Orhan Pamuk – Der Blick aus meinem Fenster

Schon vor einiger Zeit habe ich mir die Taschenbuchausgabe von Orhan Pamuks Der Blick aus meinem Fenster schenken lassen. Schon das erste Blättern lies in mir große Vorfreude aufkommen. Seit einigen Wochen begleitet mich das Buch nun immer dann, wenn ich unterwegs bin. Orhan Pamuks Essays sind Beleg dafür, dass der Autor nicht unbedingt die lange Strecke braucht, um den Leser zu faszinieren. Vielmehr kann man, nein, muss man automatisch zum Verehrer der Literatur Pamuks werden, wenn man beispielsweise Lauter bunte Knöpfe in einer alten Nähschachtel liest. Darin wird eine kleine Anekdote aus der Kindheit des Autors geschildert, man wird einerseits in den Alltag einer türkischen Familie eingeführt, die sich am Westen orientiert und andererseits erhält man fast schon intime Einblicke in das Leben der mystischen Stadt Istanbul. Das Lesen der Geschichten zieht mich immr schon nach wenigen Worten in eine andere Welt. Und dabei ist es gar nicht wichtig, ob ich im Autohaus meines Vertrauens darauf warte, dass man mir die Sommerreifen auf meinen Wagen zieht oder ob ich mehrere Geschichten lesen kann, weil ich im Zug unterwegs bin und eine kleine Stunde Zeit am Stück habe. Orhan Pamuk schickt mich in Der Blick aus meinem Fenster regelmäßig auf höchst interessante Reisen in die geliebte Fremde.

Sechs Seiten

Lesen ist mein neuer alter kleiner Kurzurlaub. Angeregt durch @miradlo, bei der das B&B in einem Dent stets für »Bett & Buch« steht, habe ich neuerdings auch viel Freude an kurzen Ausflügen in literarische Welten. Ich habe 15 Minuten Luft? Da kann man doch ein paar Seiten lesen. Ich geh‘ abends zu Bett, bin saumüde, will aber trotzdem noch nicht sofort schlafen? Ich lese ein paar Seiten. Nach einer nicht wirklich objektiv ausgewerteten Eigenstudie lese ich ganz häufig nur sechs Seiten. Das ist keine Absicht, es sind tatsächlich häufig zufällig sechs Seiten. Erstaunlich dabei ist, dass dieses für meine Verhältnisse extrem kurze Eintauchen in einen Text dennoch in vielen Fällen ein kurzes Abschalten bringt. Manchmal ist es auch nur eine (willkommene) Unterbrechung des alltäglichen Denkstromes. Das ist neu für mich, dachte ich doch bisher eigentlich, dass man zum Lesen Zeit braucht. Ja, natürlich: Zeit haben bzw. sich Zeit nehmen ist immer noch optimal, wenn es darum geht zu lesen. Trotzdem können diese Sechs-Seiten-Ausflüge in andere Welten extrem effizient sein, um auf andere Gedanken zu kommen. Angefangen habe ich mit dem Lesen von Lyrik. Schon bald habe ich aber festgestellt, dass es durchaus auch funktioniert, sich auf diese Weise einem Roman zu nähern. Prima Sache, das.