Mein persönlicher Karfreitag

Gerade schlug ich mal die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Karfreitag nach. Es kommt offenbar aus dem Althochdeutschen. Dort bedeutet „Kara“ soviel wie Klage, Kummer oder Trauer. Für protestantische Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Kirchenjahr. Unser persönlicher Umgang mit diesem Tag ist zwar still. Ansonsten leben wir aber eigentlich keine wirklich christlichen Traditionen mehr. Ich spüre nicht erst seit heute, dass mir in meinem Leben diesbezüglich etwas fehlt. Ich nehme mir vor, mehr darüber nachzudenken und meiner religiösen Spiritualität wieder mehr Lebensraum und -zeit zu geben. Vielleicht sollte ich dieses Thema auch in der Familie ein wenig mehr als in den letzten Jahren in den Vordergrund rücken. Zuerst muss ich aber herausfinden, was ich eigentlich will.

Emporte moi — Nimm mich mit

Spielfilm Kanada/Frankreich/Schweiz 1999
Regie: Lea Pool

Darsteller: Karine Vanasse, Pascale Bussiéres, Miki Manojlovic, Alexandre Meaurineau, Charlotte Christeler, Nancy Huston, Monique Mercure, Jacques Galipeau, Carl Hennebert-Faulkner

Hanna ist 13 Jahre alt und wächst als Tochter eines jüdischen Schriftstellers und einer katholischen Näherin auf. Der Vater ist während des zweiten Weltkrieges aus seiner polnischen Heimat geflohen und lebt seither als Staatenloser in Kanada. Die Mutter entstammt einem katholisch christlichen Elternhaus und wurde viel zu früh schwanger. Die Eltern sind arm, Hannas Vater ist arbeitslos und die Mutter muss die gesamte Familie mit ihrer Näherei durchbringen. Hannah kämpft täglich neu um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Die Eltern sind jedoch vollends damit beschäftigt, den schwierigen Alltag zu bestreiten. Nur im Kino findet Anna Geborgenheit.

Der Film von Lea Pool begleitet ihre Hauptfigur Hanna jederzeit sehr zurückhaltend, leise und sensibel. Wir erleben mit, wie unglücklich und beinahe verzweifelt Hanna Liebe und Geborgenheit sucht und wie sehr sie sich wünscht, endlich Antworten auf die drängenden Fragen einer Heranwachsenden zu finden. Sie stolpert eher zufällig in ein Kino und sieht dort Jean-Luc Godards „Vivre sa vie“. Sie sieht, wie die Hauptfigur Nana S. Antworten auf die Fragen des Lebens und der Liebe findet. Nana S. scheint sogar Lösungen für die Alltagszwänge des Lebens zu finden. Hanna sieht sich diesen Film immer wieder an und die Filmfigur der Nana wird mehr und mehr zum Leitbild für Hanns gesamtes Tun.

Karine Vanasse als Hanna fesselt mich durch ihre ungeheuerliche Präsenz. Ich sitze da, schaue die wunderbar natürlichen und doch durchkomponierten Bilder des Filmes an und bin schon nach wenigen Minuten Hanna. Erst als der Nachspann über den Bildschrim läuft, tauche ich nach 90 Minuten wieder aus dem Film auf und freue mich sehr, dass ich ausgehalten habe und mir zur kulturellen Primetime ab 00.35 Uhr noch diesen Film angesehen habe.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.