Joachim Gauck

Joachim Gauck soll es also werden. Und jetzt, im Nachhinein, wird auch klar, wieso es Sinn macht, dass man Die Linke nicht eingeladen hat zu den Gesprächen um einen gemeinsamen Bundespräsidentenkandidaten zu finden. Echtes Zusammenrücken war nie vorgesehen. Vielmehr bleibt man sich treu und lädt kleingeistig nur diejenigen ein, von denen man noch etwas will oder bei denen Zustimmung quasi garantiert ist. TV-Soaps sind im Vergleich zu diesem Schmierentheater gelebte Hochkultur.

Gauck früher und heute

Persönlich hätte ich es besser gefunden, wenn Klaus Töpfer vorgeschlagen worden wäre. Auch Petra Roth wäre aus meiner Sicht wählbar gewesen. Das sind nur zwei mögliche Kandidaten. Joachim Gauck zeigte gerade während der letzten Monate deutlich, dass er nicht mein Präsident wird. Ja, er kann Reden halten und ja, er wirkte manchmal durchaus charismatisch, früher. Zuletzt sah ich kein Charisma, sondern eine eigentümliche Mischung aus Hochmut und Selbstverliebtheit. Und wenn ich mir dann noch seine Aussagen zur Occupy-Bewegung und zu Thilo Sarrazins Buch vom sich abschaffenden Deutschland vor Augen halte, dann kann ich nur zu dem Ergebnis kommen, dass er schlicht ungeeignet ist, um Bundespräsident zu werden. Ich wünsche mir stattdessen einen Präsidenten, der tatsächlich und nicht nur auf dem Rednerpult ein Präsident für alle ist. Da aber hat sich Gauck quasi selbst abgeschossen. Fazit? Joachim Gauck ist noch nicht einmal ein Präsident für die Gegenwart und er ist erst Recht kein Präsident, der einen Weg weisen kann in Richtung Zukunft. He is not my president.

Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2011. Georg Schramm mit einer Ode an den Zorn

Georg Schramm mit einer Ode an den Zorn. Haltet Euch fest und genießt. Und: Bitte nicht wundern, es gibt keine Bilder. Der obige Schnipsel ist ein reines Audiofile. Und wer meint, Schramm hätte sich bei seinem Auftritt nur in Rage geredet, der irrt. Lest mal hier.

Deutsch-Türkisches Leben in Deutschland. Zusammenleben wäre doch so einfach

Fast die Hälfte aller in Deutschland lebenden Migranten mit türkischem Hintergrund fühlen sich in Deutschland unerwünscht. Einmal mehr bekommen wir Schwarz auf Weiss, wie schlecht es um die Integration bestellt ist. Dabei spreche ich nicht von Menschen, die sich nicht anpassen wollen. Ich spreche im Gegenteil von Akademikern, die sich gegen alle Vorbehalte durchgesetzt haben und hier, ausgestattet mit einer sehr guten Ausbildung, immer noch in jeden Tag auf offene oder versteckte Anfeindungen stoßen. Ich spreche von Gründern, die viel Geld verdienen und ausgeben und Arbeitsplätze schaffen, die sich aber im Supermarkt allzu oft komischen Blicken ausgesetzt sehen, weil sie anders aussehen. Einer gerade erschienen Studie zufolge planen sogar etwa 42 Prozent dieser Menschen eine Rückkehr in die Türkei.

Gleichzeitig wird immer wieder festgestellt, dass Deutschland kein Einwanderungsland ist und ich frage mich immer und immer wieder: wieso wollen manche Leute eigentlich nicht einsehen, dass Deutschland faktisch schon seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist? Wieso stellen wir uns der Grundsituation nicht postiv und disktutieren und definieren endlich Regeln und Werte, zu denen wir uns bekennen wollen? Wir würden relativ schnell viele neue Zuwanderer bekommen, wir würden an Vielfalt gewinnen, unsere Wirtschaftskraft würde wachsen und ganz nebenbei, würden wir auch wieder mehr Kinder bekommen. Es würde uns allen einfach gut tun.

Grundvoraussetzung ist aus meiner Sicht aber, dass wir uns zu den neuen Deutschen bekennen würden. Wir müssten natürlich zulassen, dass die jungen, neuen Deutschen ihre Andersartigkeit mitbringen dürfen. Wieso wird von Muslimen immer wieder gesprochen als wäre der Islam eine ansteckende Krankheit? Wieso verlangen wir von diesen Menschen, dass sie ihre Herkunft verleugnen und gleichzeitig wird unsere deutsche Gesellschaft immer konservativer und eine bewahrende Haltung wird als positiv angesehen? Wieso schauen wir z.B. Christlich-Orthodoxes Leben als rückständig an und wieso wollen wir überhaupt alle grundsätzlich zu einem christlich geprägten Leben missionieren, was wir oftmals selber nicht leben? Natürlich müssten sich Zuwanderer zu unserer demokratischen Grundordnung bekennen, sie müssten das Grundgesetz nicht in Kauf nehmen, sondern sollten es idealerweise offensiv bejahen. Gleichzeitig sollten wir uns aber das eigene Grundgesetz auch mal wieder anschauen. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass die lautesten Schreihälse selber das eigene Grundgesetz gar nicht kennen.

Ich bin gespannt, wann wir endlich bereit sind dafür das zu tun, was im Ausland an vielen Stellen schon seit Jahrzehnten gelebt wird und was die jeweiligen Gesellschaften häufig nicht nur in einem monetären Sinne reicher gemacht hat. Das Glas könnte nicht nur halbvoll sein, sondern geradezu überlaufen vor neuen Möglichkeiten und Chancen.