Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind Sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine.

[Vladimir Horowitz über das Klavierspiel]

Ich habe Vladimir Horowitz erst relativ spät und wenige Jahre vor seinem Tod für mich entdeckt. Damals wurde er gefeiert, weil er nocheinmal, im schon relativ hohen Alter, mit der CD »Vladimir Horowitz: The Last Romantic« eine Rückkehr auf die Bühnen der Welt feierte. Man konnte damals einige Dokumentationen sehen und der Mann, dessen Leben ich dort skizziert bekam, faszinierte mich sofort. Selten habe ich Musik dermassen entspannt und dennoch so ausdrucksstark gehört. Dabei verschwand diese kleine Person beinahe auf der Bühne, wenn er sich seinem Steinway näherte. Jahre später hat »Steinway & Sons« Horowitz Flügel auf der Musikmesse in Frankfurt gezeigt. Ich sah dieses vom vielen Umherreisen ziemlich zerkratzte Musikinstrument und hatte sogar die Gelegenheit, ein paar Takte zu spielen. Die Tasten waren für meine Verhältnisse vollkommen seltsam eingestellt und ich erfuhr, dass sich Horowitz die Tasten extra so einstellen lies. Auf seinen Tourneen wurde er stets von einem Mitarbeiter von »Steinway & Sons« begleitet, die einzig dafür da war, den Flügel genau so abzustimmen, wie der Meister es gerne hatte. All diese kleinen Details eröffneten mir damals die Welt der klassischen Musik vollkommen neu. Hatte ich bis dahin »nur« die Musik gehört und hatte bestenfalls die Biographie des Interpreten mit der Musik zusammengebracht, so nehme ich seit den Tagen des »Last Romantic« Musik ganz anders wahr. Es haben sich neue Dimensionen aufgetan. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken und überdies bin ich ob der Leichtigkeit des Horowitzschen Spiels immer wieder neu überrascht und begeistert.