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Kleine Freuden: DIE ZEIT lesen

Für Stunden in Die Zeit versunken. Ich las Beiträge über Familienpolitik, fand für mich neue Zusammenhänge, die mir woanders nicht aufgezeigt werden. Dies stelle ich immer wieder fest und alleine schon deshalb mag ich die Zeit soo gerne. Es ist selten geworden, dass ich einer Zeitung vollkommen vertraue und es dauert. Immer wieder muss man sich heutzutage ärgern, wenn man die immer gleichen oberflächlichen Informationsbrocken hingeschmissen bekommt und einem genauso oft Detailinformationen vorenthalten werden. Die Zeit ist anders. Gewiss, auch dieses alterwürdige, hanseatisch geprägte Blatt hat sich verändert, ist ein Stück weit mit der Zeit gegangen und huldigt mancherorts dem Zeitgeist. Ich empfinde dies aber gar nicht als falsch. Wo steht schliesslich geschrieben, dass man unmodern sein muss, um glaubwürdig zu sein?

Die Zeit entführt mich in faszinierende Welten. Wenn ich möchte, dann kann ich beispielsweise mit Wolfram Siebeck reisen und aktuell die WM Städte (neu)entdecken. Ich kann mich in die Rubrik Lesen stürzen und erfahren, „Über was man gerade spricht“. Ich erfahre, was Frau Merkel gerade mit Herrn Bush bespricht und ich erfahre auch, was innenpolitisch nicht- oder falsch angegangen wird. Die Zeit hilft mir, mich zu orientieren, sie hilft mir auch, einfach nur Spass am Leben zu haben und mal abschalten zu können. Hoffentlich kommen schon bald wieder bessere Zeiten und wenn diese dann wirklich eines Tages anbrechen, werde ich so schnell als möglich wieder Abonnent werden, um auch die Papierausgabe geniessen zu können. Man gönnt sich ja sonst nichts.

We feed the World

Regie & Drehbuch: Erwin Wagenhofer

Ich trage jetzt schon seit einiger Zeit den Gedanken mit mir herum, etwas über „We feed the world“ zu schreiben. Schon seit einigen Wochen kann man in der Blogosphäre und darüber hinaus Rezensionen, Meinungen und allerlei weltanschauliche Äusserungen zu diesem Dokumentarfilm lesen. Meine Meinungsbildung zum Film und auch meine Meinungsbildung zu diesen gesamten Thema ist noch nicht abgeschlossen; allerdings formen sich in mir Eindrücke, die einfach jetzt schon niedergeschrieben werden wollen. Mich würde auch interessieren, was andere Leute denken, die den Film schon gesehen haben oder die sich auch nur mit dem Thema auseinander setzen.

„We feed the world“ zeigt auf eindringliche und extrem schmerzhafte Weise, was wir Menschen, die doch angeblich die Krone der Schöpfung sind, aus der Erde gemacht haben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die allermeisten Menschen nicht mehr wissen, wie Fleisch hergestellt wird. Viele dieser Menschen wollen dies auch gar nicht mehr wissen, denn sonst könnte man ja bald gar nichts mehr essen. Jedermann, der mit Freunden oder Kollegen schon einmal über solche Themen geredet hat, weiß, was da meistens für Antworten kommen. Wir wissen auch, mit welchen Blicken Leute angesehen werden, die sich um Aufklärung in ihrem ureigenen Mikrokosmos bemühen. Da ist man schnell der Öko und bekommt, ehe man sich versieht, den Rat, doch „gleich nur noch Körner zu fressen“. Trotz aller guten Gründe, die für eine bewusste Ernährung sprechen und die zuallererst dafür sprechen, dass man als Verbraucher bewusst und verantwortungsvoll handelt, bleiben nach diesem komprimiertem Blick auf die Ist-Situation Fragen. Sie lauten beispielsweise: Wie soll ich als Arbeitsloser oder ganz allgemein als Kleinstverdiener mich sinnvoll und verantwortungvoll verhalten? Es ist aus meiner Sicht und nach langen Jahren Erfahrung reine Romantik, wenn man glaubt, man könne verantwortlich konsumieren, ohne das dies mehr Geld kostet? Jedermann will ab und an sehr gerne auch mal was Gutes essen. Ich möchte nicht immer nur Wasser und Brot essen. Ich kann es mir auch nicht leisten, meine Schuhe oder meine Kleidung dort zu kaufen, wo NUR „Fairtrade“ der Normalfall ist. Man stelle sich den Fall einer alleinerziehenden Mutter vor, die zum Arbeitsamt geht oder zum Sozialamt und sagt, sie wolle aber keine Babynahrung, die aus dem Supermarkt kommt, sondern sie wolle objektiv geprüfte Ware vom Demeterhof kaufen und brauche deshalb etwas mehr Geld für ihr Kind. Ich bekomme diese beiden Welten, diese beiden Ansprüche, einfach nicht zusammen. Es klappt einfach nicht, auch nicht, wenn ich mich noch so bemühe ..

