Schon seit einigen Jahren habe ich damit begonnen, über meine Musik, meine Bücher und andere meiner Besitztümer nachzudenken. Angefangen habe ich mit dem Nachdenken gar nicht bewusst, sondern, es war mehr so, dass das Thema aufkam, weil Bekannte mehr und mehr das Teilen von Dingen an mich heran getragen haben. Das Teilen als Einstellung sozusagen.

Etwas störte mich daran, Dinge zu teilen. Erst nach einer ganzen Weile habe ich dann bemerkt, dass ich zwei unterschiedliche Dinge zusammenwarf. Auf der einen Seite ist das Teilen und weitergeben von Gegenständen aus meinem ureigenen Besitz. Da ist z.B. die FreeYourStuff-Bewegung zu nennen, die ich grundsätzlich richtig finde und gut, weil wir einfach viele Dinge besitzen, die man nur für eine bestimmte Zeit benötigt und dann stehen sie herum, in der Wohnung oder im Haus. Nicht zuletzt ein Gedanke an die Umwelt und das verantwortungsvolle Umgehen mit Ressourcen macht es sinnvoll, Dinge deshalb gemeinsam zu nutzen.

Etwas anderes ist es, wenn wir, meist von der Industrie und unter Anwendung solche auf Solidarität und Gemeinwohl bedachten Ideen und Projekte, auch bei deren Produkten von neuen Besitzformen hören und sie uns angeboten werden. Ich meine, Services wie Spotify, Deezer, aber auch Netflix, Amazon Prime und ähnliche Services mehr.

Aktuell lese ich meine CD-Sammlung mal wieder ein (auf Festplatte). Es ist die dritte Welle. Nach dem ersten Digitalisieren, was ich mit damals hoher Qualität vorgenommen hatte, habe ich vor einigen Jahren nachgelegt, weil sich der Anspruch an Qualität an die komprimierten Dateien erhöht hatte. Heuer ist der letzte Schritt angesagt, dass Einlesen im verlustfreien FLAC Format. Ich konnte und ich kann über meine Medien verfügen. Ich kann sie verleihen, ich kann sie unzählige Mal abspielen, kann sie digitalisieren. Und all das kann ich machen ohne das jemand mir vorschreiben kann, wie ich mich dabei zu verhalten habe. Beim Nutzen mittels der neuen Anbietern erhält man nur noch ein Nutzungsrecht auf Inhalte. Natürlich ist richtig, dass ich für ein vergleichweise geringes Entgelt Zugriff auf eine unglaublich hohe Anzahl von Medien habe. Zumindest gilt das bei Musik. Bei Filmen ist es mit der Vielfalt schon weitaus eingeschränkter. In den letzten Jahren gabs immer wieder Vergleiche zwischen Netflix/Amazon Prime und klassischen großen Videotheken. Es trat etwas zutage, was im ersten Augenblick überrascht: Die Videotheken waren den neuen Anbietern aus dem Internet bei Weitem überlegen, wenn es um die Vielfalt ging und oft auch, was die Menge an Titeln angeht. Gleichzeitig akzeptieren wir mit der Nutzung der neuen Dienste, dass wir Verbraucherrechte quasi komplett aufgeben. Mittlerweile haben wir aber ohnehin gar keine Wahl mehr, denn das Geschäftmodell Videothek hat der Markt bereinigt.

Als ich neulich begann, meine CD’s neu einzulesen und diese dann auch anzuhören, da empfand ich den Besitz der CD’s als etwas Gutes. Ich erinnere mich noch bei jeder CD und bei jeder LP an die Geschichte des Kaufes, an den Laden und natürlich an diverse Erinnerungen, die sich mit der Musik oder auch mit den CD’s selber verbindet. Ich nutze auch intensiv Spotify (ab und an wechsel ich auch mal zu Deezer). Ich bin dankbar dafür, dass ich da für kleines Geld eine unerhörte Vielfalt erleben darf. Und doch ist meine Beziehung zu spotify eine komplett andere als die zu den eigenen, erworbenen CD’s. Ach ja: Natürlich teile ich mein Eigentum auch: Ich verleihe mehr oder weniger regelmäßig meine Silberlinge. Eine Gemeinwohl bezogene Ausleihe und Tauscherei scheitert bei mir persönlich an meiner ländlichen Lebenssituation. Bekannte und Freunde leben weit weg, meine Beziehungen hier sind nicht so gestrickt, dass Ausleihen hier vorkommt. Was ich aber als eine Aufgabe für die Zukunft wahrnehme. Bis dieses Ziel erreicht ist, gilt es auch daran zu arbeiten, dass wi gegenüber den neuen Anbietern als Verbraucher zunächst überhaupt mal wieder die Rechte bekommen, die wir früher einmal in Bezug auf Nutzung erworbener Inhalte hatten. Auch das ist, für mich, Arbeit für das Gemeinwohl.