Der Koch des Jahres kocht in Frankfurt. Mario Lohninger zwischen neuer Welt und österreichischer Tradition

Ganz allmählich verändert sich die kulinarische Welt in und um Frankfurt. Glich die Mainmetropole früher eher einer kulinarischen Wüste, so ändert sich dies seit Jahren langsam aber sicher. Der Nährboden ist ohnehin da. In Frankfurt läuft viel Geld herum. Was lange Zeit fehlte, war Geschmack. Dass es gerade Mario Lohninger nach Frankfurt verschlug und damit in die deutsche Stadt, die immernoch ziemlich amerikanisch daherkommt, verwundert nicht. Der gebürtige Österreicher kochte zwar auch mit Guy Savoy in Paris. In zehn Jahren Amerika (zum Beispiel bei Wolfgang Puck in Los Angeles und David Bouley in New York) holte Lohninger sich aber seine ganz persönlichen Vorstellungen vom Kochen, die er derzeit in drei Restaurants (das Silk, das Micro und das Lohninger) in Frankfurt einem geneigten Publikum vorstellt. Und dass die Österreichische Küche ebenfalls einen guten Startpunkt bietet, braucht hier kaum extra erwähnt zu werden. Als Freund Frankfurts freue ich mich über die Auszeichnung, die Mario Lohninger jetzt vom Gault Millau erhalten hat.

Brunchen in Darmstadt: Café Restaurant Bar 3klang

Verabredung zum Brunch. In der Nacht war die Zeitumstellung auf Sommerzeit. Man hat uns mutwillig Zeit gestohlen, hat uns Schlaf geraubt, hat uns Ruhe genommen, den Sonntag unnötig früh beginnen lassen und dann auch noch dieses: Wir sind mit Freunden verabredet, wollen Brunchen. Andererseits meldet sich eine innere Stimme, spricht von Vorfreude auf ein Wiedersehen mit lieben Menschen. Ich bin neugierig, nicht zuletzt auch auf das für uns noch neue Kaffeehaus 3klang. Wir schälen uns aus dem Bett, machen uns fertig für die Welt da draußen, wollen auch noch einen der Freunde vom Bahnhof abholen, denn schließlich gilt stets: Versprochen ist versprochen. Er kommt extra von außerhalb. Für ihn ist der Weg noch länger. Er kommt mit der Bahn, extra für uns, extra, damit man sich endlich mal wieder sieht. Das letzte Treffen ist genau ein Jahr her. Mein Gott, die Zeit rennt.

Es ist beinahe 11 Uhr. Endlich haben wir einen Parkplatz gefunden, stoßen die Tür zum 3klang auf und treten ein. Alle Tische sind schon gut besetzt und ich bin froh, dass wir einen Tisch vorbestellt haben. Naja, Brunch ohne Vorbestellen: das geht gar nicht, oder? Wir laufen über einen schönen alten Dielenboden. Der Raum ist sehr hoch, eben ein Altbau und alleine schon deshalb wirklich schön. Das Kaffeehaus liegt direkt am Riegerplatz in Darmstadt. Über die gesamte Außenfront des 3klang laufen vier raumhohe große Fenster, die oben in Rundbögen münden und viel Tageslicht in die Räumlichkeiten herein lassen. Die Wände sind weiß gekälkt und ergeben, zusammen mit dem dunklen Boden und der eher rustikal modernen Einrichtung, einen modernen und doch warmen Gesamteindruck. Ein Ort zum Wohlfühlen.

Sonntags ist Brunchtag. Man hat uns schon vorgewarnt und gemeint, dass man viel Hunger mitbringen soll. Ich dachte noch, dass mir das ja normalerweise nicht soooo schwer fällt. Als ich jetzt aber das Buffet sehe, weiß ich, was dieser wohlwollend erteilte Rat meinte: Wir sehen ein wirklich tolles Buffet. Es finden sich verschiedene Brotsorten, wir sehen Körnerbrote, Weißbrote, sehen Rühreier, gebratenen Speck, sehen vielerlei Weich- und Hartkäsesorten, sehen Wurst, Salami, sehen Salat, sehen Croissants und Bagels, sehen French Toast, sehen Mohnstangen, ordinäre aber wunderbar frische Brötchen, sehen Marmeladen, Nutella, eine hausgemachte Kartoffelsuppe, Fisch und und und. Ich könnte mit meiner Beschreibung wohl noch lange fortfahren. Anfangs hatte ich mich gefragt, wohin die Betreiber des Kaffeehauses die ganzen Sachen denn wohl hinsortieren. Man kann verkürzt sagen: Sie schaffen es. Das Buffet kostet pauschal 8,50€. Da kann man wirklich nicht meckern, wie ich finde. Angereichert wird dieses wahre Schlaraffenland der kulinarischen Genüsse von unterschiedlichsten Säften der Firma Rapps und allen möglichen Kaffeegenüssen. Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr weiß, ob es auch Tees hat. Eigentlich zweifele ich daran aber nicht wirklich. Zu diesen wirklich sehr vielfältigen kulinarischen Genüssen gesellt sich ein sehr prompter und freundlicher Service und ein angenehm unterschiedliches Publikum. Hier treffen sich Studenten und Professoren, man sieht manch alten Sponti und sieht am Tisch daneben friedlich ein bürgerlich ausschauendes Ehepaar mit ihren Kindern und Enkeln. Überhaupt fällt auf, dass sich hier sowohl alle Altersschichten als auch viele gesellschaftliche Schichten friedlich vereint an ihren Tischen finden. Kinder sind hier übrigens ebenfalls wirklich willkommen. Das macht das Gesamterlebnis 3klang zu einem extrem positiven polyphonen Gesamterlebnis. Ich bleibe im tonalen Bild und bilanziere: Tolle KlangWelten, bester Sound :-) ..

3klang, bar restaurant café. Riegerplatz 3, Darmstadt. Tel.: 06151-669 8843

(Dieser Text stammt aus meinem »Blogarchiv«. Er wurde am 25. 3. 2007 erstveröffentlicht.)