere Ausweitung des 15-Minuten-Takts gibts frühestens zum Fahrplanwechsel 2020, wenn es genügend Fahrzeuge und Haushaltsmittel gibt. Außerdem wird der Busverkehr in Neu-Isenburg und in Langen ab Juli 2019 ganz neu aufgezogen. Die Fahrpläne sind noch nicht veröffentlicht.

  10. Markus

    Ja, ist klar. Wobei ich beide Orte auf dem Fokus belasse. Bei Langen stört mich allerdings die arge Nähe zum Airport. Ich liebe Ruhe und ich habe von Frühjahr bis mindestens Herbst oft die Fenster auf oder sitze draußen auf dem Balkon.

    Was neue Pläne angeht, so hab ich immer ein wenig Angst, wenn der RMV sowas sagt. ;-)

    2.Oktober 2015: Ich habe das gestern durch zufall auch herausgefunden. Ich habe eine meiner Festplatten aufgeräumt und habe beim Durchsehen der Ordner auch Fotos entdeckt. Eines davon habe ich genau am Tag dieses Treffens gemacht. Der Fund war reiner Zufall.

  11. *nochmal räusper* ;) … Neu-Isenburg liegt nahe am Flughafen, nicht Langen, da ist nur die Flugsicherung, der Lärm ist woanders … also auch aus dieser Hinsicht spräche alles für L. … außerdem hat Neu-Isenburg Mieten wie in Frankfurt … ggf. wäre auch Offenbach eine Option, da gibts mittlerweile auch schöne Ecken … ebenfalls leiser als N-I …

  12. Markus

    Die Entscheidung fällt nicht jetzt. Allerdings spricht viel dafür, dass ich in Seligenstadt bleibe. Offenbach kommt definitiv nicht in Frage. Tolle Stellen und Viertel gabs schon immer, dass weiß ich natürlich, man kann manchen Sachen aber nicht aus dem Weg gehen und ich kann diese Sachen nicht ausblenden. Eine richtige Stadt kommt ohnehin nicht (mehr) in Frage. Früher vielleicht aber heute brauche ich mein Landleben. Was klagefall sagt mache ich ja schon, wenigstens zwischen Frühjahr und Herbst. Da fahre ich per Rad zum Bahnhof. Daher habe ich auch schon Erfahrungswerte wie es sich anfühlt, wenn das lästige und Effizienz kostende Ende des Fahrweges wegfällt. In meinem Fall ist das nicht die Anbindung von Seligenstadt nach Frankfurt, sondern das allererste Stück zwischen meiner Wohnung und dem Bahnhof in Seligenstadt. Überbrücke ich das ist alles fein. Die Lösung, nicht nur hierfür, ist ein Auto. Meine Freunde leben einfach zu verstreut. Da würde mir die bessere Anbindung in Richtung Darmstadt auch nur sehr teilweise helfen. Wenn ich etwa ins Hinterland des Landkreises Darmstadt Dieburg muss (= Odenwald), komme ich da von Langen auch nicht wirklich besser hin. Eine Fahrt nach Mainz oder nach Wiesbaden und vor allem die Fahrt zurück, spät abends, bleibt eine kleine Weltreise. Treffen sind in Frankfurt ja sowieso fein, mit oder ohne Auto und egal ob ich in Seligenstadt lebe oder anderswo. Treffen außerhalb von Frankfurt und erst Recht außerhalb von Städten sind ein Graus. Und Du kannst Familien mit Kindern nicht erzählen, dass sie mal eben in die große Stadt kommen sollen, nur um sich mal eben so zu sehen. Das geht nicht, wenn Kinder vorhanden sind. Zudem gibt es ja noch deutlich mehr Aspekte, die ich bedenken muss. Das führt hier zu weit, wir können das aber gerne mal besprechen, wenn wir uns sehen. Ist ja gar nicht mehr sooo lange hin. :-)

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