OscarNacht. Der Tag danach

Gestern nacht war Oscar-Nacht. Und, wir haben ziemlich lang ausgehalten, haben erst gegen 5 Uhr das Licht ausgemacht, nicht aber den Fernseher. Ich gestehe freimütig: ich hatte zuerst aufgegeben, musste dann aber immerhin den Fernseher ausschalten. Die Fernbedienung war im Bett vergraben und was soll man da machen? Aufstehen, Glotze ausschalten, hmfrrrrr. Und wieder wach werden, leider. Beinahe hätte man wirklich besser durchmachen sollen.

Roter Teppich

Ja, und wie war die Oscarnacht jetzt? Hmm, mal überlegen. Einstiegsdroge »Roter Teppich«? Ich will Anke zurück! Der Typ gestern war ja vollkommen daneben. Man sollte ihm erklären, dass man die Berichte vom »Roten Teppich« sehen will, weil man Leute sehen will, Kleider sehen will, Aufregung erleben will, Glamour sucht oder auch nur erste Eindrücke, wie die Leutchen drauf sind. Jedenfalls will man keine blonde Schnarchnase sehen, die sich gerne reden hört und der auch gar nichts anderes übrig bleibt, weil ohnhein kaum jemand bei ihr stehen bleibt. Nochmal: Wo ist Anke? Das war jedenfalls gar nix ..

Unnnd, was noch?

Und die Show an sich? Ellen de Generes mag ich sehr .. sie war gestern aber entweder nicht besonders in Form oder es ist, wie Anke Gröner vermutet, nicht ihr Rahmen, es ist einfach zuuu gross für sie. Mag sein.. schade ist es trotzdem. Weil ich den Film wirklich sehr mag, freut mich der Auslandsoscar für Florian Henckel von Donnersmarcks Das Leben der anderen wirklich sehr; ich hatte eher auf Pans Labyrinth getippt. Vielleicht wollte die Jury auch gerecht sein und Weise, denn Pans Labyrinth hatte bis zur Vergabe des Auslandsoscars schon drei weitere Academy Awards eingeheimst. Aber, was rede ich: Congratulations! Und sonst? Und sonst war es für mich eine der schwächsten Oscar-Nächte der letzten Jahre. Aber, was solls, ich bin FilmFan und es kann nicht immer nur suuupi sein ;-) ..

Filmmuseum Frankfurt: 60 Jahre Filmgeschichte, Mut und Leidenschaft

Im September diesen Jahres feierte die Berliner Central Cinema Company GmbH (CCC) ihr 60-jähriges Bestehen. Die Film- und Produtkionsfirma von Artur Brauner nimmt innerhalb der Deutschen Kinowelt eine ganz besondere Stellung ein. Diese besondere Stellung würdigt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt mit einer sogenannten Galerieausstellung. Gezeigt werden u.a. teilweise handschriftlicher Briefverkehr, den CCC-Chef Artur Brauner mit seinen damaligen Schauspielern führte. Darunter finden sich Briefe von Romy Schneider, Fritz Lang, Gert Fröbe und vielen anderen Protagonisten dieser Epoche. Cineasten erhalten Einblick in Produktionsunterlagen und originale Werkfotos.

Einmal mehr schafft es das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt, aus sachlichen Fakten  erlebbare und erfühlbare Geschichte zu erschaffen. Es werden sowohl die Höhen als auch die Tiefen eines sehr besonderen Deutschen Lebensweges erzählt. Nicht zuletzt erfährt man auch viele kleine und bislang nicht bekannte Details aus dem Leben von Artur Brauner, dem Chef der CCC-Film. Am Ende bleibt mir noch, nicht einfach dazu aufzufordern, die Ausstellung im Filmmuseum zu besuchen. Vielmehr versuche ich es einmal cineastisch und sage: Ton ab, Kamera läuft .. uuuuuuund .. Action!

We feed the World

Regie & Drehbuch: Erwin Wagenhofer

Ich trage jetzt schon seit einiger Zeit den Gedanken mit mir herum, etwas über „We feed the world“ zu schreiben. Schon seit einigen Wochen kann man in der Blogosphäre und darüber hinaus Rezensionen, Meinungen und allerlei weltanschauliche Äusserungen zu diesem Dokumentarfilm lesen. Meine Meinungsbildung zum Film und auch meine Meinungsbildung zu diesen gesamten Thema ist noch nicht abgeschlossen; allerdings formen sich in mir Eindrücke, die einfach jetzt schon niedergeschrieben werden wollen. Mich würde auch interessieren, was andere Leute denken, die den Film schon gesehen haben oder die sich auch nur mit dem Thema auseinander setzen.

