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Kategorie: SchreibHeft Seite 67 von 70

Emporte moi — Nimm mich mit

Spielfilm Kanada/Frankreich/Schweiz 1999
Regie: Lea Pool

Darsteller: Karine Vanasse, Pascale Bussiéres, Miki Manojlovic, Alexandre Meaurineau, Charlotte Christeler, Nancy Huston, Monique Mercure, Jacques Galipeau, Carl Hennebert-Faulkner

Hanna ist 13 Jahre alt und wächst als Tochter eines jüdischen Schriftstellers und einer katholischen Näherin auf. Der Vater ist während des zweiten Weltkrieges aus seiner polnischen Heimat geflohen und lebt seither als Staatenloser in Kanada. Die Mutter entstammt einem katholisch christlichen Elternhaus und wurde viel zu früh schwanger. Die Eltern sind arm, Hannas Vater ist arbeitslos und die Mutter muss die gesamte Familie mit ihrer Näherei durchbringen. Hannah kämpft täglich neu um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Die Eltern sind jedoch vollends damit beschäftigt, den schwierigen Alltag zu bestreiten. Nur im Kino findet Anna Geborgenheit.

Der Film von Lea Pool begleitet ihre Hauptfigur Hanna jederzeit sehr zurückhaltend, leise und sensibel. Wir erleben mit, wie unglücklich und beinahe verzweifelt Hanna Liebe und Geborgenheit sucht und wie sehr sie sich wünscht, endlich Antworten auf die drängenden Fragen einer Heranwachsenden zu finden. Sie stolpert eher zufällig in ein Kino und sieht dort Jean-Luc Godards „Vivre sa vie“. Sie sieht, wie die Hauptfigur Nana S. Antworten auf die Fragen des Lebens und der Liebe findet. Nana S. scheint sogar Lösungen für die Alltagszwänge des Lebens zu finden. Hanna sieht sich diesen Film immer wieder an und die Filmfigur der Nana wird mehr und mehr zum Leitbild für Hanns gesamtes Tun.

Karine Vanasse als Hanna fesselt mich durch ihre ungeheuerliche Präsenz. Ich sitze da, schaue die wunderbar natürlichen und doch durchkomponierten Bilder des Filmes an und bin schon nach wenigen Minuten Hanna. Erst als der Nachspann über den Bildschrim läuft, tauche ich nach 90 Minuten wieder aus dem Film auf und freue mich sehr, dass ich ausgehalten habe und mir zur kulturellen Primetime ab 00.35 Uhr noch diesen Film angesehen habe.

Gesundheitsreform: Quo Fadis

Puuuh. Ich habe vor einigen Tagen beschlossen, mir in Bezug auf die Zukunft unserer gesundheitlichen Versorgung eine eigene Meinung zu bilden. Ich bin mit der Aufbereitung des gesamten Themenkomplexes in den Medien vollkommen unzufrieden. Ich kann nur äusserst unvollständige Dossiers finden. Die meisten Specials, die man als Beilage in Zeitungen findet oder die Zeitungen ins Netz stellen, sind extrem lückenhaft und hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Immerhin habe ich einen Fund gemacht.

Es gibt hier den sogenannten „Bericht des Sachverständigenrates der Bundesregierung“. Interessant: Ein Konzept, welches die Vorteile beider Konzepte der großen politischen Parteien verbindet, existiert schon seit November 2004! Ich mag ja nicht gut im Rechnen sein, aber wenn ich es dennoch versuche, dann streiten und taktieren unsere lieben Parteien also mindestens seit 2004 lustig auf unsere Kosten. Sie malen nicht erst seit damals das Bild der vollkommenen Unvereinbarkeit der beiden Reformvorschläge (die SPD will eine sogenannte Bürgerversicherung, die CDU schlägt dagegen eine sogenannte Gesundheitsprämie vor).

Ich möchte zu diesem Thema drei Bemerkungen machen: 1.) Wahr ist, dass dieser Bericht ohne jede Nebenwirkung in der Lage ist, einen in einen tiefschlafähnlichen Zustand zu versetzen. 2.) Fakt ist aber auch: Die Analyse dieses Berichtes zeigt auf, was in unserer nationalen Gesundheitspolitik zu geschehen hat, um eine Reform durchzuführen, die diesen Namen auch verdient. 3.) Wir werden nicht umhin kommen, für das Thema Gesundheit mehr Geld auszugeben und uns dennoch gleichzeitig vom Gedanken der „Vollkaskoversichertheit“ trennen müssen, weil die dahinter liegende Mentalität nicht nur unbezahlbar ist, sondern u.a. auch ursächlich dafür verantwortlich ist, dass unser Gesundheitssystem in der jetzigen Form nicht mehr tragbar ist und sogar zukunftsunfähig.

Rosenstolz: Das grosse Leben

Das ist komisch. Noch bis vor einigen Wochen war ich der Meinung, dass mein Interesse an Musik sich in Richtung von Jazz und klassischer Musik fokussiert. Schon das Anhören von fünf bis zehn Minuten sogenannter Hitparadenmusik empfand ich als echte Strafe und sogar Musik, die ich bisher gerne gehört hatte, hat mich nicht selten einfach nur genervt. Irgendwann und irgendwo habe ich dann die aktuelle Single von Rosenstolz gehört. Ich bin ich .. Wir sind wir hat absolute Ohrwurmqualitäten und auf diese Art und Weise angefixt war ich sehr neugierig auf mehr Neues von den beiden Berlinern. Schon 2004 hatten mich die Songs von Herz und natürlich besonders Liebe Ist Alles in einen ganz eigenen Bann gezogen. Damals habe ich Rosenstolz für mich neu entdeckt. Die neue Platte ist anders. Im direkten Vergleich könnte man sogar sagen, dass Herz ein wenig überproduziert wirkt. In Rezensionen liest man sehr häufig, dass Anna R. und Peter Plate mit ihrem neuem Longplayer ein Stück weit zurückfinden zu ihren Ursprüngen. Persönlich empfinde ich die Scheibe als leiser, als offener für Zwischentöne, als sensibel und beinahe intim. Das Grosse Leben ist aus einem Guss und erzählt glaubwürdig und bodenständig kleine und grosse Geschichten. Ich mag die CD einfach immer wieder anhören und schon deshalb kann ich sagen, dass ich 2006 meine erste Lieblingsplatte gefunden habe. Vielen Dank dafür und vielen Dank auch, dass Rosenstolz es schafft, mich mit Das Grosse Leben vollkommen zu überrumpeln und mich zu überraschen.

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