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Meiner Meinung nach sollte es viel mehr Bemühungen geben, Aufklärung zu betreiben, wenn es um Konsumgüter geht. Ich würde gerne darauf hoffen dürfen, dass beispielsweise ganz junge Leute sich nicht nur dann für Nahrung, Fairtrade und die Gerechtheit in der Welt interessieren, wenn sie dies von ihren wohl gebildeten Akademikereltern aufgesogen haben. Auch hier bitte ich darum, nicht falsch verstanden zu werden, aber wenn man sich mit diesen Themen befasst, stellt man sehr schnell fest, dass falsche Ernährung vor allem ein Problem von Leuten ist, die nicht den oberen Bildungsschichten angehören.

Mein Fazit ist: Der Film von Erwin Wagenhofer ist unsagbar sinnvoll. Gleichzeitig sollten wir endlich unsere rosaroten Gesinnugsbrillen ablegen und abseits von Ideologien frei und ohne Vorurteile miteinander ins Gespräch kommen. Dies ist nämlich am Ende das einzig Negative an Gesprächen über Themen wie Globalisierung, Konsum, Nahrung oder Bildung. Es sitzen da immer zwei Gruppen von Menschen. Auf der einen Seite sitzen die sogenannten Bewahrer, die nicht selten geistig wenig flexibel sind oder schlicht faul und auf der anderen Seite sitzen die ganzheitlich orientierten Menschen, die nicht wahr haben können oder wollen, dass es abseits ihrer akademischen Kaste viele Menschen gibt, die für Themen wie den bewussteren Umgang mit Konsum, Globalisierung etc. erst noch gewonnen werden müssen. Das Beobachten dieser beiden Gruppen, die unfähig sind zur inhaltlichen Bewegung, macht mich immer zuerst traurig und dann irgendwann wütend.

Regnerischer Nachmittag

Version Zwei. Ich sitze im Arbeitszimmer, arbeite ein wenig am Rechner, programmiere und schraube ansonsten gaaaanz sachte an meinem Weblog herum. Draussen regnet es vom Himmel herunter. Viele kleine Tropfen vermischen sich mit dem Dunst tiefhängender Nebelschwarden und der darüber schwebenden Wolken. Durch das offene Fenster dringt das vielfältige Gezwitscher der Vögel herein. In höheren Regionen scheint sich die Sonne unermüdlich einen Weg durch das Dickicht der Wolken und des Nebels bahnen zu wollen. Es ist diffus hell und beinahe ein wenig unwirklich. Die sonst so nahen Hügel des Odenwaldes sieht man kaum einmal und wenn doch, dann tauchen sie aus dem Nebel auf wie Lanschaften, die man eher auf anderen Planeten vermuten würde.

Ich fühle mich besser als zuletzt, doch wenn ich mich frage, woran dies liegt, dass es mir in den letzten Tagen eher schlecht ging und jetzt recht gut, dann weiss ich keine Antwort. Ich versuche auch erst gar nicht, den möglichen Ursachen zuuu sehr nachzufühlen. Allzu schnell würde ich eventuell in einer Grüblelei ohne Anfang und Ende versinken. Besser ist, die Aufhellung in meiner Seele zu geniessen und darauf zu hoffen, dass mir die aktuelle Stimmung noch ein wenig erhalten bleibt. Ich denke an Marc Cohn und seine CD Rainy Season. Als ich die CD damals entdeckt habe, ich sass eines Morgens in meinem Lieblingscafé direkt auf dem Campus und die Musik füllte leise aber intensiv den Raum, befand ich mich aus vollkommen anderen Gründen in einer ähnlichen Stimmung wie heuer. Damals hätte ich auch nicht gedacht, dass kurz nachher eine der schönsten Phasen meines Lebens beginnen würde. Wie schön wäre es, wenn es noch mehr Parallelen zu damals geben würde, denn dann stünde ich jetzt am Anfang einer guten Phase meines Lebens. Es wäre sooo schön, wenn sowas wieder und nochmal möglich wäre. Heute glaube ich, obwohl ich sonst ein extrem optimistischer Mensch bin, nicht mehr in jedem Augenblick daran, dass bessere Zeiten jederzeit beginnen können. Dabei braucht es manchmal nur einen Gedanken ..

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