Btw2013: Selbsterkenntnisse

Die Bundestagswahl ist bald da. Damit geht mein erster Themenschwerpunkt quasi ganz von alleine zuende. Als ich #Btw2013 (= Bundestagswahl 2013) begann, hatte ich viele Pläne. Manche davon schrieb ich auf und manche anderen habe ich eher für mich voran getrieben, im Stillen. Ich habe in den letzten Monaten viel gelernt, auch über mich und mein Verhältnis zum Bloggen und Berichten.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass ich genau nachdenken sollte, was ich mir vornehme, denn ich muss gestehen: meine eigenen ersten Ideen zum Schwerpunkt habe ich beinahe alle nicht erreicht. Das Thema war/ist mächtig und birgt großes Frustpotential und ich habe mich tatsächlich frustrieren lassen von all dem, was man da miterleben durfte. Als ich das merkte, habe ich meine Herangehensweise ein wenig verändert. Das half. Ich versuchte, mehr die Zusammenhänge aufzuzeigen und habe versucht, abseits der puren Tagespolitik Schlüsse zu ziehen aus den eintrudelnden Nachrichten. Dieser Weg fühlte sich besser an und doch habe ich, dass muss ich eingestehen, viel zu wenig geschrieben. Auch, wenn ich es legitim finde, nicht jedem Skandal, jeder Fehlentwicklung nachzurennen, sollte ein Schwerpunkt das Thema von möglichst vielen Seiten abbilden, er sollte Zusammenhänge sichtbar machen und wenigstens manchen Lesern neue Einsichten ermöglichen. Alle diese Ziele habe ich klar verfehlt.

Sind Schwerpunkte doof?

Nein, Schwerpunkte sind nicht doof. Doof ist es, wenn man es versäumt, klar seine Ziele zu formulieren und doof ist auch, wenn man sich nicht gut genug überlegt hat, ob man ein Thema überhaupt alleine stemmen kann. Diese Binsenwahrheit muss ich mir selber ans Rever heften. Dann sollte es auch klappen mit dem Spaß, den es machen kann, Themen einmal mehrschichtiger zu betrachten und über einen längeren Zeitraum hinweg. Ob ich wirklich aus den Fehlern gelernt habe, werde ich schon relativ bald sehen, denn ich habe eine neue Idee für einen Schwerpunkt. Aber, ich muss da nochmal ordentlich drüber nachdenken. Und zwar aus Gründen. Ihr wisst schon..

Leistungsschutzrecht

Die hiesigen Zeitungsverlage werden nun also per Gesetz davor geschützt, gegenwärtig oder zukünftig noch eine Leistung erbringen zu müssen? Das habe ich doch richtig verstanden, oder? Und warum soll ich solcherlei Tun per Kaufentscheidung unterstützen? Ja, stimmt, das war eine rein rhetorische Frage.

Joachim Gauck II – Aus Gründen ..

Das Netz ist schnell und nicht selten neigt es dazu, Themen eher Schwarz-Weiss darzustellen. Als Joachim Gauck als Bundespräsidenten-Kandidat feststand, blieben prompte Reaktionen nicht aus. Auch mein Text Joachim Gauck erschien relativ schnell.

Viele Leute sind unzufrieden mit dem Kandidaten und haben dies deutlich und sicher manchmal überzogen deutlich geäußert. Auch Gegenreaktionen blieben nicht aus. Stellvertretend sei hier auf den Text von Patrick Breitenbach hingewiesen. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass ich mich über die Rückschlüsse von Patrick sehr geärgert habe. Dabei geht es mir nicht darum, dass er Gauck anders bewertet. Mir geht es eher darum, dass er Dinge kritisiert, die er selber kaum besser macht. Er spricht davon, dass Zitate Gaucks ohne Kontext genutzt wurden und werden und übersieht, dass Menschen Aussagen nicht nur im Rahmen eines einzelnen Gespräches machen, sondern dass sich auch aus der Vielzahl von Äußerungen ein Bild ergibt. Viele kleine Mosaiksteinchen ergeben, wofür Gauck steht und ich behaupte, dass viele Gauck-Kritiker ein grundsätzliches Problem haben mit dem, wofür Gauck steht. Ich selber neige, glaube ich, nicht dazu, vorschnell zu urteilen. Ich bin, gemessen an der Geschwindigkeit, mit der im Netz beurteilt wird,  sogar oft zu langsam. Ich beobachte stetig und äußere mich erst, wenn ich sicher bin in dem, was ich glaube festgestellt zu haben. Auch deshalb habe ich mich gestern sehr über die unzulässigen Vereinfachungen Patricks geärgert.

Ich habe einen Artikel angefangen, quasi als Reaktion, habe diesen aber nicht fertigstellen können und wollte ihn auch nicht unmittelbar posten. Hitzige Reaktionen haben wir ohnehin viel zu viele. Ich beschloss also, meinen Artikel heute nochmal durchzuschauen, zu redigieren und ihn dann zu posten. Und was soll ich sagen: Mitten im Korrigieren werde ich auf einen Artikel von Anatol Stefanowitsch aufmerksam. Er konnte wohl auch schlecht schlafen und hat einen Artikel mit der Überschrift »Der böse Gauck und das Netz« geschrieben. Ich habe den Artikel vorhin gelesen und was soll ich sagen: Anatol made my day! Er analysiert Joachim Gauck anhand vieler seiner Statements und untermauert, was viele Leute dazu bringt, Gauck als neuen Bundespräsidenten abzulehnen, mich inklusive. Ich kann das Lesen des Artikels nur wärmstens empfehlen. Dabei ist es nicht wichtig, ob man Pro Gauck ist oder Contra. Man erfährt viel über die Werte Joachim Gaucks und das kann ja per se nicht schlecht sein, denn es scheint doch sicher zu sein, dass er tatsächlich der nächste Bundespräsident wird.

Fazit

Ich halte Joachim Gauck für den falschen Kandidaten, weil er ein Weltbild in sich trägt, dass längst widerlegt ist. Ich unterstelle ihm keine Absicht, keine Mache. Allerdings ist es relativ egal, ob sein Weltbild das Ergebnis taktischen Handelns ist (in Richtung eines bürgerlichen Lagers) oder ob es schlicht deshalb existiert, weil er Dinge nicht zuende gedacht hat bzw. neuere Eindrücke einfach nicht in sein Denken einfließen lässt. Mit seinen Äußerungen rückt er Menschen, die ohnehin keinerlei Lobby haben in die Nähe von Kriminellen, er grenzt Menschen aus, deren Eltern vielleicht aus der Türkei zugewandert waren und die heute überwiegend ein voll integriertes Leben inmitten unserer Gesellschaft führen. Ich könnte an dieser Stelle weitermachen, lasse es aber sein. In Anatols Artikel finden sich alle Antworten. Für mich gilt (nach wie vor): Dieser Kandidat ist (aus all diesen Gründen) nicht mein Kandidat.