Plus und minus. Eine Antwort ..

Gestern las ich vom Plus und minus. Und ich habe mich geärgert. Das gebe ich zu. Jürgen schreibt einmal mehr über die Blogosphäre. Schon beim ersten Lesen seines Textes frage ich mich — wie stets, wenn dieser Begriff fällt: wer ist diese Blogosphäre? Ich bewege mich nun seit Jahren zwischen Bloggern, Microbloggern und Sympathisanten eines nicht statischen Netzes. Immer, wenn mich jemand bittet, diese Szene zu charakterisieren, dann gerate ich quasi automatisch ins Stottern. Und ich bin nicht aufs Maul gefallen, normalerweise. Ich kann kleinere Einheiten beschreiben. Ich kann manches sagen über Programmierer und ich kann ebenso manches sagen über (Web)Designer und ich kann was sagen zu Netzaktivisten. Obwohl es da schon schwierig wird. Überhaupt: alles was ich beschreiben kann sind persönliche Eindrücke und Momentaufnahmen. Ich betone stets, dass es die Szene nicht gibt. Oder gibt es die Ärzte oder die Anwälte oder die Künstler oder die Politiker oder die Landwirte oder die Ingenieure oder die Arbeitslosen? Es gibt dann also auch die Deutschen? Nein, ich glaube nicht an solche Pauschalisierungen. Was es schon gibt sind Grundeigenschaften, die beispielsweise auf viele Blogger zutreffen. Allerdings werden auch diese scheinbar verallgemeinerbaren Eigenschaften immer weniger. Das hat nach meinem Eindruck damit zu tun, dass sich die gesamte Online-Szene jetzt schon seit zwei drei Jahren auseinander bewegt. Fragmentierung macht sich breit. Die Zersplitterung kommt aber aus meiner Sicht genau daher, dass nach einigen Jahren, in denen Gemeinsamkeiten prägend wirkten nun viele Blogger, Aktivisten und ehemalige Bewohner der Web 2.0 Welt sich klarmachen, dass sie mit dem Blogger nebenan herzlich wenig gemein haben. Man grenzt sich ab. Aus meiner Sicht wird das derzeit stark übertrieben und schadet einer positiven Entwicklung.

Von Möchte-Gern-Bloggern und Überzeugungstätern

Wenn ich an echte Blogger denke und andererseits daran, was ich vor allem in den letzten zwei drei Jahren so alles lesen musste, dann glaube ich schon, dass es eine Konsolidierung braucht. Und diese findet ja auch statt. Manche, die sich Blogger schimpfen, waren offenbar nur auf Jobsuche. Andere schreiben und veröffentlichen. Es entstehen teilweise tolle Texte und wenn man die Autoren dann Blogger nennt, gucken sie Dich ganz erschrocken an, weil sie sich selber noch gar keine Gedanken darüber gemacht haben, was sie sind, was sie sein wollen und auch nicht, was sie nicht sein wollen. Sie nutzen die Möglichkeit, Gedanken zu formulieren und Texte zu veröffentlichen. Sie probieren sich aus. Und die anderen sind ganz schnell dabei, die Ergebnisse des Probierens in Schubladen zu stecken. Klar, es gibt auch die anderen, die schon PR für sich machen noch bevor sie auch nur eine einzige Zeile geschrieben haben. Aber, mal im Ernst: Gibt es diese Leute nicht überall? Und gab es die nicht auch schon immer? Es wäre wahrlich zuviel der Ehre, wenn man meinte, diesen Typus Mensch hätte die Netzwelt erfunden und solche Leute gäbe es erst, seit das Netz laufen kann.

Der kleine Disclaimer

Ich schätze Jürgens Haltungen, über die ich in seinem Blog regelmäßig und sehr gerne lese, sehr. Einzig beim Thema Netz/Blogosphäre sehe ich einige Dinge anders. Zu viel Gespräche mit zu vielen vollkommen unterschiedlichen Leuten und viele viele nicht uniforme Eindrücke von Netzmenschen machen für mich ganz eineindeutig, dass es eine auch nur halbwegs einheitliche Netz-Gemeinschaft nicht gibt.

Im nächsten Beitrag zur Artikelserie Plus und minus. Eine Antwort .. schreibe ich über Parallelgesellschaften und das Netz.

Seht her: Ein Modernist!?

Modernist(en). Hmm, eigentlich empfinde ich beim Anschauen meines neuen WordPress Themes ja eher, als wäre das ein Classicalist. Ein Font mit Serifen, viel Weiß und ansonsten vorherrschender Einfachheit und Unaufdringlichkeit fürs Auge. Ich komme dahin immer wieder zurück. Manchmal zieht es mich nach einer Zeit hin zu anderen Ufern. Mehr Lebhaftigkeit ist dann das Gebot der Stunde. Lange hält diese neue Vorliebe meist nicht. Dafür hab ich zuviel übrig für den entspannten, komplett unaufgeregten Auftritt. Also: Modernist!