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Tracy Chapman: Our Bright Future

Tracy Chapman ist eine leise Vertreterin ihrer Zunft. In diesen Tagen – zwanzig Jahre nach ihrem Auftritt beim Konzert zu Ehren Nelson Mandelas im Londonder Wembleystadion – hat sie ihr neues Studioalbum Our Bright Future veröffentlicht. Wer Interviews der scheuen Folk-Musikerin liest, begegnet einer Künstlerin, die nach 20 Jahren im Musikbusiness und acht veröffentlichten Studioproduktionen in Bezug auf die Zukunft der Menschheit immer skeptischer geworden ist. Der Titelsong Our Bright Future entstand beispielsweise unmittelbar nach Ausbruch des Hurrikan Katrina. Chapman sah damals mit an, wie in der Stunde der Not die Regierung einer der reichsten Länder der Erde die Menschen alleine lies. Gleichzeitig wurden und werden junge Menschen in einen wirtschaftlich motivierten Krieg geschickt und dringend benötigte Gelder für die Armen des Landes verwehrt. Tracy Chapman erzählt vom neuen Album und immer wieder treten Verknüpfungen zutage zwischen den Songs auf Our Bright Future und der politischen Wirklichkeiten auf der Welt. Man spürt schnell, wieso sie in den letzten Jahren immer mehr zum sozialen Gewissen Amerikas geworden ist. Das neue Album wurde von einem illustren Kreis von Musikern eingespielt. Ein kleines Lächeln ist auf ihrem jung gebliebenen Gesicht zu sehen, als sie vom Produzenten Larry Klein erzählt: ‚Der produziert sonst Herbie Hancock ..‘. Trotz anderer hochkarätiger Musiker (sie selber nennt beispielsweise Dean Parks, Joe Gore und Rob Burge) ist Our Bright Future nicht überproduziert. Im Gegenteil hört man von Anfang an, daß man es mit einem Tracy Chapman Album zu tun hat. Die Musik ist zeitlos und beim Durchhören der einzelnen Songs wünsche ich mir, daß nach dunklen Jahren für die Menschen vielleicht jetzt doch auch wieder Zeiten beginnen, die positivere Ausblicke zulassen. Our Bright Future kann ich bis dahin nur dringend empfehlen ..

Alte Schätze neu entdeckt: Branduardi Canta Yeats

Ich entdecke derzeit meine Plattensammlung nochmal neu. Zwischendurch war ich ein wenig erschrocken, wie weit ich mich von manchen Platten innerlich entfernt habe. Immerhin sind diese LongPlayer sozusagen der Kern einer viel größeren Sammlung gewesen. Ich hatte schon vor Jahren viele, aus meiner Sicht, entbehrliche Scheiben an einen guten Freund verschenkt. Sie sind dort in guten Händen. Heute also Angelo Branduardi. Auf dem Plattenteller dreht sich Branduardi Canta Yeats. Angelo Branduardi hat hier Gedichte des irischen Dichters William Butler Yeats vertont. Ich habe die Platte sicherlich 15 Jahre nicht mehr gehört und bin selbst überrascht. Da sind ruhige Songs entstanden, die wenig mit dem sonstigen Sound des La Pulce d’Acqua zu tun haben. Man sollte auch keine irischen Weisen erwarten. Vielmehr ist eine ungewöhnliche Mischung irischer Dichtkunst und italienischer Musikalität entstanden. Mein Fazit: Tolle Musik.