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Die Nationalbibliothek in Frankfurt

Wieder Frankfurt. Immer wieder komme ich zurück nach Frankfurt, ich komme zurück auf Frankfurt. Ich bin ein neugieriger Mensch. Im Alltag sammeln sich in meinem Hinterkopf alle möglichen Fragen. Vielleicht möchte ich mehr wissen über die Geschichte der Zisterzienser, ich will wissen, was aktuell in bestimmten Literaturzeitschriften gelesen und besprochen wird, ich möchte erforschen und recherschieren, ob es zu einer bestimmten Programmiertechnik oder einer konkreten Software schon neuste Fachliteratur gibt. Es sammeln sich Fragen und gleichzeitig staut sich über Wochen und manchmal über Monate Frust dahingehend auf, dass ich immer wieder erfahre, wie wenig ich weiss. Sofort denke ich an den Begriff des lebenslangen Lernens, ich denke an Begriffe wie Informationszeitalter. Ich frage mich auch mal wieder, was genau wann und wie zu passieren hat, damit aus einer Information Wissen wird. Und spätestens dann, wenn mich solche Fragen allzu sehr piesacken, ist es wieder mal Zeit für einen Tag in meinem ganz persönlichen Wissenshimmel ..

.. ich suche mir einen möglichst freien Tag und fahre in die Nationalbibliothek nach Frankfurt. Dort bin ich schon seit Jahren zehn oder zwölf Mal im Jahr. Ich lese, ich versuche zu verstehen und arbeite daran, dass aus einzelnen Informationen Wissen werden kann. Solche Tage sind schlicht Wellness für die Seele, sie sind, für mich, zutiefst beruhigend, reinigend und haben beinahe schon meditative Kraft. Die Räumlichkeiten in Frankfurt sind modern, sie sind leicht, lichtdurchflutet, freundlich und wenn man seinen Blick anhebt und über die Tische schaut, dann meint man geradezu sehen zu können, wie die Menschen das Wissen in sich Aufsaugen. Wenn man die Menschen beim Lesen beobachtet und wenn man dann sieht, wie friedvoll und engagiert da Christen, Muslime, Juden, Reich, Ärmere, Schwarze, Weisse, Dicke, Dünne und wer weiss was noch für Leute sitzen, dann glaubt man für einen Augenblick, dass es sowas wie Kriege eigentlich gar nicht wirklich geben kann. Natürlich sind das nur Wunschvorstellungen, leider ..

.. jedenfalls braucht es manchmal gar nicht sooooviel, um ein besonderes Erlebnis erleben und fühlen zu dürfen. Es braucht freie Zeit und es braucht Musse und es braucht, jedenfalls für mich, diese wundervolle Bibliothek in Frankfurt am Main ..

Braunbären in Deutschland. Ein Hirngespinst

Fast könnte man sagen, dass man sowas hat kommen sehen. Ich fühle mich ohnmächtig. Die ganze Zeit über denke ich, dass man etwas tun hätte sollen. Andererseits denke ich beispielsweise an junge Eltern, die Angst um ihre kleinen Kinder haben. Und dennoch: Wieso schaffen wir einfach nicht, was doch woanders in der Welt ganz selbstverständlich funtkioniert? Namentlich meine ich beispielsweise das Nebeneinander von Mensch und Tier. Nein, ich meine keine Tiere, die man im Zoo besucht. Bruno gab uns, indem er in unsere ach so überzivilisierte Welt tapste, eine Chance und wir haben diese Chance leichtfertig vertan. So empfinde ich das. Natürlich hätte auch ich zunächst Angst gehabt, mit einem Bären als Nachbarn zu leben und doch: man hätte sich doch sicher darauf einstellen können. In jedem Fall hätte es einen anderen Weg geben müssen! Töten, immer nur töten! Es wäre die Chance gewesen, mehr Vielfalt zu leben und es wäre auch die Chance gewesen, sich mit seinen Ängsten auseinander zu setzen und diese nicht mit einem lauten Knall zu verscheuchen. Es war eine Chance und wir haben das noch nicht einmal begriffen.

Jetzt wollen sie ihn ausstopfen und in ein Museum stellen. Klar, für ein Geschäft ist es niemals zu spät und am kommenden Sonntag sitzen sie dann wieder alle in der Kirche und hinterher, am Stammtisch, wird wieder viel fabuliert über den Verfall der Sitten und das Vergessen der alten Bräuche. Natürlich vergisst man dort am Stammtisch spätestens nach dem ersten Weissbier, dass man früher vor allem darauf angewiesen war, sich mit der Natur zu arrangieren. Man konnte gar nicht GEGEN sie leben, man musste MIT ihr leben.

Ich denke an Bruno, denke immer wieder an diese grosse Chance, die nun leichtfertig und ohne Not vertan wurde. Ich bin traurig und auch ein bisschen wütend ..

Literaturhaus Frankfurt: Matthias Beltz und seine gesammelten Untertreibungen

Hintergründiger, tiefschwarzer Humor. Das letzte Mal habe ich Matthias Beltz im Hauptbahnhof in Frankfurt gesehen. Er strebte eiligen Schrittes und mit einem grob karierten Sakko bekleidet durch die Bahnhofshalle in Richtung S-Bahn.

Und auf der Bühne? Da war er zuhause. Ich sah ihn aber auch sehr oft im Fernsehen, bestaunte seine messerscharfen Pointen und habe ihn auch ab und an als Gast in Talkshows gesehen. Er war stets gewitzt und brachte die Menschen mit Leichtigkeit dazu, dass sie Tränen in den Augen hatten vor Lachen. Jetzt hat das Literaturhaus Frankfurt ein Zimmer für Matthias Beltz eingerichtet. Darin finden sich Preziosen wie beispielsweise ein altes Veranstaltungsposter vom legendären „Karl Napp’s Chaos Theater“. Darüber hinaus kann man sich Bücher aus dem Privatbesitz anschauen, zwischen deren Seiten der Kabarettist selbst verfasste Notizzettel plaziert hat. Man findet private Hör- und Videokassetten. In diesem Zimmer, in dem man Beltz immer wieder zu spüren glaubt, findet man aber auch Überraschendes. So würde man sicher kaum darauf kommen, dass der am meisten vorkommende Autor in der privaten Bibliothek von Matthias Beltz Ernst Jünger ist. Beltz schafft es eben bis heute, uns immer wieder neu zu überraschen.

Für Menschen, die Frankfurt abseits der touristischen Pfade erkunden wollen, ist der Besuch des erst kürzlich umgezogenen Literaturhauses ohnehin ein MUST. Freunde von Matthias Beltz haben nun endlich einen Ort, an dem sie den Menschen Matthias Beltz erspüren und auffinden können. Bravo.

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Thema von Anders Norén.

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