Bodo Kirchhoff. Widerfahrnis

Den richtige Ton. Er ist wichtig, wenn man auf der Suche ist nach einem neuen Buch. Widerfahrnis habe ich gekauft, als Bodo Kirchhoff dafür den Deutschen Buchpreis bekommen sollte. Ich mache das sonst nicht. Ich kaufe und lese oft eher die, die dagegen sind. So war das jedenfalls früher. Seit einigen Jahren befreie ich mich aber von diesen Vorurteilen. Noch ein Vorurteil. Ich mochte die Frankfurter Verlagsanstalt nie. Ich empfand sie als konservativ. Sie stand für eine Literatur, die nicht meine war, mehrheitlich. Natürlich gabs da aber immer auch interessante Bücher.

Zurück zu Bodo Kirchhoffs Widerfahrnis. Nein, eine Rezension wird dies nicht. Es kann noch keine werden, denn ich habe erst einige Seiten gelesen. Der Ton stimmt. Ja, ich mag es auch, etwas von einem Frankfurter Autoren zu lesen. So gesehen beherrsche ich noch nicht immer alle meine Vorurteile. Der Ton stimmt, die Stimmung baut sich nach wenigen Worten auf. Mehr braucht es zunächst einmal nicht. Da ist was zwischen mir und diesem Buch. Mal schauen, vielleicht ist da auch was zwischen mir und diesem Autor.

Meine Buchmesse 2015

In diesem Jahr war ich mal wieder auf der Buchmesse. Ich war im Vorfeld unsicher, ob ich überhaupt hingehen sollte. Ich war dann gleich an mehreren Tagen da. Nach meinem Eindruck hat sich die Messe verändert. Manche Verlage waren gar nicht mehr da und manchmal sogar die gar nicht so kleinen, bei anderen bemerkt man, dass sich die Beziehung zur Messe wohl zusehens verändert. Insgesamt scheint es, als würde die Messe an Bedeutung verlieren. Das Internet fördert die Geschwindigkeit dieser Veränderung heraus und stürzt die Verlagswelt in einen nie gesehenen Sturm. Und dabei wird es wohl nur Verlierer geben, denke ich. Die Verlage verlieren ganz allgemein an Einfluß. Der Leser, das Objekt der Begierde, ist immer mehr ein Kind des Boulevard. Bücher und Texte mit Anspruch haben heuer noch ihre Liebhaber und auch ihre Leser. Bei manchen Verlagen hat aber das Verdrängen von Autoren mit kleiner Auflage bereits heftig begonnen. Natürlich ist es wahr: Wo sich eine Türe schließt, geht oft eine andere Türe auf. In diesem Fall heißt diese Türe Selbstverlag. Ich bin noch unschlüssig, wie ich dazu stehe, so insgesamt. Auf der Messe lauschte ich einem Gespräch zwischen Thees Ullmann und einem Journalisten. Ullmann sagte diesen Satz, dass er vor dem Veröffentlichen seines ersten Romanes dachte, ein Lektor täte vor allem die Schreibfehler korrigieren. Ullmann bedankte sich sehr für das Lektorat und egal, ob das von ihm persönlich vor allem höflich war oder nicht: Viele Autoren brauchen den Lektor. Wer übernimmt diese Arbeit, wenn sich jemand selbst verlegt? Ja, die Verlagswelt ist im Wandel. Das ist ja nun schon seit einigen Jahren zu beobachten. Auf einer Buchmesse kann man diesen Wandel aber in vielfacher Hinsicht wie durch ein großes Vergrößerungsglas aus nächster Nähe anschauen.

Als Leser habe ich ein wenig Angst um diese wundervolle und vielfältige Welt der Bücher. Ich möchte nicht, dass alleine Rechenkünstler, Tabellenschieber und Erbsenzähler darüber entscheiden, ob ein Autor seinen Text veröffentlicht bekommt oder nicht. Ich möchte, dass wir uns alle klarmachen, dass das Buch ein Kulturgut ist und das das geschriebene Wort immernoch die Kulturtechnik ist, die uns voran bringt. Ich stand auf der Messe und war ganz von Glück erfüllt, etwa Anton Cobijns Bildband „1-2-3-4“ in den Händen zu halten und anzuschauen oder Jérôme Gautiers „Dior: Zeitlose Eleganz“. Der Aufwand und die Detailliebe zu derart wunderschön gemachten Büchern ist nicht hoch genug einzuschätzen. Und dann geh ich weiter und muss quasi beim Wagenbach Verlag die Bücher der SALTO Reihe anschauen und anfassen. Digital kann vieles, aber Bücher wie „Puntarelle & Pomodori – Die römisch-jüdische Küche meiner Familie“ von Luciano Valabrega sind was Sinnliches. Sowas kann eben nur das Buch transportieren.

Lesestoff: Uwe Krüger – Meinungsmacht

In den letzten Jahren vermisse ich zunehmend bestimmte kritische Positionen, wenn ich journalistische Inhalte lese. Gerade große Zeitungen begleiten mit Beiträgen, was gerade tagesaktuelles Thema ist. Kritische Auseinandersetzung(en) mit einem Thema finden nach meinem Eindruck selten statt. Noch seltener finden sich Themen in Zeitungen, die nicht von einer Agenda der Aktualität angetrieben sind. Schon lange will ich diesen persönlichen und natürlich subjektiven Eindruck untersucht wissen, habe aber bisher wenig Lesestoff dazu gefunden. Vor einiger Zeit fand ich dann Uwe Krügers „Meinungsmacht“. Gerade der Untertitel des Buches machte mich eher noch neugieriger: „Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten — eine kritische Netzwerkanalyse“.

Ich bin noch lange nicht durch mit dem Buch, aber was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich es als sehr interessant empfinde. Zudem gibt es eine Reihe von Leseempfehlungen, die sich alleine aus den Fußnoten und zitierten Untersuchungen anderer ergeben. Fazit: Endlich ein fundierter Einstieg in diese Materie und somit endlich die Chance, aus einem subjektiven Eindruck objektivierte Aussagen zu machen. Natürlich braucht es dafür noch eine ganze Weile. Am Ende will ich wissen, ob meine Eindrücke richtig sind oder nicht und woran es liegen könnte, dass auch in seriösen Zeitungsformaten tiefergreifende Berichterstattung nur noch selten stattfindet. Worauf es mir explizit nicht ankommt: Neue Munition zu liefern für die ewige Diskussion um die Qualität journalistischer Inhalte. Gerade auch deshalb ist die Kommentarfunktion ausgeschaltet.