„We feed the world“ zeigt auf eindringliche und extrem schmerzhafte Weise, was wir Menschen, die doch angeblich die Krone der Schöpfung sind, aus der Erde gemacht haben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die allermeisten Menschen nicht mehr wissen, wie Fleisch hergestellt wird. Viele dieser Menschen wollen dies auch gar nicht mehr wissen, denn sonst könnte man ja bald gar nichts mehr essen. Jedermann, der mit Freunden oder Kollegen schon einmal über solche Themen geredet hat, weiß, was da meistens für Antworten kommen. Wir wissen auch, mit welchen Blicken Leute angesehen werden, die sich um Aufklärung in ihrem ureigenen Mikrokosmos bemühen. Da ist man schnell der Öko und bekommt, ehe man sich versieht, den Rat, doch „gleich nur noch Körner zu fressen“. Trotz aller guten Gründe, die für eine bewusste Ernährung sprechen und die zuallererst dafür sprechen, dass man als Verbraucher bewusst und verantwortungsvoll handelt, bleiben nach diesem komprimiertem Blick auf die Ist-Situation Fragen. Sie lauten beispielsweise: Wie soll ich als Arbeitsloser oder ganz allgemein als Kleinstverdiener mich sinnvoll und verantwortungvoll verhalten? Es ist aus meiner Sicht und nach langen Jahren Erfahrung reine Romantik, wenn man glaubt, man könne verantwortlich konsumieren, ohne das dies mehr Geld kostet? Jedermann will ab und an sehr gerne auch mal was Gutes essen. Ich möchte nicht immer nur Wasser und Brot essen. Ich kann es mir auch nicht leisten, meine Schuhe oder meine Kleidung dort zu kaufen, wo NUR „Fairtrade“ der Normalfall ist. Man stelle sich den Fall einer alleinerziehenden Mutter vor, die zum Arbeitsamt geht oder zum Sozialamt und sagt, sie wolle aber keine Babynahrung, die aus dem Supermarkt kommt, sondern sie wolle objektiv geprüfte Ware vom Demeterhof kaufen und brauche deshalb etwas mehr Geld für ihr Kind. Ich bekomme diese beiden Welten, diese beiden Ansprüche, einfach nicht zusammen. Es klappt einfach nicht, auch nicht, wenn ich mich noch so bemühe ..

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Meiner Meinung nach sollte es viel mehr Bemühungen geben, Aufklärung zu betreiben, wenn es um Konsumgüter geht. Ich würde gerne darauf hoffen dürfen, dass beispielsweise ganz junge Leute sich nicht nur dann für Nahrung, Fairtrade und die Gerechtheit in der Welt interessieren, wenn sie dies von ihren wohl gebildeten Akademikereltern aufgesogen haben. Auch hier bitte ich darum, nicht falsch verstanden zu werden, aber wenn man sich mit diesen Themen befasst, stellt man sehr schnell fest, dass falsche Ernährung vor allem ein Problem von Leuten ist, die nicht den oberen Bildungsschichten angehören.

Mein Fazit ist: Der Film von Erwin Wagenhofer ist unsagbar sinnvoll. Gleichzeitig sollten wir endlich unsere rosaroten Gesinnugsbrillen ablegen und abseits von Ideologien frei und ohne Vorurteile miteinander ins Gespräch kommen. Dies ist nämlich am Ende das einzig Negative an Gesprächen über Themen wie Globalisierung, Konsum, Nahrung oder Bildung. Es sitzen da immer zwei Gruppen von Menschen. Auf der einen Seite sitzen die sogenannten Bewahrer, die nicht selten geistig wenig flexibel sind oder schlicht faul und auf der anderen Seite sitzen die ganzheitlich orientierten Menschen, die nicht wahr haben können oder wollen, dass es abseits ihrer akademischen Kaste viele Menschen gibt, die für Themen wie den bewussteren Umgang mit Konsum, Globalisierung etc. erst noch gewonnen werden müssen. Das Beobachten dieser beiden Gruppen, die unfähig sind zur inhaltlichen Bewegung, macht mich immer zuerst traurig und dann irgendwann wütend.